
Frank Gehry entwarf Gebäude, die aussehen wie Skulpturen. Das Guggenheim-Museum in Bilbao machte ihn weltberühmt, in Düsseldorf stehen drei seiner bekanntesten deutschen Bauwerke. Doch ungewöhnliche Architektur bringt auch technische Herausforderungen mit sich. Wie aufwendig diese werden können, zeigt sich derzeit am Neuen Zollhof.
Am weißen Gehry-Bau im Düsseldorfer Medienhafen bröckelt die Fassade. Putzteile haben sich gelöst und sind zu Boden gefallen. Deshalb wurden Bereiche rund um das 13-geschossige Gebäude abgesperrt. Inzwischen sichern Drahtseile die Fassade, zusätzlich werden Kunststoffplanen angebracht. Eine umfassende Sanierung steht noch aus.
Das Gebäude wurde erst 1999 fertiggestellt und steht bereits unter Denkmalschutz. Die Stadt Düsseldorf und die Eigentümerseite prüfen, wie sich die geschwungene Fassade denkmalgerecht instand setzen lässt. Eine Musterfläche wurde dafür bereits genehmigt.
Der Fall zeigt, dass Frank Gehrys Architektur nicht nur eine gestalterische, sondern auch eine technische Herausforderung ist. Seine Gebäude sind für ihre ungewöhnlichen Formen bekannt. Ihre Planung und Ausführung verlangten häufig nach besonderen Lösungen. Bei einigen seiner berühmtesten Bauwerke gab es später zudem Probleme mit Fassaden, Entwässerung oder Materialoberflächen.
Inhaltsverzeichnis
- Wer war Frank Gehry?
- 10 außergewöhnliche Gebäude von Frank Gehry im Überblick
- 1. Neuer Zollhof in Düsseldorf: Wenn die Fassade zum Sanierungsfall wird
- Warum muss die weiße Fassade saniert werden?
- 2. Guggenheim-Museum in Bilbao: 33.000 Titanbleche für eine ungewöhnliche Fassade
- Wie ließ sich das komplizierte Gebäude überhaupt bauen?
- 3. Walt Disney Concert Hall in Los Angeles: Als die Fassade zu stark glänzte
- Warum musste die Edelstahlfassade nachbearbeitet werden?
- 4. Tanzendes Haus in Prag: Zwei Türme wie ein Tanzpaar
- 5. 8 Spruce Street in New York: Ein Wolkenkratzer mit Wellenfassade
- 6. Weisman Art Museum in Minneapolis: Zwei Fassaden, zwei völlig unterschiedliche Ansichten
- 7. Stata Center am MIT: Ungewöhnliche Architektur mit technischen Problemen
- Undichtigkeiten und ein Rechtsstreit
- 8. Hotel Marqués de Riscal in Spanien: Titanbänder über den Weinbergen
- 9. Museum of Pop Culture in Seattle: Architektur aus der Welt des Rock ’n’ Roll
- 10. Museo de la Biodiversidad in Panama: Ein buntes Dach für die Artenvielfalt
- Wie Frank Gehry die Bauplanung veränderte
- Was Gehrys Bauwerke über außergewöhnliche Architektur zeigen
Wer war Frank Gehry?
Frank Owen Gehry wurde am 28. Februar 1929 als Ephraim Owen Goldberg in Toronto geboren. 1947 zog er mit seiner Familie nach Kalifornien. Er studierte Architektur an der University of Southern California und später Stadtplanung an der Harvard University. 1962 gründete er sein eigenes Architekturbüro in Los Angeles.
Bekannt wurde Gehry durch seine eigenwillige Formensprache. Während bei vielen Gebäuden gerade Linien und regelmäßige Grundrisse dominieren, setzte er auf gekrümmte Fassaden, versetzte Gebäudeteile und ungewöhnliche Materialkombinationen. Häufig werden seine Entwürfe dem Dekonstruktivismus zugeordnet.
1989 erhielt er den renommierten Pritzker-Architekturpreis. Seine Werke stehen unter anderem in Deutschland, Spanien, den USA, Kanada und Panama. Frank Gehry starb am 5. Dezember 2025 im Alter von 96 Jahren in Santa Monica.
10 außergewöhnliche Gebäude von Frank Gehry im Überblick
| Bauwerk | Standort | Eröffnung |
| Neuer Zollhof | Düsseldorf | 1999 |
| Guggenheim-Museum | Bilbao, Spanien | 1997 |
| Walt Disney Concert Hall | Los Angeles, USA | 2003 |
| Tanzendes Haus | Prag, Tschechien | 1996 |
| 8 Spruce Street | New York, USA | 2011 |
| Weisman Art Museum | Minneapolis, USA | 1993 |
| Stata Center am MIT | Cambridge, USA | 2004 |
| Hotel Marqués de Riscal | Elciego, Spanien | 2006 |
| Museum of Pop Culture | Seattle, USA | 2000 |
| Museo de la Biodiversidad | Panama-Stadt, Panama | 2014 |
1. Neuer Zollhof in Düsseldorf: Wenn die Fassade zum Sanierungsfall wird
Die drei Gehry-Bauten im Düsseldorfer Medienhafen gehören zu den bekanntesten Beispielen seiner Architektur in Deutschland. Sie wurden am 19. Oktober 1999 eingeweiht und bilden das Ensemble Neuer Zollhof.
Die Gebäude unterscheiden sich deutlich voneinander. Der höchste Bau besitzt 13 Geschosse und eine weiße Putzfassade. Das mittlere Gebäude ist sieben Geschosse hoch und mit glänzendem Edelstahl verkleidet. Der dritte Bau hat elf Geschosse und eine ziegelrote Fassade.
Allen drei Gebäuden gemeinsam sind die ungewöhnlichen Formen. Gerade Außenwände sucht man stellenweise vergeblich. Fassaden schwingen nach innen und außen, die Gebäudekörper scheinen sich gegeneinander zu verdrehen. Die Fenster folgen diesen Bewegungen.
Ursprünglich hatte die Architektin Zaha Hadid den Wettbewerb für die Bebauung des ehemaligen Zollhofs gewonnen. Ihr Entwurf wurde jedoch nicht umgesetzt. Stattdessen erhielt Gehry den Auftrag.

Warum muss die weiße Fassade saniert werden?
Am höchsten Gebäude des Ensembles haben sich Putzteile gelöst. Die Schäden sind nicht erst seit diesem Herbst bekannt. Bereits zuvor waren Teile der Fassade abgefallen.
Nach einem Bericht des WDR vom Oktober 2026 ließ die Stadt die gefährdeten Bereiche absperren. Die Fassade wurde mit einem System aus Drahtseilen gesichert. Zusätzlich werden Planen angebracht, um Passanten vor herabfallendem Material zu schützen.
Die eigentliche Sanierung ist komplizierter. Das Ensemble steht seit 2020 unter Denkmalschutz. Veränderungen an der Fassade müssen deshalb mit der Denkmalpflege abgestimmt werden. Das betrifft unter anderem die Materialien und das Erscheinungsbild der gekrümmten Oberflächen.
Welche Ursachen zu den länger bestehenden Putzschäden geführt haben, ist öffentlich bislang nicht ausreichend dokumentiert. Allein aus den sichtbaren Abplatzungen lässt sich weder auf einen bestimmten Konstruktionsfehler noch auf Schäden am Tragwerk schließen.
Denkmalpfleger und Eigentümerseite prüfen geeignete Verfahren für eine Instandsetzung. Wann die gesamte Fassade saniert wird, ist weiterhin offen.
Wie aufwendig Sanierungen denkmalgeschützter Gebäude sein können, zeigt auch die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin. Dort müssen mehr als 400 geschädigte Betonwaben ersetzt werden.
2. Guggenheim-Museum in Bilbao: 33.000 Titanbleche für eine ungewöhnliche Fassade
Das Guggenheim-Museum in Bilbao gehört zu Gehrys bekanntesten Entwürfen. Als es 1997 eröffnet wurde, sorgte vor allem seine außergewöhnliche Gebäudehülle für Aufmerksamkeit.
Je nach Blickwinkel erinnert das Museum an ein Schiff, einen Fisch oder eine Ansammlung metallischer Segel. Große, geschwungene Flächen gehen ineinander über. Eine klassische Vorder- oder Rückseite gibt es kaum.
Für die Fassade verwendeten die Planer rund 33.000 dünne Titanbleche. Hinzu kommen Glas und heller Kalkstein. Das Titan verändert seine optische Wirkung je nach Lichteinfall und Wetter. Bei Sonnenschein glänzt die Oberfläche silbrig, bei bedecktem Himmel wirkt sie deutlich matter.

Wie ließ sich das komplizierte Gebäude überhaupt bauen?
Das Guggenheim-Museum war auch ein Meilenstein für die digitale Bauplanung. Um die komplexen Formen in ausführbare Konstruktionen zu übersetzen, nutzte Gehrys Team die Software CATIA.
Das Programm war ursprünglich für die Luft- und Raumfahrtindustrie entwickelt worden. Damit ließen sich räumlich gekrümmte Flächen präzise beschreiben und die benötigten Bauteile planen.
Ohne solche digitalen Werkzeuge wäre die Umsetzung der komplizierten Geometrien erheblich schwieriger gewesen. Gleichzeitig entstanden viele der frühen Entwürfe noch anhand klassischer Modelle aus Karton, Holz und anderen Materialien.
Der Einfluss des Museums reichte weit über die Architektur hinaus. Bilbao entwickelte sich von einer stark industriell geprägten Stadt zu einem international bekannten Kulturstandort. Der Museumsbau war dabei ein wichtiger Baustein eines größeren Stadtumbaus, zu dem auch neue Verkehrsanlagen und öffentliche Räume gehörten.
Heute wird der Begriff „Bilbao-Effekt“ häufig verwendet, wenn spektakuläre Architektur als Motor der Stadtentwicklung dienen soll.
3. Walt Disney Concert Hall in Los Angeles: Als die Fassade zu stark glänzte
Die Walt Disney Concert Hall wurde 2003 eröffnet. Gehry entwarf das Gebäude für das Los Angeles Philharmonic Orchestra. Ihre Außenhülle besteht aus großflächigen, geschwungenen Edelstahlpaneelen, die an Segel erinnern.
Der Bau war bereits vor seiner Fertigstellung umstritten. Die Kosten stiegen, zwischenzeitlich geriet das Projekt ins Stocken. Schließlich konnte die Konzerthalle auch dank privater Spenden fertiggestellt werden. Lillian Disney, die Witwe von Walt Disney, hatte bereits 1987 mit einer Spende von 50 Mio. US-Dollar den Grundstein für das Projekt gelegt.
Im Inneren bietet der große Konzertsaal rund 2265 Menschen Platz. Für die Raumakustik arbeitete Gehry mit dem japanischen Akustiker Yasuhisa Toyota zusammen. Die Gestaltung des Saals sollte gute Hörbedingungen auf möglichst vielen Plätzen ermöglichen.

Warum musste die Edelstahlfassade nachbearbeitet werden?
Schon kurz nach der Eröffnung zeigte sich ein Problem: Einige besonders stark polierte und gekrümmte Edelstahlflächen reflektierten das Sonnenlicht so intensiv, dass sich Anwohner über Blendungen und erhöhte Temperaturen beschwerten.
Betroffen waren vor allem Bereiche an der Founders Room und am Children’s Amphitheater. Untersuchungen bestätigten die starken Reflexionen.
2005 wurden die problematischen Oberflächen deshalb mechanisch nachbearbeitet. Durch das Anschleifen reflektierten sie das Sonnenlicht weniger stark.
Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, bei außergewöhnlichen Fassaden nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch ihre Wirkung auf die Umgebung zu berücksichtigen.
4. Tanzendes Haus in Prag: Zwei Türme wie ein Tanzpaar
Das Tanzende Haus in Prag entstand zwischen 1992 und 1996. Gehry entwickelte den Entwurf gemeinsam mit dem tschechischen Architekten Vlado Milunić.
Der Name beschreibt das Gebäude ziemlich treffend. Zwei unterschiedlich gestaltete Türme stehen nebeneinander und wirken wie ein Paar in Bewegung. Der gläserne Turm verjüngt sich in der Mitte, während der steinerne Baukörper daneben eine geschwungene Haltung einnimmt.

Als Vorbild dienten die amerikanischen Tanzstars Fred Astaire und Ginger Rogers. Deshalb wird das Gebäude auch „Fred and Ginger“ genannt.
Das Haus steht direkt an der Moldau und hebt sich deutlich von der historischen Bebauung der Umgebung ab. Während der Planungs- und Bauphase führte das zu kontroversen Diskussionen. Kritiker störten sich an den ungewöhnlichen Formen, Befürworter sahen darin ein Zeichen für den architektonischen Aufbruch nach der politischen Wende.
Heute wird das Gebäude unter anderem für Büros, ein Hotel und Gastronomie genutzt.
5. 8 Spruce Street in New York: Ein Wolkenkratzer mit Wellenfassade
Mit 8 Spruce Street entwarf Gehry einen seiner höchsten Bauten. Das Wohnhochhaus in Manhattan wurde 2011 fertiggestellt und erreicht eine Höhe von rund 265 m.
Anders als bei vielen seiner Museen ist die Grundform des Gebäudes vergleichsweise klar. Die Besonderheit liegt in der Fassade. Ihre Edelstahloberflächen bilden zahlreiche Wellen, die sich über die Höhe des Turms ziehen.
Dadurch verändern sich Licht und Schatten auf den Außenflächen im Laufe des Tages. Von Weitem wirkt die Gebäudehülle teilweise wie ein gefalteter Vorhang.

Hinter der ungewöhnlichen Fassade steckt ein Stahlbetontragwerk. Das Gebäude besitzt 76 oberirdische Geschosse und mehr als 900 Wohnungen. Hinzu kommen unter anderem Räume für eine Schule.
Im Jahr seiner Fertigstellung erhielt 8 Spruce Street den Emporis Skyscraper Award. Die Auszeichnung würdigte die architektonische Gestaltung des Hochhauses.
6. Weisman Art Museum in Minneapolis: Zwei Fassaden, zwei völlig unterschiedliche Ansichten
Das Weisman Art Museum steht auf dem Campus der University of Minnesota am Mississippi. Es wurde 1993 eröffnet und zeigt besonders deutlich, wie unterschiedlich Gehry ein Gebäude gestalten konnte.
Zur Universitätsseite besitzt das Museum eine vergleichsweise zurückhaltende Ziegelfassade. Sie orientiert sich an den benachbarten Campusgebäuden.
Zur Flussseite sieht das vollkommen anders aus. Hier bestimmen geschwungene und kantig angeordnete Edelstahlflächen das Erscheinungsbild. Je nach Blickwinkel überlagern sich die einzelnen Bauteile zu einer komplexen Form.

Die Nähe zum Wasser spielte bei der Gestaltung eine wichtige Rolle. Gehry beschäftigte sich immer wieder mit Fischformen und Bewegungen des Wassers. Ein bekanntes Beispiel ist seine große Fischskulptur „Peix“ im Olympischen Hafen von Barcelona.
Von 2009 bis 2011 wurde das Museum nach Plänen Gehrys erweitert. Dabei entstanden zusätzliche Ausstellungsräume, die mehr Platz für die Sammlung und wechselnde Ausstellungen bieten.
7. Stata Center am MIT: Ungewöhnliche Architektur mit technischen Problemen
Das Ray and Maria Stata Center am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge wurde 2004 eröffnet. Es beherbergt unter anderem Einrichtungen der Informatik und der Forschung zu künstlicher Intelligenz.
Von außen wirkt das Gebäude wie eine Ansammlung unterschiedlich geformter Baukörper. Fassaden stehen schräg, Türme sind gegeneinander versetzt und Materialien wechseln zwischen Ziegeln, Metall und Glas.
Gehry wollte damit keine gleichförmige Büroarchitektur schaffen. Das Gebäude sollte unterschiedliche Räume für Forschung, Lehre und Begegnungen bieten. Allerdings gab es nach der Eröffnung technische Probleme.

Undichtigkeiten und ein Rechtsstreit
Am Stata Center wurden unter anderem Undichtigkeiten und Probleme mit der Entwässerung festgestellt. Das MIT machte daraufhin Ansprüche gegen das Architekturbüro und das ausführende Bauunternehmen geltend.
Der Streit wurde 2010 außergerichtlich beigelegt. Das MIT, Frank O. Gehry & Associates und das Bauunternehmen Skanska erklärten damals gemeinsam, eine einvernehmliche Lösung gefunden zu haben.
Gehry sagte in der gemeinsamen Mitteilung des MIT: „Ich bin froh, dass wir zu einer konstruktiven Lösung gekommen sind. Es freut mich zu sehen, dass Studierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Gebäude so nutzen, wie es vorgesehen war.“
Welche Verantwortung die einzelnen Beteiligten für die festgestellten Mängel trugen, lässt sich aus der Einigung nicht ableiten.
8. Hotel Marqués de Riscal in Spanien: Titanbänder über den Weinbergen
Im kleinen spanischen Ort Elciego, mitten in einem bekannten Weinanbaugebiet, steht das Hotel Marqués de Riscal. Es wurde 2006 eröffnet und gehört zu einem Weingut, dessen Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.
Schon von Weitem fällt das Gebäude durch seine verschlungenen Metallflächen auf. Gehry kombinierte Edelstahl mit farbigen Titanblechen in Rosa, Gold und Silber.

Die Farben haben einen Bezug zum Weingut: Rosa erinnert an Rotwein, Gold an die Netze, die traditionell bestimmte Weinflaschen des Unternehmens umgeben, und Silber an deren Verschlüsse.
Die Metallbänder umschließen einen vergleichsweise kompakten Baukörper. Sie geben dem Hotel eine bewegte Silhouette, die sich deutlich von den traditionellen Gebäuden der Umgebung unterscheidet.
Das Hotel ist Teil der sogenannten Stadt des Weines, einer Anlage mit Weinkellerei, Gastronomie und touristischen Einrichtungen.
9. Museum of Pop Culture in Seattle: Architektur aus der Welt des Rock ’n’ Roll
Das heutige Museum of Pop Culture in Seattle wurde im Jahr 2000 als Experience Music Project eröffnet. Initiator war Microsoft-Mitgründer Paul Allen.
Gehry entwickelte dafür ein Gebäude, das sich deutlich von klassischen Museumsbauten unterscheidet. Die Fassade besteht aus unterschiedlich gekrümmten Metallflächen in mehreren Farben. Goldene, rote, blaue und silberne Bereiche wechseln einander ab.
Als Inspiration dienten elektrische Gitarren. Gehry experimentierte bei der Entwurfsarbeit mit zerlegten Instrumenten und deren Formen.

Das Ergebnis ist eine ungewöhnliche Gebäudehülle aus zahlreichen individuell geformten Metallelementen. Ihre Oberflächen verändern ihre Wirkung mit dem Sonnenlicht und dem jeweiligen Blickwinkel.
Inhaltlich passt die Architektur zum Museum, das sich mit Musik, Film, Science-Fiction und weiteren Bereichen der Popkultur beschäftigt.
10. Museo de la Biodiversidad in Panama: Ein buntes Dach für die Artenvielfalt
Das Museo de la Biodiversidad, auch Biomuseo genannt, steht am Amador Causeway in Panama-Stadt. Es wurde 2014 eröffnet und widmet sich der Entstehung der Landbrücke von Panama und ihrer Bedeutung für die Artenvielfalt.
Schon die Dachlandschaft fällt auf. Große, unterschiedlich geneigte Flächen in kräftigen Farben überlagern sich. Darunter befinden sich Ausstellungsräume und teilweise offene Bereiche.
Anders als die silbern glänzenden Museen in Bilbao oder Minneapolis setzt Gehry hier auf eine besonders farbenreiche Gestaltung.

Die Anordnung der Dachflächen erzeugt eine lebhafte Silhouette, die auf die Vielfalt der tropischen Natur Bezug nimmt. Die überdeckten Außenbereiche sind zugleich ein wichtiges Element des Gebäudekonzepts für das warme und feuchte Klima Panamas.
Für Gehry hatte der Bau auch eine persönliche Bedeutung. Seine Ehefrau Berta stammt aus Panama. Das Museum gehört zu seinen bekanntesten Projekten in Lateinamerika.
Wie Frank Gehry die Bauplanung veränderte
Viele von Gehrys Entwürfen wären ohne digitale Planungswerkzeuge nur mit erheblichem zusätzlichem Aufwand umzusetzen gewesen. Bereits Anfang der 1990er-Jahre nutzte er computergestützte Verfahren, um komplexe Formen in ausführbare Konstruktionen zu übertragen. Besonders wichtig wurde die Software CATIA, die aus der Luftfahrtindustrie stammte.
Beim Guggenheim-Museum in Bilbao konnten die Planer damit die ungewöhnliche Gebäudegeometrie beschreiben und die einzelnen Bauteile aufeinander abstimmen. Die Daten halfen auch bei der Vorbereitung der Fertigung und Montage.
Damit gehörte Gehry zu den Architekten, die digitale dreidimensionale Planung früh für besonders komplexe Bauvorhaben einsetzten. Die Geschichte der Digitalisierung im Bauwesen zeigt, welche Rolle Gehry und seine Tragwerksplaner bereits bei der Fischskulptur für die Olympischen Spiele 1992 in Barcelona spielten.
Die digitale Planung bedeutete allerdings nicht, dass damit alle technischen Herausforderungen gelöst waren. Materialeigenschaften, Tragverhalten, Witterungseinflüsse und die spätere Instandhaltung mussten weiterhin berücksichtigt werden.
Was Gehrys Bauwerke über außergewöhnliche Architektur zeigen
Frank Gehry hat mit seinen Entwürfen die Möglichkeiten der Architektur erweitert. Gebäude wie das Guggenheim-Museum in Bilbao oder die Walt Disney Concert Hall machten ungewöhnliche Formen zum zentralen Gestaltungselement. Dafür mussten Architekten, Tragwerksplaner und ausführende Unternehmen Lösungen finden, die weit über standardisierte Gebäudekonstruktionen hinausgingen.
Die Beispiele aus Los Angeles, Cambridge und Düsseldorf zeigen zugleich, dass außergewöhnliche Architektur dauerhaft funktionieren muss. Neben der Gestaltung zählen die Auswahl geeigneter Materialien, der Schutz vor Witterungseinflüssen und die Möglichkeit, Bauteile später zu warten oder zu ersetzen.
Gerade bei denkmalgeschützten Gebäuden kann diese Aufgabe besonders anspruchsvoll werden. Wie sich historische Substanz und moderne Anforderungen verbinden lassen, zeigt beispielsweise auch die Sanierung des Lübecker Rathauses. Frank Gehrys Gebäude haben die Architekturgeschichte geprägt. Ihre langfristige Erhaltung ist heute eine Aufgabe für Ingenieurwesen, Handwerk und Denkmalpflege.
Quellen
- WDR, 16.10.2026: Gehry-Bauten in Düsseldorf – Sanierung ungewiss – Fassadenschäden, Sicherung und Denkmalschutz.
- Guggenheim Museum Bilbao: The Construction – CATIA, Konstruktion und rund 33.000 Titanbleche.
- Solomon R. Guggenheim Foundation: How Analog and Digital Came Together – digitale Entwurfs- und Fertigungsmethoden.
- MIT, 30.03.2010: Stata Center lawsuit amicably resolved – gemeinsame Erklärung zur Beilegung des Rechtsstreits.
- Society of Architectural Historians: Walt Disney Concert Hall – Architektur und Probleme mit Lichtreflexionen.
- Tagesschau, 05.12.2025: Stararchitekt Frank Gehry gestorben – Biografie und Lebenswerk.


























