Smartphones, Tablets & Co.

RSS Feeds  | Alle Themen Smartphones, Tablets & Co.-Visual-154212744
19.03.2015, 15:04 Uhr | 0 |

Spezialbrillen sind Mangelware Sonnenfinsternis mit dem Smartphone beobachten

An Spezialbrillen, mit denen die Sonnenfinsternis am Freitagmorgen beobachtet werden kann, ist kaum noch heranzukommen. Als Alternative bietet sich ein Trick des Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar an. Dafür braucht man nur ein Smartphone. 

In München beginnt die Sonnenfinsternis gegen 9.30 Uhr
Á

In München beginnt die Sonnenfinsternis gegen 9.30 Uhr. Die Sonne wird dort allerdings nur zu 57,7 Prozent bedeckt sein. Hamburg erreicht fast 80 Prozent. 

Foto: DLR

Morgen früh ab 9.30 Uhr wird Deutschland im Sofi-Fieber sein. Zwar gibt es keine totale Sonnenfinsternis – die wird nur über dem Nordpolarmeer zu beobachten sein – aber auch hierzulande kommt es zu einer Abdeckung der Sonne von immerhin fast 80 Prozent. Spezialbrillen, mit denen man das seltene Ereignis direkt verfolgen kann, sind allerdings so gut wie ausverkauft. Da ist guter Rat teuer.

Mit der Frontkamera des Smartphones die Sofi verfolgen

Einen Trick hat der Physiker und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar auf Lager: Wer keine Spezialbrille zur Hand hat, könne einfach das Smartphone nehmen, rät er. Man stelle sich mit dem Rücken zur Sonne, schalte die Frontkamera ein und könne sich, auch mit dem Zoom, das Spektakel ohne Risiko für die Augen anschauen. Wer keine Frontkamera hat, benutzt den dunklen Bildschirm einfach als Spiegel. Mehrere Minuten lang sollte aber auch das Smartphone nicht auf die Sonne gerichtet sein, sonst könnte es Schaden nehmen!

Und auf gar keinen Fall sollte man aber durch normale Kameras, Spiegelreflexkameras oder Feldstecher in die Sonne schauen. Die Geräte wirken wie Teleskope und können innerhalb weniger Sekunden die Retina verbrennen. Auch eine Sonnenbrille oder gerußtes Glas sind ungeeignet.

Die aktuelle Sonnenfinsternis über der Nordhalbkugel wird wegen des im März noch nicht sehr hohen Sonnenstands einen ungewöhnlich langen Verlauf haben, erklären Wissenschaftler vom Institut für Planetenforschung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Ab etwa 9.30 Uhr in München (Berlin 9.39 Uhr) beginnt sich die Mondscheibe über die Sonne zu schieben. Um 10.39 Uhr (10.47 Uhr) wird in Deutschland die maximale Bedeckung erreicht sein. In München werden das 57,7 Prozent sein, in Berlin 74,2 Prozent und in Hamburg sogar 79,2 Prozent. Einen wolkenfreien Himmel vorausgesetzt, lässt sich also gut beobachten, wie sich der Mond zwischen Erde und Sonne schiebt.

Bei totaler Sonnenfinsternis ist die Sonnenkorona von der Erde aus sichtbar

Viel beeindruckender ist die totale Finsternis, wenn sich die Mondscheibe exakt vor die Sonnenscheibe schiebt und man sich als Beobachter im Kernschatten des Mondes befindet. Nur dann ist von der Erde aus die Korona der Sonne zu sehen, der Strahlenkranz über der Sonnenatmosphäre mit seinen turbulenten Gaseruptionen aus vollständig ionisiertem, bis zu einigen Millionen Grad Celsius heißem Gasplasma. Insbesondere für unsere Vorfahren waren solche Beobachtungen von großer mythischer Bedeutung.

Á

Spezialbrillen sind mittlerweile Mangelware. Experten warnen: Niemals direkt, durch Spiegelreflexkameras oder Feldstecher in die Sonne blicken. Das kann irreparable Augenschäden verursachen. 

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Interessant ist auch, dass die Sonnenfinsternis genau am Tag des astronomischen Frühlingsbeginns und dabei gleichzeitig etwa dem Polarkreis folgend stattfindet. Das bedeutet, dass die Tausenden von SoFi-Touristen, die das Ereignis auf Schiffen vor Island und auf den Färöerinseln oder Spitzbergen verfolgen, die Sonne nur ganz knapp über dem Horizont werden beobachten können.

Nächste totale Sonnenfinsternis kommt erst am 3.9.2081

Die Bilder einer Sonnenkorona unmittelbar über dem Erdhorizont dürften ausgesprochen spektakulär sein. Allerdings müssen die Fotografen schnell sein, denn die Totalität dauert nur etwa zwei Minuten. Der Kernschatten des Mondes rast mit mehreren hundert Kilometer pro Stunde über die Nordhalbkugel. Die längste Verfinsterung wird bei 64,28 Grad nördlicher Breite und 6,9 Grad westlicher Länge stattfinden – also etwa 300 Kilometer südöstlich der Ostküste von Island.

Sonnenfinsternisse sind sehr rare Ereignisse. Die letzte totale Sonnenfinsternis in Mitteleuropa zog am 20. August 1999 über Süddeutschland. Die nächste Finsternis mit einer ähnlich starken Bedeckung der Sonne findet erst im Jahr 2026 statt, die nächste totale Finsternis in Mitteleuropa sogar erst wieder am 3. September 2081.

Dass der kleine Mond die große Sonne bedecken kann, ist übrigens ein astronomischer Zufall: Sein Durchmesser ist zwar 400 Mal kleiner als der der Sonne – gleichzeitig ist die Sonne aber 400 Mal weiter von der Erde entfernt als der Mond, nämlich etwa 150 Millionen Kilometer vom Erde-Mond-System.

In ferner Zukunft werden unsere Nachfahren das Spektakel einer Korona nicht mehr beobachten können. Denn der Mond entfernt sich mit etwa 3,8 Zentimetern pro Jahr von der Erde. Es ist also ein außergewöhnlich glücklicher astronomischer Umstand, dass der Mond für mehrere tausend Generationen der Menschheitsgeschichte die Erde genau in der Entfernung umkreist, die eine passgenaue Bedeckung der Sonnenscheibe erlaubt.

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden