
Am Flughafen München entsteht eine Konzerthalle für 20.000 Menschen. Ihr Dach überspannt rund 100 m ohne Stützen und soll mehr als 200 t Veranstaltungstechnik aufnehmen können. Die Ingenieure setzen dafür auf eine ungewöhnliche Kombination aus Holz und Stahl. Der Spatenstich für das mehr als 400 Mio. € teure Bauprojekt ist erfolgt.
100 m Spannweite, keine Stützen im Zuschauerraum und mehr als 200 t Technik, die unter dem Dach befestigt werden können: Die Munich Arena stellt hohe Anforderungen an die Tragwerksplanung. Statt ausschließlich auf Stahl zu setzen, kombinieren die Ingenieure Holz und Stahl zu einer gemeinsamen Dachkonstruktion.
Am 28. Oktober 2026 wurde am westlichen Rand des Münchner Flughafens der erste Spatenstich gesetzt. Bis 2029 soll auf Freisinger Stadtgebiet eine Konzertarena für bis zu 20.000 Menschen entstehen. Die Bauherrin investiert nach eigenen Angaben mehr als 400 Mio. € in das privat finanzierte Projekt. Zum Gelände gehören außerdem ein Hotel, ein Parkhaus und parkähnliche Außenanlagen.
Inhaltsverzeichnis
Ein Dach aus Holz und Stahl überspannt die Arena
Das Dach wird eine Fläche von rund 10.000 m² haben. Geplant wird das Tragwerk vom Ingenieurbüro schlaich bergermann partner (sbp), das für die große Spannweite sogenannte Holz-Stahl-Hybridträger vorsieht.
Dabei werden beide Baustoffe innerhalb einer Tragkonstruktion kombiniert. Welche Aufgaben die einzelnen Bauteile übernehmen, richtet sich nach ihrer Anordnung und den jeweiligen Belastungen. Die genaue Ausbildung der Dachträger beschreibt sbp in seiner öffentlich zugänglichen Projektübersicht nicht.
Die große Spannweite stellt besondere Anforderungen an die Statik. Das Dach muss sein Eigengewicht sowie Wind- und Schneelasten aufnehmen. Hinzu kommen die Lasten der Veranstaltungstechnik. Außerdem dürfen sich die Träger unter Belastung nicht stärker verformen als zulässig.
Wie weit sich mit Holz-Hybridkonstruktionen stützenfreie Räume schaffen lassen, zeigt auch ein anderes Bauprojekt: Eine Ausstellungshalle in Werne mit weit gespannten Holzbindern kommt auf einen Auflagerabstand von 22,50 m. Bei der Munich Arena beträgt die geplante Dachspannweite dagegen rund 100 m.

Mehr als 200 t Technik hängen unter dem Dach
Eine Konzertarena benötigt zahlreiche Befestigungsmöglichkeiten für Lautsprecher, Scheinwerfer, Videowände und andere technische Anlagen. Bei der Munich Arena wird dafür eine eigene Tragebene in das Dach integriert. Fachleute sprechen von einer Rigging-Ebene. Nach Angaben des Projektsteuerungsunternehmens Drees & Sommer ist sie für mehr als 200 t Veranstaltungstechnik vorgesehen.
Das Gewicht verteilt sich dabei auf verschiedene Befestigungspunkte. Wie stark jeder einzelne Punkt belastet werden darf, hängt von der statischen Bemessung und der jeweiligen Lastverteilung ab. Denn bei einer Konzerttournee kann die Technik anders angeordnet sein als bei der nächsten.
Die Tragebene muss daher bereits bei der Planung auf die vorgesehenen Belastungen abgestimmt werden. Sie ist ein fester Bestandteil des Dachtragwerks und keine nachträglich eingebaute Hilfskonstruktion.

Bayerische Rauten prägen die Fassade
Auch die äußere Konstruktion übernimmt tragende Aufgaben. Ein sogenanntes Exoskelett umschließt die kreisförmige Halle und greift das Rautenmuster der bayerischen Landesflagge auf. Dieses Gerüst trägt nach Angaben des Tragwerksplaners sbp die umlaufende Seilnetzfassade sowie ein Geschoss für die technische Gebäudeausrüstung. Es dient damit nicht nur der Gestaltung.
Die Arena soll rund 34 m hoch werden und einen Durchmesser von etwa 100 m erreichen. Zusätzlich ist ein transparentes LED-Netz in der Gebäudehülle vorgesehen, auf dem sich wechselnde Inhalte darstellen lassen. Entworfen wurde die Halle vom Londoner Architekturbüro Populous. Die Generalplanung übernimmt HENN aus München.
Im Innenraum sollen steil ansteigende Zuschauerränge die Bühne hufeisenförmig über einen Winkel von 270° umschließen. Anders als klassische Mehrzweckhallen wird die Munich Arena von Beginn an speziell für Konzerte ausgelegt. Das betrifft die Sichtverhältnisse ebenso wie die Raumakustik und die Infrastruktur für internationale Tourproduktionen.
10 MW elektrische Leistung und Kälte aus einem Eisspeicher
Wenn 20.000 Menschen ein Konzert besuchen, benötigen Lichttechnik, Videowände, Beschallung und Gebäudetechnik viel elektrische Energie. Nach Angaben von Drees & Sommer wird die Stromversorgung der Munich Arena für rund 10 MW Leistung ausgelegt. Hinzu kommen etwa 4 MW Fernwärmeleistung.
Einen Teil des Stroms sollen Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Arena, des Hotels und des Parkhauses liefern. Für die Kühlung ist außerdem ein Eisspeicher vorgesehen. Er soll tagsüber mit Solarstrom erzeugte Kälte speichern und während der Abendveranstaltungen bereitstellen.
Dahinter steckt ein physikalischer Effekt: Beim Schmelzen nimmt Eis Wärme aus seiner Umgebung auf. Diese Eigenschaft lässt sich nutzen, um einem Gebäude Wärme zu entziehen. Der Speicher wird zuvor mithilfe einer Kälteanlage aufgeladen, indem Wasser gefroren wird. So lässt sich die Kälteerzeugung zeitlich vom späteren Kühlbedarf trennen. Die Munich Arena besitzt bereits ein DGNB-Vorzertifikat in Gold. Die endgültige Zertifizierung ist zur Eröffnung vorgesehen.

Ein digitales Modell für das gesamte Bauprojekt
Neben der Konzertarena müssen auch das Hotel, das Parkhaus und zahlreiche Versorgungsanlagen entstehen. Dazu gehören die Anschlüsse für Strom, Fernwärme, Wasser, Abwasser und Glasfaser.
Die Projektsteuerung übernimmt Drees & Sommer. Das Unternehmen setzt dabei auf Building Information Modeling (BIM). Die beteiligten Fachplaner stimmen ihre Gebäudemodelle aufeinander ab, um beispielsweise Konflikte zwischen Tragwerk, Lüftungskanälen und Leitungen frühzeitig zu erkennen.
Stefan Schweitzer, Associate Partner und Projektleiter bei Drees & Sommer, erklärt dazu in der Pressemitteilung des Unternehmens zum Spatenstich:
„Im Modell erkennen wir unmittelbar, welche Auswirkungen eine Änderung auf die anderen Planungsdisziplinen hat. Das hilft uns, Konflikte zu vermeiden, bevor sie auf der Baustelle entstehen.“
Die digitale Abstimmung betrifft auch die übrigen Gebäude des Veranstaltungscampus. Schließlich müssen die technischen Anlagen, Verkehrswege und Versorgungsnetze zur geplanten Eröffnung funktionieren.
Wie 20.000 Konzertbesucher zur Arena gelangen
Die Munich Arena entsteht in unmittelbarer Nähe zum Münchner Flughafen. Mit den S-Bahn-Linien S1 und S8 können Besucher bis zur Station Besucherpark fahren. Von dort sind es nach Angaben der Projektgesellschaft rund 15 Minuten zu Fuß.
Für Autofahrer ist die Arena über die A92 erreichbar. Ein großer Teil der benötigten Stellplätze soll durch bereits vorhandene Parkmöglichkeiten am Flughafen abgedeckt werden. Ergänzend entsteht ein Parkhaus mit rund 1.200 Stellplätzen und 300 Ladepunkten für Elektroautos.
Die Arena ist außerdem Teil des Münchner Veranstaltungskonzepts für mögliche Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044. Sollte München den Zuschlag erhalten, könnte die Halle vorübergehend für Schwimmwettbewerbe genutzt werden. Geplant ist dafür ein temporäres Wettkampfbecken, das nach den Spielen wieder entfernt werden kann.
Die Eröffnung der Konzertarena ist für 2029 vorgesehen. Zunächst müssen die weit gespannte Dachkonstruktion, die Gebäudetechnik und die Infrastruktur des Veranstaltungscampus fertiggestellt werden.
Quellen
- schlaich bergermann partner – Munich Arena: Primärquelle zur Dachkonstruktion, den Holz-Stahl-Hybridträgern, der Rigging-Ebene und dem Exoskelett.
- Munich Arena – Baufortschritt: Spatenstich, Genehmigungsstand und geplanter Eröffnungstermin.
- Munich Arena – Nachhaltigkeit: Eisspeicher, Photovoltaik, DGNB-Vorzertifizierung und Mobilität.
- Munich Arena – Pressemitteilung vom 29. Oktober 2026: Investitionen, Gebäudekonzept und aktuelle Projektentwicklung.
- BR24 – Neue Munich Arena: Mega-Stars für Freising, Sorgen in München: Unabhängige Berichterstattung vom 28. Oktober 2026.


























