04.11.2013, 11:18 Uhr | 0 |

Großbritannien weit vorn Einkauf von Lebensmitteln per Internet nimmt stark zu

Online-Bestellungen von Lebensmitteln haben in Europa stark zugelegt. In Großbritannien wird der Online-Absatz von Lebensmitteln auf rund sieben Milliarden Euro steigen, das ist siebenmal so viel wie in Deutschland. In den nächsten drei Jahren soll sich der Internet-Handel  von Lebensmittels sogar verdreifachen.

Online-Shop der Rewe
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In diesem Jahr werden die Verbraucher in Deutschland Lebensmittel im Wert von 1,1 Milliarden Euro im Internet bestellen, schätzt der europäische Branchenverband IGD.

Foto: Screenshot ingenieur.de

In Großbritannien ist es schon seit den 90er Jahren möglich, Milch, Käse und Wurst im Internet zu bestellen und sich nach Hause liefern zu lassen. Vor zehn Jahren durchbrach der Online-Handel bereits die Milliarden-Grenze, gemessen in Pfund. Inzwischen profitiert der Lebensmittelhandel davon, dass Logistik und Internet sich so gut entwickelt haben, dass man auch empfindliche Waren zuverlässig zum Verbraucher liefern kann.

Alle größeren Supermarktketten sind inzwischen in das Internet-Geschäft mit Lebensmitteln eingestiegen. Bei größeren Bestellungen wird meist keine Gebühr für die Zustellung berechnet. Die Auslieferung ist bis in die Abendstunden möglich, egal ob nach Hause oder ins Büro. Dabei ist sogar eine auf die halbe Stunde genaue Zustellzeit möglich.

Marktführer in Europa sind nach wie vor die Briten

Das hat Großbritannien in Sachen Online-Lebensmittel zum unangefochtenen Marktführer in Europa werden lassen. Für 2013 rechnet die europäische Branchenorganisation IGD mit einem Online-Umsatz in England von 7,1 Milliarden Euro Umsatz und einer Steigerung bis 2016 auf 13,7 Milliarden Euro. Auf Rang 2 liegt Frankreich mit einem Online-Umsatz von 5,0 in diesem Jahr und erwarteten 10,6 Milliarden Euro in drei Jahren.

Die deutschen Händler kommen in diesem Jahr auf voraussichtlich 1,1 Milliarden Euro Umsatz, der sich bis 2016 auf rund 2,5 Milliarden Euro steigern wird. Auf Platz vier folgen die Niederlande mit 0,6 beziehungsweise 1,6 Milliarden Euro. Den fünften Rang hält schließlich die Schweiz mit 0,7 Milliarden Euro in diesem Jahr und erwarteten 1,1 Milliarden in 2016.#

Auslieferung durch Logistikzentren und Supermarkt um die Ecke

Bei den führenden Supermarktketten in Großbritannien haben sich in zwischen zwei Logistikmodelle durchgesetzt. Zum einen haben die Ketten spezielle Distributionszentren aufgebaut, in denen weitgehend teilautomatisiert die einzelnen Bestellungen nach Versandhandelsart zusammengestellt und auf den Weg gebracht werden. Im anderen Falle werden die Lieferungen im jeweils nahegelegenen Markt der Kette während des normalen Geschäftsbetriebs von speziellem Personal zusammengestellt wird.

Dabei errechnet ein Computer den effizientestes Weg durch den Supermarkt, um den individuellen Warenkorb einzusammeln. Dabei werden die Waren meist in acht großen Körben rund um das Computerterminal aufgeteilt. Die Körbe werden dann verladen und mit Lieferfahrzeugen, die auch Kühl- und Gefrierkost befördern können, zum Kunden gefahren. Bezahlt wird ganz überwiegend bei der Bestellung über die Kreditkarte.

Dass sich auch in Deutschland der Online-Lebensmittelhandel durchsetzen wird, glaubt die Unternehmensberatung McKinsey. „Ich glaube, dass sich der Lebensmittel-Online-Handel durchsetzen wird. Wir gehen von einem Anteil von fünf Prozent bis zum Jahr 2020 aus“, sagte Thomas Netzer, Partner und Logistikexperte bei McKinsey, der WirtschaftsWoche. Das wäre ein Umsatz von zehn Milliarden Euro.

„Jetzt kauft man noch italienische Trüffel übers Internet, am Ende aber wird sich Alltagsbedarf wie Nudeln und Toilettenpapier durchsetzen“, so Netzer. Dabei werden nicht nur die Online-Händler, sondern auch die Logistiker wie die Deutsche Post von dem neuen Geschäftsfeld profitieren. „Wenn man ­annimmt, dass der Lebensmittel-Online-Markt auf zehn Milliarden Euro wächst, und einen durchschnittlichen Einkauf von 50 Euro zugrunde legt, wären das  200 Millionen zusätzliche Pakete – und ­damit 10 bis 15 Prozent des heutigen ­Paketmarkts“, kalkuliert McKinsey-Experte Netzer. „Bei einem Durchschnittseinkauf von 50 Euro kosten Logistik und Lieferung rund 15 Euro.“

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Von Peter Odrich
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