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Nicht neue Häuser, sondern alte Quartiere sollen die Klimaziele retten

24. Juni 2026

Nachhaltiges Bestandsquartier mit DGNB-Zertifizierung
Nachhaltige Transformation beginnt im Bestand: Das neue DGNB-System macht Quartiere zukunftsfähig. Foto: DGNB
Mit einem neuen Zertifizierungssystem ermöglicht die DGNB erstmals eine strukturierte, praxisnahe Bewertung und Weiterentwicklung bestehender Quartiere.
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Quartiere sind der Schlüssel für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Genau deshalb rücken bestehende Strukturen zunehmend in den Mittelpunkt der Transformationsdebatte. Während Neubauten oft als Innovationsmotor gelten, liegt das größte Potenzial im Bestand. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen reagiert darauf mit einem neuen Zertifizierungssystem für Bestandsquartiere – kompakt, praxisnah und konsequent zukunftsorientiert.

Ein neues Zertifikat für das Bestandsquartier

Mit dem neuen System schließt die DGNB eine Lücke. Denn bisher richtete sich die Quartierszertifizierung vor allem an Neubauprojekte. Nun erhalten Kommunen, Bestandshalter, Sanierungsträger und Baugenossenschaften ein Werkzeug, das den Ist-Zustand realistisch bewertet und gleichzeitig konkrete Entwicklungspfade aufzeigt. Das System dient bewusst als Planungs- und Optimierungstool und nicht nur als Auszeichnung.

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Nachhaltigkeit im Bestandsquartier neu definiert

Der Ansatz bleibt dabei konsequent ganzheitlich. Klima- und Umweltschutz stehen gleichberechtigt neben sozialen und wirtschaftlichen Faktoren. Es geht um sozialen Zusammenhalt, um langfristige Wirtschaftlichkeit und um realistische Maßnahmen im Rahmen vorhandener Budgets. Gerade deshalb eignet sich das System auch für Quartiere mit heterogenen Eigentümerstrukturen.

Schritt für Schritt zur Transformation

Im Unterschied zur Neubauzertifizierung setzt das neue System nicht auf maximale Effizienz, sondern auf Erhalt, Weiternutzung und den bewussten Umgang mit grauer Energie. Einzelne Maßnahmen leisten einen messbaren Beitrag zur Transformation. Teilerfolge zählen – und werden honoriert. So entsteht Motivation für schrittweises Handeln statt Perfektionismus.

„Uns geht es bei all dem weniger um die Auszeichnung von Leuchtturm-Projekten als vielmehr um die Transformation in der Breite“, sagt Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. Genau deshalb wurden die Einstiegshürden gezielt gesenkt.

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Sieben Pilotprojekte als Grundlage

Der Kriterienkatalog entstand in einem fast zweijährigen Beteiligungsprozess. Workshops, Diskussionen und Praxistests prägten die Entwicklung. Sieben Pilotprojekte zeigten, wie herausfordernd Bestandsquartiere sein können. Unterschiedliche Eigentümer, lückenhafte Daten und stark variierende Gebäudestrukturen verlangten nach einem flexiblen, aber klaren System. Das Ergebnis: nur 15 Kriterien – weniger als die Hälfte des bisherigen Quartierssystems.

Klima, Resilienz und Menschen im Mittelpunkt

Das am stärksten gewichtete Kriterium „Klima und Energie“ führt Quartiere systematisch Richtung Klimaneutralität. Ein Energiekonzept definiert individuelle CO₂-Reduktionspfade, wobei Niedrigst-CO₂-Maßnahmen besonders stark belohnt werden. Gleichzeitig berücksichtigt das System Resilienz, etwa durch Kriterien zu Wasser, Biodiversität sowie Fläche und Boden. Ergänzend spielen ökonomische Aspekte wie Klimaanpassung, Flexibilität und Risikominimierung eine zentrale Rolle.

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Förderung nutzen und Bestandsquartier nachhaltig entwickeln

Attraktiv sind auch die vorhandenen Fördermöglichkeiten. Programme wie das KfW-Programm 432 „Energetische Stadtsanierung“ oder die Städtebauförderung unterstützen Maßnahmen, die sich inhaltlich mit dem DGNB-System decken. Zusätzlich profitieren Quartiere, wenn einzelne Gebäude ein separates DGNB-Zertifikat anstreben – etwa durch vereinfachte Nachweise.

„Wir können nur alle Kommunen und Quartiersentwickler, Bestandshalter und Sanierungsträger einladen, das DGNB System für Bestandsquartiere selbst einmal auszuprobieren“, so Lemaitre. „Je früher im Projekt begonnen wird, desto größer ist der Nutzen.“ (DGNB / Heike van Ooyen)

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