Bauen im Kreis 22.01.2026, 10:25 Uhr

Kommt Bauschutt-Recycling mit Hilfe von KI endlich in die Gänge?

Millionen Tonnen Bauschutt landen auf Deponien. Ein KI-System aus Tübingen will das ändern – mit Qualitätskontrolle in Echtzeit.

Ein Bagger reißt ein Gebäude ab

Ein Bagger reißt ein Gebäude ab. Beim Rückbau fallen große Mengen Bauschutt an, die mit KI-gestützter Sortierung künftig gezielter recycelt und wiederverwertet werden sollen.

Foto: Smarterpix/mc.atolye

Jedes Jahr fallen in Deutschland enorme Mengen an Bauschutt an. Nach Angaben des Umweltbundesamt summiert sich das auf rund 86 Millionen Tonnen. Ein großer Teil landet noch immer auf Deponien. Das ist teuer, verbraucht Fläche und verschwendet Rohstoffe. Gleichzeitig wächst der Druck, Baustoffe klimafreundlicher zu nutzen. Genau hier setzt ein Ansatz aus Tübingen an: künstliche Intelligenz soll Ordnung in den Schutt bringen.

Warum Recycling im Bau bisher stockt

Recycling-Beton gilt seit Jahren als Hoffnungsträger. Technisch ist vieles möglich, praktisch hakt es oft an der Qualität. Bauschutt ist kein homogener Rohstoff. Betonreste, Ziegel, Asphalt, Holz oder Störstoffe wie Gips kommen in wechselnden Mischungen an.

In vielen Anlagen verlassen sich Beschäftigte deshalb auf Sichtprüfungen und Erfahrungswerte. Die Qualität der recycelten Gesteinskörnungen schwankt entsprechend. Für Betonhersteller ist das ein Risiko. Sie greifen lieber auf Primärrohstoffe zurück.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
TUTOGEN Medical GmbH-Firmenlogo
Leitung Qualitätsmanagement international / Sachkundige Person (m/w/d) TUTOGEN Medical GmbH
Neunkirchen am Brand Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Fachingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
DFS Deutsche Flugsicherung-Firmenlogo
Produktmanager (w/m/d) für Systementwicklung iCAS DFS Deutsche Flugsicherung
Langen bei Frankfurt Zum Job 
WBS TRAINING AG-Firmenlogo
Schweißlehrer:in für WIG, MIG/MAG und E-Hand (m/w/d) WBS TRAINING AG
Dresden Zum Job 
TenneT TSO-Firmenlogo
Parametrierer Stationsleittechnik (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 
M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur/in - Technische Projektierung / Presales Engineering (m/w/d) mit Schwerpunkt keramische Hochtemperatur-Isolationstechnik M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Automatisierungstechniker (m/w/d) im Bereich Sondermaschinenbau Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG
Sengenthal bei Neumarkt in der Oberpfalz Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Projektleitung von Lärmschutz- und Brückenbauwerken Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW)-Firmenlogo
Professur für Business Analytics (m/w/d) Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW)
Stuttgart Zum Job 
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Tech Lead (m/w/d) Electric Powertrain / Elektromotoren Jungheinrich Aktiengesellschaft
Norderstedt Zum Job 
Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO)-Firmenlogo
Bauingenieur oder Projektmanager (m/w/d) Bau & Technik Gemeinnützige Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO)
Dinslaken, Troisdorf, Hilden, Olpe, Bonn, Langenfeld Zum Job 
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Sales Manager (m/w/d) für schlüsselfertige Gewerbeimmobilien Schwerpunkt Kundenberatung und Planungskoordination GOLDBECK West GmbH
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Serielle Sanierung & GU-Projekte Allbau Managementgesellschaft mbH
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Arbeitsvorbereiter Fertigungssteuerung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
TenneT TSO-Firmenlogo
OT Security Engineer (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Projektleitung - Neubau Reinraum (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur / Maschinenbautechniker (m/w/d) Schwerpunkt Maschinen- & Anlagenbau Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
RINGSPANN GmbH-Firmenlogo
Vertriebsingenieur (m/w/d) als Produkt-Account-Manager Antriebskomponenten/Bremsen RINGSPANN GmbH
Bad Homburg Zum Job 

KI soll Qualität messbar machen

Das Startup Optocycle GmbH will diesen Engpass auflösen. Das Unternehmen entwickelt ein KI-gestütztes System, das Bauschutt direkt im laufenden Betrieb analysiert. Optische Sensoren erfassen Materialströme auf dem Förderband. Algorithmen ordnen die Partikel automatisch zu und bewerten ihre Qualität in Echtzeit.

Unterstützt wird das Projekt von der Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Sie fördert die Entwicklung eines Prototyps mit rund 170.000 Euro. Für DBU-Generalsekretär Alexander Bonde ist klar, dass der Blick nicht beim Neubau enden darf. Er sagt: „Die Errichtung neuer Gebäude folgt bereits klaren Vorgaben für mehr Effizienz und Nachhaltigkeit. Gleiches muss künftig auch nach dem Abriss von Häusern und Bauwerken beachtet werden.“

Weg von Bauchgefühl und Stichproben

Optocycle-Mitgründer Max-Frederick Gerken kritisiert den Status quo in der Branche. „Aktuell basiert in der Branche der Aufbereitungsprozess von Bauschutt meist auf subjektiven Schätzungen.“ Hinzu kommen Laboranalysen, die nur Stichproben erfassen und zeitlich verzögert vorliegen.

Das neue System soll diesen Medienbruch vermeiden. Gerken betont: „Mit dem Optocycle-System ist ein Echtzeitmonitoring von Recycling-Gesteinskörnungen möglich. Somit können die Qualität der Körnung verbessert und mehr Material in die Beton-Produktion überführt werden.“

Mehr verwertbares Material, weniger Deponie

Nach Berechnungen des Startups könnte die Technologie den Anteil hochwertiger Recycling-Körnungen um etwa 20 % steigern. Gleichzeitig sollen rund 15 % weniger Reststoffe anfallen, die sonst entsorgt würden. Entscheidend ist dabei die durchgängige Kontrolle: vom Eingang des Bauschutts bis zum fertigen Granulat. Kooperationspartner ist die Heinrich Feeß GmbH, ein Unternehmen mit langjähriger Erfahrung im Baustoffrecycling.

Gerken sieht darin mehr als eine Insellösung. „Die Technologie leistet einen Beitrag für Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Wir helfen dabei, die Qualität von Sekundärrohstoffen zu verbessern, die aus dem Bauschutt gewonnen werden. Diese Lösung lässt sich zudem perspektivisch auf alle Abfallströme übertragen.“

Nachrüsten statt neu bauen

Ein wichtiger Punkt für die Praxis: Das System lässt sich in bestehende Recyclinganlagen integrieren. Laut Optocycle wird die Technik direkt über dem Förderband installiert. Aufwendige Umbauten sind nicht nötig.

Das senkt Investitionskosten und erleichtert die Einführung. Gerken bringt es auf einen einfachen Nenner: „Denn nur wenn das Recycling finanziell machbar ist, kann die Kreislaufwirtschaft in der Baubranche Erfolg haben.“

Auch interessant:
Zirkulär bauen, CO₂ sparen: Das Circular House macht’s vor
Ressourcen clever genutzt
Abbruch, Recycling und CO2-reduzierter Beton aus einer Hand

Ressourcen clever genutzt

Klimaschutz durch bessere Stoffkreisläufe

Auch aus Klimasicht ist der Ansatz relevant. DBU-Referent Dr. Volker Berding verweist auf den hohen CO₂-Fußabdruck von Beton. „Die Produktion von immer neuem Beton sorgt für hohen Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen.“

Studien des WWF zeigen, dass die Zementherstellung für rund 8 % der globalen Emissionen verantwortlich ist. Berding sagt: „Alles, was zur einer Emissionsreduzierung beiträgt, hat also bereits einen großen Effekt für den Klimaschutz.“

Einordnung: Kein Selbstläufer, aber ein Hebel

KI allein löst das Bauschutt-Problem nicht. Normen, Ausschreibungen und Akzeptanz bei Bauunternehmen spielen weiterhin eine große Rolle. Doch präzise, nachvollziehbare Qualitätsdaten könnten ein entscheidender Hebel sein. Wenn Recyclingmaterial verlässlich messbar wird, verliert es den Ruf des unsicheren Ersatzes. Dann könnte KI tatsächlich helfen, aus Abfall wieder Baustoff zu machen.

Hier geht es zur Originalmeldung

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.