
Gleicher Akku, gleicher Antrieb, aber 23 km mehr Reichweite: BMW gibt für den neuen iX4 bis zu 828 Kilometer nach WLTP an. Der technisch eng verwandte iX3 kommt auf maximal 805 km. Ein Grund dürfte die günstigere Aerodynamik sein. Doch beim Blick auf die Verbrauchswerte taucht eine Überraschung auf.
Vier Zentimeter können bei einem Elektroauto einen Unterschied machen. So viel niedriger ist der neue BMW iX4 im Vergleich zum iX3. Während der bereits erhältliche iX3 die typische Form eines SUV besitzt, fällt die Dachlinie des iX4 nach hinten deutlich ab. Das sieht sportlicher aus und verändert zugleich, wie die Luft um das Fahrzeug strömt.
Ab November baut BMW das neue Elektro-Coupé, ab März 2027 gibt es die ersten Auslieferungen. Der iX4 basiert wie der iX3 auf der Neuen Klasse und übernimmt große Teile seiner Technik. Besonders interessant ist der Vergleich der beiden 50-xDrive-Varianten. Sie besitzen dieselbe Batteriekapazität, dieselbe Antriebsleistung und den gleichen Radstand. Trotzdem liegt die maximale WLTP-Reichweite des iX4 um knapp 3 % höher.
Inhaltsverzeichnis
- Was macht den BMW iX4 aerodynamischer?
- Warum die Aerodynamik bei Elektroautos so viel ausmacht
- Gleicher Akku: Woher kommen die 23 km mehr Reichweite?
- BMW iX4 und iX3: Die technischen Daten im Vergleich
- Warum verbraucht der iX4 laut BMW trotzdem mehr Strom?
- Beide BMW laden mit bis zu 400 kW
- Die flachere Dachlinie kostet Platz
- Was kostet der BMW iX4 und wann kommt er?
- Was bleibt vom Reichweitenvorsprung?
Was macht den BMW iX4 aerodynamischer?
Der iX4 ist 4,78 m lang und 1,90 m breit. Diese Abmessungen teilt er mit dem iX3. Bei der Höhe unterscheiden sich die Modelle: Der iX3 misst 1,635 m, der iX4 lediglich 1,595 m.
Dazu kommt die anders gestaltete Heckpartie. Das Dach fällt beim Coupé früher ab, während ein Spoiler den Luftstrom am Fahrzeugheck beeinflusst. In seiner Pressemappe vom 8. Oktober schreibt BMW dazu: „Der prägnante Heckspoiler mit integrierter Bremsleuchte verbessert die Aerodynamik“.
Der Effekt zeigt sich auch beim Luftwiderstandsbeiwert, dem sogenannten cw-Wert. Beim iX3 beträgt er 0,24, beim iX4 nur 0,23. Damit liegt der Wert des Coupés rund 4,2 Prozent niedriger.
Der cw-Wert allein verrät allerdings noch nicht, wie viel Energie ein Auto benötigt, um den Luftwiderstand zu überwinden. Dafür spielt auch die Stirnfläche eine Rolle. Ein großes Fahrzeug muss selbst bei einem guten cw-Wert mehr Luft verdrängen als ein kleineres mit derselben aerodynamischen Qualität.
Entscheidend ist deshalb das Produkt aus cw-Wert und Stirnfläche. Da der iX4 niedriger ausfällt und zugleich den günstigeren cw-Wert besitzt, spricht einiges für einen geringeren Luftwiderstand. Wie groß dieser Vorteil genau ist, lässt sich aus den beiden cw-Werten allein nicht berechnen.

Warum die Aerodynamik bei Elektroautos so viel ausmacht
Der Luftwiderstand steigt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit. Fährt ein Auto doppelt so schnell, muss es bei sonst gleichen Bedingungen die vierfache Luftwiderstandskraft überwinden. Die dafür erforderliche Leistung steigt sogar auf das Achtfache.
Bei Tempo 50 spielt der Luftwiderstand eine deutlich kleinere Rolle als bei 130 km/h auf der Autobahn. Dort benötigt das Fahrzeug einen erheblichen Teil seiner Antriebsenergie, um die Luft beiseitezuschieben.
Deshalb kann eine günstigere Karosserie die Reichweite verbessern, ohne dass der Hersteller die Batterie vergrößern muss. Wie groß der Effekt im Alltag ausfällt, hängt allerdings vom Tempo und den übrigen Fahrwiderständen ab.
Beim iX4 kommt noch ein interessanter Punkt hinzu: Er ist nach den veröffentlichten technischen Daten sogar 20 kg schwerer als der entsprechende iX3. Ein geringeres Fahrzeuggewicht erklärt seinen Reichweitenvorsprung also nicht.
Gleicher Akku: Woher kommen die 23 km mehr Reichweite?
Sowohl der BMW iX3 50 xDrive als auch der iX4 50 xDrive verfügen über zwei Elektromotoren. Zusammen leisten sie 345 kW beziehungsweise 469 PS und stellen maximal 645 Nm Drehmoment bereit.
Auch beim Energiespeicher gibt es keinen Größenunterschied. In beiden Fahrzeugen steckt eine Hochvoltbatterie mit 108,7 kWh nutzbarer Kapazität. Die Technik gehört zur sechsten Generation der BMW-Elektroantriebe und arbeitet mit einer 800-Volt-Architektur. Dennoch nennt BMW unterschiedliche maximale WLTP-Reichweiten: 805 km für den iX3 und 828 km für den iX4.
BMW iX4 und iX3: Die technischen Daten im Vergleich
| Merkmal | BMW iX3 50 xDrive | BMW iX4 50 xDrive |
| WLTP-Reichweite | 673–805 km | 680–828 km |
| WLTP-Verbrauch | 15,1–18,1 kWh/100 km | 15,7–19,0 kWh/100 km |
| Nutzbare Batteriekapazität | 108,7 kWh | 108,7 kWh |
| Systemleistung | 345 kW | 345 kW |
| Drehmoment | 645 Nm | 645 Nm |
| cw-Wert | 0,24 | 0,23 |
| Fahrzeughöhe | 1.635 mm | 1.595 mm |
| Leergewicht | 2.360 kg | 2.380 kg |
| Gepäckraum | 520–1.750 l | 490–1.600 l |
| Maximale DC-Ladeleistung | 400 kW | 400 kW |
Quellen: BMW, technische Modellangaben vom Oktober 2026. Reichweite und Verbrauch hängen unter anderem von Bereifung und Ausstattung ab. Die Angaben zum iX4 sind teilweise vorläufig.
Wer mehr über die gemeinsame technische Grundlage erfahren möchte, findet die Einzelheiten in unserem Beitrag zum BMW iX3 und der Neuen Klasse.

Hier wird der Vergleich interessant. Obwohl BMW für den iX4 die höhere Maximalreichweite nennt, liegt seine veröffentlichte Verbrauchsspanne über der des iX3. Beim iX3 50 xDrive reichen die WLTP-Angaben von 15,1 bis 18,1 kWh je 100 km. Für den iX4 50 xDrive nennt BMW dagegen 15,7 bis 19,0 kWh.
Warum verbraucht der iX4 laut BMW trotzdem mehr Strom?
Ein Widerspruch? Nicht unbedingt. Die Zahlen beschreiben unterschiedliche Fahrzeugkonfigurationen. Je nach Bereifung und Ausstattung verändern sich Rollwiderstand, Gewicht und aerodynamische Eigenschaften. Deshalb darf man die maximale Reichweite des einen Modells nicht ohne Weiteres mit dem niedrigsten Verbrauchswert des anderen vergleichen.
Hinzu kommt, dass WLTP-Stromverbrauch und WLTP-Reichweite unterschiedlich ermittelt werden. Der angegebene Stromverbrauch berücksichtigt auch die beim Laden entstehenden Energieverluste. Die Reichweite beschreibt dagegen die Strecke, die das Fahrzeug mit dem nutzbaren Batterieinhalt im Prüfzyklus zurücklegt. Der iX4 besitzt außerdem serienmäßig das M Sportpaket mit 20 Zoll großen Rädern. Auch die konkrete Rad-Reifen-Kombination spielt beim Verbrauch eine Rolle.
Beide BMW laden mit bis zu 400 kW
Bei der Ladetechnik herrscht wieder Gleichstand. Die beiden 50-xDrive-Modelle unterstützen eine maximale Gleichstrom-Ladeleistung von 400 kW. BMW gibt für den Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent Batteriestand jeweils mindestens 21 Minuten an.
Unterschiede gibt es bei der Reichweite, die während eines kurzen Ladestopps hinzukommt. Der iX4 soll unter günstigen Bedingungen in zehn Minuten Strom für bis zu 387 Kilometer nachladen können. Beim iX3 nennt BMW maximal 372 km.
Auch hier handelt es sich um WLTP-Reichweiten, nicht um tatsächlich gefahrene Autobahnkilometer. Außerdem ist die Spitzenladeleistung von 400 kW kein Wert, den die Batterie während des gesamten Ladevorgangs hält. Wie BMW die hohen Ladeleistungen erreicht, erklärt unser Hintergrundartikel über die Antriebs- und Batterietechnik der Neuen Klasse.

Die flachere Dachlinie kostet Platz
Die günstigere Karosserieform bringt einen Nachteil mit sich: Im iX4 steht weniger Stauraum zur Verfügung. Der Kofferraum fasst 490 Liter, beim iX3 sind es 520 Liter. Werden die Rücksitze umgeklappt, wächst das Volumen im iX4 auf 1600 Liter. Der iX3 schafft 1.50 Liter.
Das Elektro-Coupé verliert bei maximaler Beladung also 150 Liter Gepäckraum. Unter der Fronthaube besitzen beide Fahrzeuge zusätzlich ein 58 Liter großes Staufach.
Was kostet der BMW iX4 und wann kommt er?
BMW will den iX4 im März 2027 auf den Markt bringen. Zunächst stehen zwei Antriebsvarianten zur Verfügung. Den Einstieg bildet der iX4 40 xDrive mit 275 kW beziehungsweise 374 PS, einer 82,6-kWh-Batterie und bis zu 638 km WLTP-Reichweite. Darüber rangiert der iX4 50 xDrive mit 345 kW und maximal 828 Kilometern.
Für die beiden Versionen werden Einstiegspreise von 70.900 beziehungsweise 75.900 Euro genannt. Der iX4 50 xDrive liegt damit preislich über dem technisch vergleichbaren iX3. Ab Januar 2027 soll außerdem der iX4 M60 xDrive bestellbar sein. Sein Allradantrieb leistet nach vorläufigen Herstellerangaben 450 kW beziehungsweise 612 PS. Die maximale WLTP-Reichweite soll 777 km betragen. Gebaut wird der iX4 im ungarischen BMW-Werk Debrecen, wo auch der iX3 entsteht.

Was bleibt vom Reichweitenvorsprung?
BMW nennt für den iX4 50 xDrive eine um 23 Kilometer höhere maximale WLTP-Reichweite als für den iX3 50 xDrive. Die Batterie ist gleich groß, der Antrieb leistet gleich viel. Unterschiede gibt es vor allem bei der Karosserie.
Der niedrigere cw-Wert spricht für einen aerodynamischen Vorteil. Wie viel dieser im standardisierten Prüfzyklus zur höheren Reichweite beiträgt, lässt sich anhand der Herstellerdaten allerdings nicht genau beziffern.
Besonders bemerkenswert ist, dass der iX4 trotz seiner flacheren Form über die ausgewiesenen Fahrzeugkonfigurationen hinweg höhere WLTP-Verbrauchswerte besitzt. Ein direkter Vergleich der Effizienz erfordert deshalb identische Testbedingungen und möglichst vergleichbare Ausstattung. Die zusätzlichen 23 km sind zunächst ein Unterschied auf dem Datenblatt – kein garantierter Reichweitengewinn auf der Straße.
Quellen
- BMW Group PressClub – Der neue BMW iX4: Pressemappe vom 8. Oktober 2026: Originalzitat zur Aerodynamik, Antrieb, Marktstart, Reichweite und Ladeleistung.
- BMW – Technische Daten iX4: Herstellerangaben zu Verbrauch, Reichweite, Abmessungen, Gewicht und Batterie.
- BMW – Technische Daten iX3: Vergleichswerte für den iX3 50 xDrive.
- BMW Group – Der neue BMW iX4: Informationen zur Neuen Klasse, Aerodynamik und Modellplanung.
- ADAC – BMW iX4 50 xDrive: Ergänzende technische Modellangaben und Grundpreis.































