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Seriell gedacht, nachhaltig gemacht 01.06.2026, 09:08 Uhr

Serielles Sanieren: Wie Schulen in wenigen Wochen bis zu 90 % Energie sparen

Mit serieller Sanierung lassen sich Schulen in Rekordzeit energetisch modernisieren. Kommunen sparen Kosten, senken Emissionen und entlasten den Schulbetrieb. Welche Verfahren kommen dabei zum Einsatz?

Sanierte Integrierte Gesamtschule Kreyenbrück in Oldenburg

Die Integrierte Gesamtschule Kreyenbrück in Oldenburg wurde innerhalb der Sommerferien umfassend saniert.

Foto: SIEVEKE

Deutschlands Schulen stehen unter massivem Druck. Viele Gebäude stammen aus den 1960er- und 1970er-Jahren, sind schlecht gedämmt und werden noch immer mit Gas oder Öl beheizt. Dadurch verbrauchen sie bis zu fünfmal mehr Energie als technisch notwendig wäre. Das belastet nicht nur das Klima, sondern ebenso kommunale Haushalte.

Gleichzeitig fehlen vielerorts Geld, Zeit und Fachkräfte. Genau hier setzt ein Ansatz an, der immer mehr Aufmerksamkeit gewinnt: Serielles Sanieren. Auf Einladung des Deutschen Energie-Agentur-Kompetenzzentrums Serielles Sanieren diskutierten Fachleute aus Verwaltung und Praxis bei den Berliner Energietagen, wie Schulen schneller und wirtschaftlicher modernisiert werden können.

Wie Pilotprojekte den Weg weisen

Berlin macht vor, wie Lernen aus Pilotprojekten funktioniert. Der Sanierungsstau der rund 800 Schulen beläuft sich dort auf 7,1 Milliarden Euro, davon entfallen etwa drei Milliarden auf die energetische Sanierung. Für Norbert Illiges von der Taskforce Schulbau ist klar: „Wir müssen priorisieren und Maßnahmen bündeln, um mit den vorhandenen Mitteln das Maximum zu erreichen.“ Die Berliner Schulbauoffensive setzt deshalb neben Neubauten gezielt auf Serielles Sanieren. Ein Vorzeigeprojekt ist die Marienfelder Grundschule. Sie wurde bei laufendem Betrieb modernisiert und liefert nun wertvolle Erkenntnisse für weitere Schulen. Digitale Planung, Vorfertigung und standardisierte Prozesse greifen hier ineinander und ermöglichen Sanierungen in deutlich kürzerer Zeit.

Seriell umgesetzt: Sanieren nach Stundenplan

Dass Serielle Sanierung sogar in den Ferien gelingen kann, zeigt ein Beispiel aus Oldenburg. Die Integrierte Gesamtschule Kreyenbrück wurde innerhalb der Sommerferien energetisch ertüchtigt. „Die schnelle Montage der vorgefertigten Fassadenelemente ist das Ergebnis einer extrem präzisen Planung“, erklärt Roman Koditek von der Zimmerei Sieveke. Weil Qualität und Tempo überzeugten, folgte direkt ein zweites Projekt. Entscheidend waren dabei eine gründliche Bestandsanalyse, ein exaktes 3D-Aufmaß und eine klar getaktete Vorfertigung. So blieb der Schulbetrieb weitgehend ungestört, während die Gebäudehülle in wenigen Wochen erneuert wurde.

Seriell rechnet sich: Wirtschaftlichkeit trifft Klimaschutz

Auch wirtschaftlich überzeugt der Ansatz. Der durchschnittliche Heizenergiebedarf deutscher Schulen liegt bei rund 211 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Das entspricht einer der schlechtesten Effizienzklassen. Durch serielle Sanierung lassen sich Einsparungen von bis zu 90 Prozent erzielen. Architekt Jochen Schurr von gute Orte architekten betont: „3.200 Quadratmeter Fassadenfläche in sechs Wochen sind realistisch.“ Schülerinnen und Schüler gehen in die Ferien und kehren in ein energetisch saniertes Gebäude auf Neubau-Niveau zurück. Die Investition amortisiert sich schneller als bei konventionellen Verfahren, zudem verlängert sich der Lebenszyklus der Gebäude deutlich.

Wenn seriell an Grenzen stößt – und trotzdem beschleunigt

Nicht jedes Projekt lässt sich vollständig in den Ferien umsetzen. Komplexere Vorhaben mit Aufstockungen oder Grundrissänderungen benötigen mehr Zeit. Dennoch sorgt die serielle Gebäudehülle dafür, dass Innenarbeiten früher beginnen können. So verkürzt sich die Gesamtdauer erheblich. Kommunen profitieren zusätzlich von einer höheren Ausführungsqualität, da viele Arbeitsschritte industriell vorgefertigt werden. Fehlerquellen sinken, während Planungssicherheit steigt.

Wissen teilen, seriell skalieren

Ein weiterer Erfolgsfaktor liegt im Wissenstransfer. Als Partner der Berliner Schulbauoffensive unterstützt die HOWOGE das Land Berlin beim Schulneu- und Bestandsbau. Geschäftsführerin Inga Stein-Barthelmes verweist auf Erfahrungen aus der seriellen Wohngebäudesanierung: „Dort, wo sich Gebäudetypen standardisieren lassen, entfaltet der serielle Ansatz sein größtes Potenzial.“ Viele Berliner Schulen aus den 1970er-Jahren eignen sich dafür ideal. Durch Clusterung ähnlicher Projekte entstehen Synergien, die Kosten senken und Geschwindigkeit erhöhen.

Chancen für Kommunen und Bildung

Serielle Sanierung ist kein Allheilmittel, aber ein entscheidender Baustein. Sie hilft Kommunen, den Sanierungsstau systematisch abzubauen, ohne den Schulalltag massiv zu beeinträchtigen. Gleichzeitig sinken Energieverbrauch und CO₂-Emissionen deutlich. Wenn Verwaltung, Planung und Ausführung früh zusammenarbeiten, entstehen skalierbare Lösungen. So wird aus einem scheinbar unlösbaren Problem Schritt für Schritt eine realistische Perspektive für zukunftsfähige Bildungsbauten. (dena)

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