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Bauen im Bestand 30.09.2026, 15:30 Uhr

518 Solarmodule in der Fassade: Eine alte Mühle bekommt ein neues Leben

Eine stillgelegte Mühle wird zum Wohnquartier – und ein neuer Wohnturm macht Photovoltaik zum sichtbaren Teil der Architektur. Im schweizerischen Grüsch verbindet das Projekt den Erhalt bestehender Bausubstanz mit Neubau und einer Solarfassade.

Alte Mühle ist jetzt ein Wohnhaus.

Im schweizerischen Grüsch wurden Gebäude einer ehemaligen Industriebrache in moderne Wohnhäuser umgewandelt.

Foto: Daniel Ammann

Im schweizerischen Grüsch wurden Gebäude einer ehemaligen Industriebrache in moderne Wohnhäuser umgewandelt. Etwa die Hälfte der heute knapp 4000 m² Nutzfläche wurde durch Neubaumaßnahmen geschaffen, die andere durch Umnutzung und Sanierung vorhandener Gebäude.

Neu gebaut wurde ein rund 30 m hoher Wohnturm. Seine mit Photovoltaik-Modulen bekleidete Fassade prägt heute das Erscheinungsbild des Areals.

Neue Wohnungen statt alter Mühle

Die Idee, eine in den 1930er-Jahren erbaute und direkt beim Bahnhof gelegene alte Mühle in Eigentumswohnungen umzuwandeln, stieß in der Gemeinde Grüsch auf Skepsis, weil auch hier der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum groß ist. Schließlich kam die Gutgrün AG zum Zuge, die auf dem Gelände der Mühle Mietwohnungen schuf.

2023 begannen die Arbeiten und schon Ende 2025 konnten die ersten Bewohner einziehen. Im vierstöckigen Hauptgebäude entstanden 15 große Wohnungen, im neu errichteten, elfgeschossigen Turm 37 kleinere.

Historisches bleibt sichtbar

Bereits 2010 erfolgte die Stilllegung der Mühle stillgelegt worden. Seither wurden ihre Räume für kulturelle Zwecke zwischengenutzt. Daran erinnern auch heute noch Graffitis, die trotz Umbau und Sanierung teilweise im Inneren erhalten wurden und in einigen Wohnzimmern sichtbar sind.

Wohnhaus mit Solarfassade
Die Fassade des elfgeschossigen Turms wurde mit 518 Solarmodulen bekleidet. Foto: Daniel Ammann

Auch darüber hinaus blieb beim Umbau viel von der ursprünglichen Substanz erhalten. Das Hauptgebäude wurde saniert und zu Wohnungen umgebaut, während der Anbau aus den 1960er-Jahren einem neuen Holzbau weichen musste. Ergänzt wurde der Bestand durch den neuen Wohnturm. Für die Planung des Ensembles war das Architekturbüro Ritter Schumacher verantwortlich.

Erneuerbare Energie fürs Quartier

Der neue Wohnturm wurde rundum mit Photovoltaik-Modulen verkleidet. Damit übernimmt die Fassade neben ihrer Funktion als Gebäudehülle auch einen wesentlichen Teil der Stromerzeugung.

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Das Energiekonzept der Mühle Grüsch stützt sich vollständig auf erneuerbare Quellen. Die Photovoltaikanlagen decken den Eigenstrombedarf der Liegenschaft. Für Wärme sorgt eine Wärmepumpe, ergänzt durch eine zentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung.

Fassade wird zum Kraftwerk

Insgesamt 518 unterschiedlich breite Solarmodule wurden mit dem System Swisspearl Sunskin Facade an der Fassade des Turms verbaut. Sie stehen für eine installierte Gesamtleistung von 155 kWp. Laut Simulation liegt der erwartete Jahresertrag der Fassaden-PV-Anlage bei ca. 85.000 kWh. Für einen hohen Energieertrag sorgen monokristalline TOPCon-Halbzellen.

Wohnhaus mit Solarfassade
Die Solarmodule der Fassade werden mit einer von außen nicht sichtbaren Befestigung montiert. Foto: Daniel Ammann

Die Module sind in unterschiedlichen Abmessungen und Farben erhältlich. Bei farbigen Modulen werden transluzente Farben auf die Innenseite des Frontglases aufgebracht und anschließend durch thermisches Vorspannen dauerhaft mit dem Glas verbunden. Je dunkler der Farbton, desto höher die Leistung des Moduls.

Farbe trifft Photovoltaik

Bei den farbigen Modulen kommen nicht keramische Farben zum Einsatz. Laut dem Hersteller Swisspearl sind sie frei von Cadmium und Schwermetallen und sollen dadurch das Recycling der Module am Ende ihrer Lebensdauer erleichtern. Da sich diese Farben hervorragend mischen lassen, sind auch individuelle Fassadengestaltungen möglich. Auch eine spätere Reproduktion der Farbtöne ist nach Angaben des Herstellers möglich.

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Die Farbangleichung passender Faserzementplatten an die Solarmodule erfolgt im Farblabor von Swisspearl. So lassen sich auch Fassadenbereiche, die aufgrund von Verschattung oder anderen Gegebenheiten nicht für die Energiegewinnung genutzt werden, optisch an die PV-Flächen anpassen.

Unsichtbare Fassadentechnik

Die Fassadensysteme werden als vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) ausgeführt und übernehmen damit auch den Witterungsschutz des Gebäudes. Die Solarmodule werden mit Befestigern des Systems Swisspearl Sigma 8 Pro versehen und in eine Unterkonstruktion eingehängt, wie sie auch bei der Herstellung einer VHF mit Faserzementplatten zum Einsatz kommt.

Diese Befestiger sind von vorn nicht sichtbar und werden auf der Rückseite fixiert. Dadurch entsteht eine durchgängige Fassadenfläche, bei der die Befestigungselemente von außen nicht zu erkennen sind.

Auch der Brandschutz musste auf die ungewöhnliche Fassadenlösung abgestimmt werden. Wie ingenieur.de bereits berichtete, ermöglicht eine eigens entwickelte Lösung eine durchgängige Solarfassade ohne die sonst üblichen Geschossabschottungen.

Nachhaltigkeit wird zertifiziert

Beim Entwurf sowie beim Bauprozess spielte Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Die zu Wohnungen umgebaute Mühle wurde von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert und erhielt drei Zertifikate. Für den Rückbau vergab die DGNB die höchste Auszeichnung Platin. Die Zertifizierung in Gold für den Neubau des Turms und die Sanierung des alten Mühlengebäudes befindet sich noch im Prozess.

Der Ort Grüsch in der Schweiz mit der umgebauten Mühle.
Das Energiekonzept der Mühle Grüsch stützt sich vollständig auf erneuerbare Quellen. Foto: Daniel Ammann Fotografie GmbH

Schon beim Rückbau wurde auf die Wiederverwendung vorhandener Baustoffe gesetzt. Das alte Silo wurde rückgebaut und der dort verwendete Beton vollständig wiederverwertet. Im neuen Hochhaus bestehen rund 60 % des Betons aus dem recycelten Material des alten Silos. Der restliche rückgewonnene Beton findet ohne Qualitätsverlust Verwendung in anderen Projekten. Damit erhielt die Mühle Grüsch schweizweit das erste DGNB-Zertifikat für den Rückbau.