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Bachelor oder Master: Lohnt sich der höhere Abschluss?

09. Juni 2022

Bachelor oder Master: Lohnt sich der höhere Abschluss?
Nach dem Bachelor noch bis zum Master weiterstudieren? Lohnt sich das? Foto: panthermedia.net/londondeposit
Lohnt sich der Master? Aloys Krieg, Prorektor an der RWTH Aachen, hat dazu eine klare Meinung. Im Interview spricht er über die neuen Herausforderungen der Lehre.
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Master oder Bachelor? Direkter Einstieg in den Beruf – oder doch noch mindestens zwei bis vier Semester weiterstudieren? Vor dieser Frage stehen zahlreiche Absolventinnen und Absolventen. Wenn es nur nach dem Einstiegsgehalt geht, ist die Antwort recht simpel: Je höher der Abschluss, desto höher das Gehalt. (Unsere ingenieur.de Gehaltsstudie verrät, wieviel Geld drin ist.)

Wer einen Masterabschluss in der Tasche hat, verdient Studien zufolge direkt zu Beginn durchschnittlich 10 % mehr als Berufseinsteiger mit Bachelorabschluss. Doch auch andere Faktoren können bei der Entscheidung eine Rolle spielen. An der RWTH Aachen, die gerade für die klassischen Ingenieursfächer als Elite-Uni gilt, kennt man die Nöte der Studierenden: Die Nachfrage nach einem Masterstudienplatz ist groß.

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Arbeitslos nach dem Studium: Das müssen Sie jetzt machen

Bachelor oder Master: RWTH Aachen informiert

Erstmals startet die Uni jetzt einen rein digitalen Masterinformationstag für Bachelorabsolventinnen und -abolventen: auch, um die Hürden für ausländische Studierende zu senken. Im Interview spricht Aloys Krieg, Prorektor für Lehre an der RWTH, über die Vorzüge eines Masterstudiums, die Herausforderung für die Lehre durch Corona und Fachkräftemangel in den MINT-Berufen.

Aloys Krieg ist Prorektor für Lehre an der RWTH Aachen.

ingenieur.de: Wie hoch ist der Anteil ausländischer Studierender an der RWTH?

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Aloys Krieg: Bei Masterstudiengängen beträgt der Anteil ausländischer Studierender 40 Prozent. Die Nachfrage ist sehr hoch bei uns und die RWTH ist eine der ganz wenigen Universitäten in Deutschland, an denen mehr Master- als Bachelorstudiengänge erfolgreich absolviert werden. Viele nutzen den Übergang vom Bachelor zum Master einerseits natürlich für eine Spezialisierung, andererseits aber auch, um ins Ausland zu wechseln. Internationale Sichtbarkeit wird für die berufliche Zukunft immer wichtiger.

Erfolgreich zum Master: Wie finde ich ein Thema für die Masterarbeit?

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Was wird denn aktuell von Absolventinnen und Absolventen erwartet und wie bereitet die Lehre sie darauf vor?

Da sind vor allem zwei Dinge, die die Lehre jetzt einschneidend verändern werden. Zum einen ist das die Digitalisierung. Das heißt, wir müssen Studierenden verstärkt Datenkompetenz beibringen. Auch die Lehre selbst muss digitaler werden. Der zweite Punkt ist die Internationalisierung. Unternehmen erwarten, dass unsere Absolventinnen und Absolventen Auslandserfahrung haben. Jetzt werden wir das Angebot an Auslandserfahrungen um eine virtuelle Mobilität zu erweitern. Das heißt, wir wollen gemeinsam mit unseren Partneruniversitäten den Zugang zu Veranstaltungen für alle Studierende des Verbundes vereinfachen, indem wir sie digital anbieten. Zwar ersetzt das keinen Aufenthalt in einem anderen Land, aber es ist eine grundlegende Erfahrung, in einem anderen System zurechtzukommen.

Wird es auch mehr Lehrveranstaltungen in englischer Sprache geben?

Ja, vor allem im Masterstudiengang ist das ein wichtiges Thema. Der Bachelorstudiengang wird, darauf haben wir uns festgelegt, überwiegend auf Deutsch sein. Aber auch da gibt es zweisprachige Modelle, zum Beispiel im Bauingenieurwesen. Dort gibt es eine Veranstaltung, die in einem Jahr auf Deutsch, und im nächsten auf Englisch abgehalten wird.

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War die Corona-Pandemie ein Katalysator der digitalen Entwicklung?

Auf jeden Fall. Wir mussten von heute auf morgen die Lehre auf ein digitales Konzept umstellen. Jetzt im zweiten Durchgang haben wir die Gelegenheit, nachzubessern. Viele Kolleginnen und Kollegen und auch die Studierenden haben sich an digitale Veranstaltungen gewöhnt. Wenn wir in Richtung Winter blicken, lässt sich sagen: Zumindest die großen Veranstaltungen werden digital stattfinden. Die digitale Lehre wird zu einer Selbstverständlichkeit. Ohne Corona hätte diese Entwicklung sicherlich deutlich länger gedauert.

Was würden Sie denn einer Bachelorabsolventin, die ein Jobangebot hat und sich jetzt entscheiden muss: Start in die Berufswelt oder ein Masterabschluss?

Der Masterabschluss ist das, was wir früher mit dem Diplom abgebildet haben. Wer dieses Kompetenzniveau erreichen will, dem würde ich dringend einen Master empfehlen. Wer schon in der Industrie arbeitet, kann den Master aber auch nachholen, dafür gibt es Teilzeitangebote. Das ist gebührenpflichtig, die Kosten werden aber häufig von den Unternehmen übernommen. Der große Vorteil im Bachelor-Master-System ist, dass es eine Schnittstelle gibt, an der ich noch einmal neu entscheiden kann, in welche Richtung das Studium und das spätere Berufsleben gehen soll. Ich würde mir bloß wünschen, dass wir den Master weiterhin einfach Diplom-Ingenieur nennen könnten.

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Studienabbrecher im Bachelorstudium: „Sprung von der Schule ist zu groß“

Die Angst vor einem drohenden Fachkräftemangel wird immer wieder diskutiert. Aktuell hat das Bundesbildungsministerium eine Initiative gestartet, um die Lehre in MINT-Fächern zu stärken. Wie sehen Sie das? Fehlt es bald an Nachwuchskräften?

Das größte Problem sind nicht die Anfängerzahlen, sondern dass wir zu viele Leute im System verlieren. Aus meiner Sicht ist der Sprung von der Schule in das deutsche Universitätssystem, in dem die Erstsemester plötzlich auf sich allein gestellt sind, viel zu groß. Wir müssen die Studierenden in den ersten beiden Semestern stärker an die Hand nehmen und sie in ihrer Persönlichkeit entwickeln. Viele Studienabbrecher scheitern nicht an intellektuellen Fähigkeiten, sondern an der Selbstorganisation. Aktuell gilt das sogar noch verschärft, denn die digitale Lehre stellt nochmal viel höhere Ansprüche an die Selbstorganisation. Es reicht nicht, gute Vorlesungen aufzuzeichnen und den Studierenden zu sagen: Nun macht mal. Die Lehrenden müssen gerade am Anfang viel mehr begleiten und den Studierenden Zwischenziele setzen.

 

Gibt es Fächer, in denen man ohne Master gar nicht weiterkommt?

Ein klassisches Fach wäre die Chemie. Da hilft Ihnen nicht mal der Master weiter, da sollten Sie schon promovieren. Ansonsten ist ein Masterabschluss in den klassischen Ingenieursfächern ein sinnvolles Ziel, auf das die Ausbildung fokussiert ist. Der Masterstudiengang hat zudem den Vorteil, dass Auslandsaufenthalte viel einfacher umzusetzen sind, als im Bachelor. Allein schon, weil es uns wichtig ist, dass ein deutlicher Anteil der Studierenden ins Ausland geht, würden wir empfehlen, bis zum Master durchzuhalten. Die größere Hürde ist mit dem Bachelor dann ohnehin schon genommen, denn der Grundlagenbereich ist schon recht schwierig.

Studium und Corona: „Wie soll man vernünftig lernen?“

Gibt es denn einen Unterschied zwischen Studium und Lehre in Deutschland und im Ausland?

Das Ingenieursstudium in Deutschland ist wesentlich näher an der Industrie, also viel praxisorientierter als an vielen Universitäten im Ausland. Die Integration von wissenschaftlichen Hilfskräften in echte Projekte, das ist etwas typisch Deutsches. Dabei lernt man grundlegende wichtige Aspekte für das spätere Berufsleben, zum Beispiel Termintreue. Dieses System sollten wir nicht aufgeben.



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