09.04.2014, 12:37 Uhr | 0 |

EU-Projekt CoeLux Neue Hightech-Fenster bringen die Sonne ins Haus

Fenster können künftig nicht nur Tageslicht hereinlassen, sondern realistisch nachbilden.  Das wertet innenliegende Räume auf und steigert das Wohlbefinden. Möglich macht diesen Effekt ein Zusammenspiel mehrerer Technologien. 

CoeLux-Sonnenlicht
Á

Was aussieht wie ein Fenster ist in Wahrheit eine Hightech-Beleuchtung. Durch die Kombination verschiedener Techniken können die natürliche Sonneneinstrahlung und Tageslicht auf realistische Weise simuliert werden.

Foto: EU-Kommission/Michael Loos

„Tageslichtbad“ – dieses Wort sorgt in Wohnungsanzeigen in der Regel für gesteigertes Interesse potenzieller Mieter. Verheißt es doch natürliches Licht, Sonne und das Gefühl von Freiraum. Die Realität sieht in vielen Wohnungen jedoch anders aus: Oft hat gerade das Badezimmer kein Fenster nach draußen und wird künstlich beleuchtet. Auch andere Räume zum Beispiel im Souterrain oder in großen Bürokomplexen haben keine oder nur unzureichende Tageslicht-Beleuchtung. Das schlägt vielen Bewohnern und Arbeitnehmern aufs Gemüt – sie fühlen sich beengt und eingeschlossen. Dabei sinkt das subjektive Wohlbefinden, und auch die Leistungsfähigkeit im Beruf leidet.

Eine Lösung für dieses Problem hat jetzt das von der Europäischen Union mit 2,5 Millionen Euro geförderte CoeLux-Projekt präsentiert: Fenster, die das natürliche Tageslicht nachempfinden. Genauer gesagt, handelt es sich nicht um Fenster im eigentlichen Sinne von verglasten Maueröffnungen, sondern vielmehr um Hightech-Beleuchtung, die natürliche Sonneneinstrahlung und Tageslicht auf realistische Weise wie durch echte Fenster nachempfinden.

LED-Beleuchtung in Kombination mit Nano-Technologie

Die physikalische und optische Wirkung natürlichen Lichts entsteht dabei durch eine Simulation der Streuung und Übertragung von Sonnenlicht durch die Atmosphäre. Aktuelle LED-Technologie reproduziert das Spektrum des Sonnenlichts, und nanostrukturierte Materialien von gerade einmal wenigen Millimetern Dicke bewirken den gesamten Lichtstreuprozess der Atmosphäre. Die Beleuchtung allein reicht jedoch nicht, um das menschliche Hirn auszutricksen und das Gefühl von authentischem Tageslicht zu erzeugen: Dazu ist die Wahrnehmung einer Distanz von Himmel und Sonne notwendig, die durch ein spezielles optisches System erreicht wird.

All diese Elemente werden in den Hightech-Fenstern verbaut, die wiederum auf vielfältige Weise bei der Raumgestaltung verwendet werden können – ob bei Altbausanierungen oder Neubauten, ist dabei unerheblich. Nutzer von CoeLux können derzeit zwischen drei unterschiedlichen Lichttypen – Nordeuropa, Mittelmeerraum und Tropen – wählen. Die Lichttypen unterscheiden sich unter anderem im Winkel der Sonneneinstrahlung und der empfundenen Wirkung: Das tropische Licht wirkt nach Herstellerangaben zum Beispiel kühler als die beiden anderen und bewirkt stärkere Kontraste.

Markteinführung voraussichtlich Ende 2014

Die Technologie soll voraussichtlich Ende 2014 auf den Markt kommen. Erstmals zu sehen war sie im März 2014 auf der Innovation Convention in Brüssel und Anfang April 2014 auf der „Light + Building“, der weltgrößten Messe für Licht und Gebäudetechnik in Frankfurt am Main.

„Mit CoeLux können Sie jederzeit und überall die Sonne genießen“, verspricht Professor Paolo Di Trapani, Koordinator des Projekts und Physiker an der Universität Insubria im italienischen Como und Gründer des Start-Ups CoeLux. Seit über zehn Jahren beschäftigt er sich bereits mit dem künstlichen Nachempfinden des natürlichen Tageslichts. „Aus Studien, die im Rahmen des Projekts durchgeführt wurden, ergibt sich, dass sich sogar unter Klaustrophobie leidende Menschen glücklich und entspannt fühlen, wenn sie dem CoeLux-Licht ausgesetzt sind, obwohl sie sich dabei für einen längeren Zeitraum in einem fensterlosen Raum von wenigen Quadratmetern Größe befinden.“

Neben der Firma CoeLux gehören zu den Entwicklern auch die spanische Rendering-Firma Next Limit Technologies sowie das Unternehmen Ekspobalta aus Litauen, das für groß angelegte CoeLux-Installationen weltweit verantwortlich ist. Die Forschungspartner Griffin Software Srl aus Rumänien, die Eidgenössische Technische Hochschule (Schweiz), die Bartenbach GmbH Aldrans aus Österreich und Comonext Scpa (Italien) haben ebenfalls zur Umsetzung beigetragen.

Anzeige
Von Judith Bexten
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden