Bauprojekt 13.04.2026, 15:00 Uhr

Innovativer Brandschutz für 30 m hohe Solarfassade

In der Schweiz steht ein Wohnturm mit 30 m hoher Solarfassade als Leuchtturmprojekt für Kreislaufwirtschaft, DGNB-Rückbau-Zertifikat und innovativen Brandschutz.

Solarfassade mit innovativem Brandschutz

Hier wird die 30 m hohe Solarfassade mit dem innovativen Brandschutz montiert.

Foto: Daniel Ammann

Wo heute in der Schweizer Gemeinde Grüsch ein Wohnturm mit einer 30 m hohen Solarfassade steht, stand noch vor wenigen Jahren eine Mühle mit einem annähernd 30 m hohen Getreidesiloturm. Die Umgestaltung ist ein echtes Leuchtturmprojekt für Nachhaltigkeit und konnte auch in der Kommunikation überzeugen: Gegen das Umbauprojekt gab es keinen einzigen Einspruch.

Zum ersten Mal DGNB-Zertifikat für Rückbau in der Schweiz

Die Mühle Grüsch ist das erste Projekt in der Schweiz mit einem Zertifikat für Rückbau der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB). Dazu mussten die Planer eine Materialstrombilanz für das gesamte Bauvorhaben erstellen. Auch in Deutschland gibt es noch nicht allzu viele Projekte, die dieses 2020 eingeführte und strengste Zertifikat der Branche erhalten haben. Eines davon ist der Rückbau der Unternehmenszentrale der Berlin Hyp in Berlin.

Kreislaufwirtschaft konsequent gedacht

Der Siloturm wurde zwar abgebrochen, aber der Altbeton im nahe gelegenen Betonwerk zerkleinert und aufbereitet. Der neue Beton für den Wohnturm verwendete für das Betongranulat dann dieses Material zu 75 % bis 95 %. So besteht das neue Gebäude etwa zu 60 % aus dem alten Gebäude.

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Bei der Umsetzung des Entwurfs der Architekten vom Büro Ritter Schumacher wurden alle verbauten Materialien in einem sogenannten Gebäuderessourcenpass erfasst. Dieser vorausschauende Ansatz denkt bereits zukünftige Lebenszyklen des Gebäudes mit. Sollte das Gebäude beispielsweise in 50 Jahren saniert oder abgerissen werden, ist transparent, welche Materialien verbaut sind. Das macht die Weiterverwendung von Bauteilen beim Abriss möglich und senkt den Sondierungsaufwand für eine Sanierung. Bisher landet ein großer Teil der Bauteile in diesem Prozess auf einer Deponie.

Die Mehrkosten, die dadurch entstehen, rechnen sich jedoch erst langfristig. Die Bauherrschaft, die Firma Gutgrün, verzichtete zugunsten der Nachhaltigkeit daher auf kurzfristige Gewinne.

Die Grafik veranschaulicht den Kreislauf des Betons. Grafik: Mühle Grüsch

Brandschutzlösung Marke Eigenbau für 30 m hohe Solarfassade

Fachplaner, beteiligte Unternehmen und die Versicherung entwickelten eine spezielle Lösung für dieses Gebäude. Die gängigen Brandvorschriften hätten die Effizienz der 30-m-Solarfassade beeinträchtigt, da sie in jedem Geschoss Abschottungen vorschreiben, die ein Überspringen eines Feuers von einem in das nächste Geschoss erschweren.

Die Lösung: Die Photovoltaikfläche wird nirgends durch Fenster unterbrochen. Sie ist durchgängig vom Boden bis zum Dach. Ein Feuer kommt also weder von innen an die Solarfassade noch umgekehrt von der Fassade in die Wohnungen.

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Alle an einem Tisch: Arbeiten im Allianzmodell vermeidet Konflikte

Im klassischen Modell schreiben Planer eine Leistung aus und Bauunternehmen führen diese dann aus. Das verhindert aber, dass Probleme, die in der Baupraxis schon lange bekannt sind, ihren Weg an den Planertisch finden. Anders beim Allianzmodell: Hier sitzen Bauherrschaft, Planer und ausführende Firmen von Beginn an gemeinsam an einem Tisch. Im gemeinsamen Dialog wurden die Vertragsformen an die jeweiligen Gewerke angepasst. Die Grundhaltung ist Vertrauen und Fairness statt reiner Risikoabsicherung.

Die Solarfassade der Mühle Grüsch. Foto: Daniel Ammann

Graffiti bleibt als Deko fürs Treppenhaus

Vor dem Neubau stand das Gebäude eine Zeit lang leer und wurde innen mit Graffiti besprüht. Einige davon wurden als Dekoelemente erhalten, z. B. im Treppenhaus. Das senkte nicht nur den Renovierungsaufwand, sondern verleiht dem Bauwerk zusätzliche Einzigartigkeit.

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Ein Beitrag von:

  • Fabian Kurmann

    ist Redakteur für Bauthemen. Nach einem Studium der Physik volontierte er bei den VDI nachrichten. Seine Themen umfassen zudem Architektur und Stadtplanung.

     

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