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Deutschlands erste U-Bahn mit Stahlfasertübbings 18.05.2026, 14:30 Uhr

60 % weniger Stahl: Hamburgs U5 setzt auf neue Tunneltechnik

Mit der neuen U-Bahn-Linie U5 setzt Hamburg Maßstäbe im klimaschonenden Tunnelbau. Ein technologischer Durchbruch sorgt jetzt für einen weiteren Meilenstein: Der erstmalige Einsatz von Stahlfasertübbings reduziert CO₂-Emissionen drastisch und verändert den Infrastrukturbau nachhaltig.

U5 Baustelle Hamburg unterirdischer Tunnelbau

Tunnelbau für die U5 in Hamburg: Moderne Technik trifft auf klimabewusste Bauweise.

Foto: HOCHBAHN

Die neue U-Bahn-Linie U5 ist eines der größten Infrastrukturprojekte Deutschlands. Sie verbindet künftig den Hamburger Osten mit dem Westen und entlastet gleichzeitig Straßen, Buslinien und bestehende U-Bahn-Strecken. Realisiert wird das Projekt von der HOCHBAHN U5 Projekt GmbH, die mit der U5 eine leistungsfähige, barrierefreie und klimafreundliche Mobilitätsachse schafft. Ziel ist es, Hunderttausende Menschen täglich schneller und emissionsärmer durch die Stadt zu bringen – und das über Jahrzehnte hinweg.

Stahlfasertübbings: Wenn Innovation unter die Haut geht

Ein technologischer Durchbruch markiert nun einen besonderen Moment im Projektverlauf: Beim Tunnelbau der U5 kommen erstmals in Deutschland Stahlfasertübbings zum Einsatz. Diese vorgefertigten Betonsegmente kleiden die Tunnelröhren aus und sorgen für Stabilität. Der Unterschied liegt im Inneren: Klassische Stahlbewehrung wird durch fein verteilte Stahlfasern im Beton ersetzt. Dadurch sinkt der Stahlanteil um rund 60 Prozent – bei gleicher Tragfähigkeit, Sicherheit und Dauerhaftigkeit.

Stahlfasertübbings machen Nachhaltigkeit messbar

Gerade im Tunnelbau wiegt jeder eingesparte Rohstoff schwer. Stahlfasertübbings leisten deshalb einen spürbaren Beitrag zur CO₂-Reduktion. Der geringere Stahlbedarf senkt Emissionen direkt in der Herstellung und indirekt entlang der Lieferketten. Insgesamt verfolgt das U5-Projekt das Ziel, seine baubedingten CO₂-Emissionen im Vergleich zur konventionellen Bauweise um rund 70 Prozent zu reduzieren. Ergänzend kommen klinkerarme Zemente, CO₂-reduzierter Bewehrungsstahl sowie elektrische Baumaschinen zum Einsatz. Weitere Informationen zur Klimastrategie bietet: U5 und Klimaschutz

Visualisierung der zukünftigen U5-Haltestelle Bramfeld in Hamburg.
Visualisierung der U5-Haltestelle Bramfeld mit moderner, barrierefreier Architektur.

Ein Meilenstein im deutschen Tunnelbau

Damit diese Innovation Realität werden konnte, war ein besonderer Schritt nötig: Die U5 GmbH erhielt eine sogenannte Zustimmung im Einzelfall durch die Technische Aufsichtsbehörde. Damit ist die U5 das erste Tunnelbauprojekt in Deutschland, das Stahlfasertübbings offiziell einsetzen darf. Klaus Uphoff, technischer Geschäftsführer der U5 GmbH, bringt es auf den Punkt: „Mit der Zustimmung im Einzelfall schließen wir eine Lücke zwischen internationaler Praxis und deutschen Regelwerken.“
In den umfangreichen Prüfprozess waren unter anderem die Technische Universität München, Materialprüfungsämter und unabhängige Prüfingenieure eingebunden.

Stahlfasertübbings im Bauablauf

Gebaut wird die U5 überwiegend maschinell mit Tunnelbohrmaschinen. Die Genehmigung für Stahlfasertübbings gilt zunächst für die ersten maschinell aufgefahrenen Tunnelabschnitte ab 2027. Die Betonsegmente werden direkt hinter dem Bohrkopf eingebaut und bilden sofort eine stabile Tunnelröhre. Detaillierte Einblicke in den Baufortschritt und die einzelnen Phasen liefert das offizielle Bautagebuch unter U5 Bautagebuch sowie Informationen zur Bauweise unter U5 Bauverfahren.

Signal für ganz Deutschland

Die Erkenntnisse aus dem U5-Projekt reichen weit über Hamburg hinaus. Gemeinsam mit den Baupartnern ZÜBLIN und Wayss & Freytag werden CO₂-reduzierende Maßnahmen kontinuierlich weiterentwickelt. „Die U5 zeigt, dass technische Innovation, Sicherheit und Klimaverantwortung problemlos miteinander vereinbar sind“, betont Yves Grebing, Gesamtprojektleiter bei ZÜBLIN. Damit übernimmt die U5 erneut eine Vorreiterrolle – und setzt ein starkes Zeichen für den nachhaltigen Ausbau öffentlicher Verkehrsinfrastruktur. (HOCHBAHN / Heike van Ooyen)

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