
Seit Dienstag, dem 27. Oktober 2026, steht für 95 % der Fläche Deutschlands fest: Dort wird es wohl kein Atommüllendlager geben. Denn für die die restlichen 5 % Landesgebiet gilt: Grundsätzlich sind sie noch in der Untersuchung für einen Standort enthalten, um den seit den 1970er Jahren in Deutschland entstandenen, hoch radioaktiven Abfall aus Kernkraftwerken endzulagern. Wo aber liegen diese 5 %, und wie geht es jetzt weiter? Immerhin ergab mal eine Studie, der Endlagerstandort liege nicht vor 2074 fest.
Türkise Flächen markieren die Suche nach dem Endlager
Seit 14 Uhr des 27. Oktober 2026 können alle selbst nachsehen, ob der eigene Wohnort, die Region noch von den Fachleuten der Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) „in Bearbeitung“ ist, also als Endlagerstandort in der seit 2020 immer engeren Auswahl. Denn heute Nachmittag hat die BGE auf ihrem Endlagersuche-Navigator diese auf 5 % der Landesfläche eingeengten Suchgebiete eingespielt: Nur noch die darin in Türkis eingefärbten Flächen kommen für das Endlager überhaupt in Frage. Das bestätigte heute die für die Standortauswahl zuständige BGE-Bereichsleiterin Lisa Seidel gegenüber Medienvertretenden.
Ob Türkis deshalb ausgewählt wurde, weil die Farbe laut Farbpsychologie die Emotionen kontrollieren und emotionale Ausgeglichenheit schaffen soll? Das war von uns nicht zu erfahren. Fakt ist aber: Vielerorts sahen die Menschen es in der Vergangenheit eher mit gemischten Gefühlen, wenn ihre Region in den von ursprünglich 54 über 45 und zuletzt 25 verbliebenen Such-Prozenten Deutschlands zu finden war.
Die BGE wirbt für ein Endlager in den Regionen
Iris Graffunder, die Vorsitzende der BGE-Geschäftsführung, wünscht sich deshalb, der Bevölkerung in den noch in der Erkundung verbleibenden Regionen das Positive einer möglichen Standortentscheidung näherbringen zu können: „Leider haben die Menschen Angst vor den Atomabfällen. Wie können wir die Menschen davon überzeugen, dass man sicher mit den Abfällen umgehen kann?“ Denn aus Sicht der BGE werden die einst unterirdisch gelagerten strahlenden Stoffe im Endlager wesentlich weniger gefährlich sein, als wenn sie in Reaktoren Hitze erzeugen oder in Zwischenlagern auf genau dieses Endlager warten.
In Ländern wie der Schweiz oder Finnland, wo bereits Standorte feststehen bzw. Endlager gebaut werden, würden der Bevölkerung eher die positiven Seiten eines solchen Projekts präsentiert, war in einem Pressegespräch zu hören. Eine solche Argumentation wünscht sich BGE-Chefin Graffunder auch für unser Land: „Neue Straßen, verbesserte Infrastruktur, Arbeitsplätze“ erwartet sie für die endlich gewählte Region. Doch bis es soweit ist, dass ein Standortvorschlag, der für mindestens eine Million Jahre sichere Lagerung gewährleistet, dem Bundestag vorliegt, werde es laut Graffunder „mindestens bis Mitte der 2040er Jahre, spätestens Mitte des Jahrhunderts“ dauern.
Die BGE grenzt die Endlagersuche weiter ein
Dabei arbeitet die BGE nach dem 2017 vom Bundestag beschlossenen Standortauswahlgesetz (StandAG). Nach dem sollte das Auswahlverfahren eigentlich schon 2031 abgeschlossen sein. Zwischenzeitlich wurden jedoch sogar die späten 2060er Jahre als Festlegungstermin genannt. Dass die BGE nun Mitte der 2050er Jahre als Zeitpunkt nennt, begründet deren Chefin mit dem Verzicht auf unterirdische Erkundungen nach der sogenannten „2. Phase“ im Auswahlverfahren: Ende 2027 wolle die Bundesgesellschaft „etwa ein oder zwei Handvoll Standortregionen“ benennen. Dort sollten danach Regionalkonferenzen „die Bevölkerung mitnehmen, die Leute abholen“.
Laut Graffunder sei aber jetzt bereits geplant, „unsere Infokampagnen auf die türkisen Flächen zu legen“. Diese Farbe findet sich ohnehin nicht mehr in allen Bundesländern: „Rheinland-Pfalz und Saarland waren 2025 schon raus, heuer sind auch Hessen, Berlin und Sachsen nicht mehr drin“, wie Auswahlleiterin Seidel klarstellte. In Nordrhein-Westfalen ist nur ein mit Niedersachsen verbundener Fleck türkis eingefärbt, in Mecklenburg-Vorpommern nur ein nach Brandenburg reichender.
Doch in allen anderen Ländern sind größere Gebiete zu finden, welche die BGE-Mitarbeitenden nun weiteren Prüfschritten unterzögen. Dazu Seidel: „Wir schauen vor allem nach Standorten mit langweiliger Geologie, also wo in der letzten Million Jahre möglichst wenig passiert ist.“ Deshalb sei zum Beispiel das Norddeutsche Becken „nicht bestgeeignet und so komplett aus der Suche herausgefallen“.
Geologie entscheidet über das sichere Endlager

Denn es gelte, „rein sicherheitsphilosophiert zu schauen“, so Seidel. Deshalb sind weiterhin Gebiete mit allen drei hierzulande vorhandenen, möglichen Wirtsgesteinsarten im Rennen: Kristallin-, Salz- und Tongestein. Jene, die im Ergebnis der sogenannten vorläufigen Sicherheitsuntersuchung am besten abschneiden, werden wiederum laut BGE „mit Hilfe der gesetzlich definierten geowissenschaftlichen Abwägungskriterien Standortregionen für die übertägige Erkundung“.
Insgesamt untersucht die BGE nach eigenem Bekunden aktuell noch 36 Teilgebiete tiefergehend. Unter diesen im Navigator türkis gefärbten Gebieten befinden sich auch eine ganze Reihe in der ostbayerischen Mittelgebirgsregion.
Zur Erinnerung: Schon 2020 hatten die dortigen Regierungsparteien CSU und Freie Wähler (FW) verkündet: „Wir sind überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist.“ Doch laut Lisa Seidel gibt es für die BGE keine politischen Einschränkungen und Vorgaben. Oder wie Iris Graffunder das jahrelange Auswahlverfahren mit immer höheren Hürden im Satz zusammenfasste: „Wichtig ist, am Ende die Guten im Topf zu haben.“
Finnland ist das schon wesentlich weiter, gerade hat das weltweit erste tiefengeologische Atommüll-Endlager eine Betriebsgenehmigung erhalten.
Ende 2027 übermittelt BGE Standortregionenvorschlag
„Die Ermittlung von Standortregionen für die übertägige Erkundung erfolgt auf Basis der im Jahr 2020 veröffentlichten 90 Teilgebiete“, so die BGE in ihrer Mitteilung heute. Dabei bewerte die BGE die Teilgebiete im Rahmen von sogenannten repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen (rvSU) schrittweise mit Hilfe von vier Prüfschritten hinsichtlich ihrer Eignung für die sichere Endlagerung hochradioaktiver Abfälle.
Nach heutigem Stand würden laut BGE noch 36 Teilgebiete im Rahmen dieser vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen weiter untersucht. Aus den Gebieten, die im Ergebnis der vorläufigen Sicherheitsuntersuchung am besten abschneiden, werden mit Hilfe der gesetzlich definierten geowissenschaftlichen Abwägungskriterien Standortregionen für die übertägige Erkundung ermittelt.
Ende 2027 wird die BGE den Vorschlag für Standortregionen für die übertägige Erkundung an das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) zur Prüfung übermitteln. Welche Standortregionen anschließend übertägig erkundet würden, entscheide auf dieser Basis abschließend der Gesetzgeber, so die BGE






























