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München kartiert seine Häuser und entdeckt Millionen Tonnen Rohstoffe

17. Juni 2026

Digitale Darstellung eines Gebäudematerialkatasters für Urban Mining in München
Digitale Analyse trifft Stadtentwicklung: Urban Mining macht verborgene Baustoffe in München sichtbar und nutzbar. Foto: Madaster Germany
Urban Mining in München: Digitale Gebäudekataster machen Häuser zu Rohstofflagern und erschließen Millionen Tonnen Materialien für die Kreislaufwirtschaft.
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Über 500 Millionen Tonnen Baurohstoffe verschlingt die deutsche Baubranche jährlich für Gebäude und Infrastruktur. Gleichzeitig entsteht riesige Abfallmenge. Genau hier setzt München an und verändert die Perspektive: Gebäude werden nicht länger als Endpunkt gesehen, sondern als Rohstofflager der Zukunft.

Die Idee hinter Urban Mining ist einfach, aber wirkungsvoll: Bestehende Bauwerke werden systematisch analysiert, um ihre Materialwerte sichtbar zu machen. Dadurch entsteht ein neues Verständnis für Ressourcen, das weit über klassischen Rückbau hinausgeht. München startet damit eine stille, aber tiefgreifende Revolution im Bauwesen.

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Wenn Gebäude sprechen: Urban Mining macht Materialien sichtbar

Betonwände, Holzbalken, Ziegelsteine – all das steckt in unseren Städten. Doch bislang enden diese Materialien oft als minderwertiger Abfall. „Ein Wiedereinsatz in gleicher Güte und Qualität findet in Deutschland bisher kaum statt. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass wir oft gar nicht wissen, was in unseren Gebäuden steckt“, erklärt Dr. Matthias Heinrich, Experte für Urban Mining bei der EPEA GmbH – Part of Drees & Sommer.

UrbanMining liefert genau diese fehlende Transparenz. Es macht Gebäude „lesbar“ und zeigt, welche Ressourcen tatsächlich verbaut wurden. Damit entsteht eine völlig neue Datenbasis für Planung, Rückbau und Wiederverwertung.

Münchens Baustoffbibliothek: Urban Mining als Zukunftsversprechen

Im Rahmen der Zero-Waste-Strategie entwickelt München eine Baustoffbibliothek für die Stadt. Diese soll Transparenz über die materielle Zusammensetzung von Gebäuden schaffen und zukünftige Materialströme besser planbar machen. Urban Mining spielt dabei eine zentrale Rolle, denn es verbindet digitale Analyse mit konkreter Stadtentwicklung. Ziel ist es, Rohstoffe im Gebäudesektor nicht nur zu erfassen, sondern gezielt wieder in den Kreislauf zu bringen. So wird aus einem visionären Ansatz ein praktisches Instrument für nachhaltige Stadtplanung.

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Pilotprojekt Feldmoching-Hasenbergl: Urban Mining in der Praxis

Ein entscheidender Schritt ist bereits getan: Im Stadtteil Feldmoching-Hasenbergl wurden rund 7.500 Gebäude analysiert. Das Pilotprojekt zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial im Bestand steckt. Die Auswertung macht deutlich: Millionen Tonnen Beton und hunderttausende Tonnen Metalle sind dort verbaut. Diese Materialien bilden ein enormes urbanes Rohstofflager. München testet damit erstmals im großen Stil, wie Urban Mining konkret funktionieren kann – und liefert belastbare Daten für die Zukunft.

Daten werden zu Kreisläufen

Das Herzstück des Projekts ist der Urban Mining Screener, entwickelt von der EPEA GmbH und Madaster Germany. „Aus wenigen Eingangsdaten wie Baujahr, Bauort und Gebäudetyp lassen sich damit erste Abschätzungen zur Materialzusammensetzung von Gebäuden und ganzen Stadtteilen ableiten. Als Ergebnis entsteht ein Gebäudematerialkataster, das Transparenz über die verbauten Ressourcen und deren zirkuläre Potenziale schafft“, ergänzt Sarah-Caitleen Sauer, Head of Public Sector & Architecture bei Madaster Germany. Urban Mining wird hier digital greifbar. Aus Daten entstehen konkrete Stoffströme, die Städte besser planen und nachhaltiger gestalten können.

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Vom Abfall zur Ressource: Urban Mining verändert Bauwirtschaft

Was heute noch als Abfall gilt, kann morgen wieder Baustoff sein. Genau dieses Umdenken treibt Urban Mining voran. Alte Ziegel werden bislang zu Straßenfüllung, Glas zu Flaschen und Holz zu Pellets verarbeitet. Doch München zeigt: Es geht auch anders. Durch die systematische Erfassung von Materialien entsteht ein realistisches Bild zukünftiger Ressourcennutzung. So wird der Bausektor Schritt für Schritt Teil einer echten Kreislaufwirtschaft.

Münchens Weg zur Kreislaufstadt

Ressourcenschonung ist fest in Münchens Zero-Waste-Konzept verankert. Bis 2035 will die Stadt Abfälle deutlich reduzieren und den Materialverbrauch senken. Urban Mining liefert dafür eine entscheidende Grundlage. Die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt sollen künftig weiterentwickelt und in neue Initiativen eingebunden werden. Damit entsteht ein dynamisches System, das Stadtplanung, Klimaschutz und Bauwirtschaft miteinander verbindet – und München zu einer echten Kreislaufstadt macht. (Dreso / Heike van Ooyen)

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