17.08.2016, 14:53 Uhr | 0 |

Haarfollikel aus Stammzellen Forschern gelingt die Transplantation von Haarzellen

Haarausfall wird von den Betroffenen schon seit Jahrhunderten bekämpft. Ein durchschlagender Erfolg ist bisher aber jeder Methode versagt geblieben. Nun geht ein japanisches Konsortium einen neuen Weg. Vielleicht schaffen ja die Japaner den Durchbruch.

Mann mit Halbglatze
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Hier könnte wieder etwas wachsen: Davon geht ein japanisches Konsortium aus, dass an der Transplantation von Haarzellen arbeitet. 

Foto: Patrick Pleul/dpa-

Der Technologiekonzern Kyocera, das Grundlagenforschungsinstitut Riken und das Bioventure Unternehmen Organ Technologies werden in den kommenden zwei Jahren in Kobe mit Hilfe der regenerativen Medizin den Kampf gegen Alopecia oder Haarausfall aufnehmen. Sie wollen Technologien und Produkte entwickeln, die helfen sollen, Haarfollikel zu regenerieren. Das Trio will sich dabei die vom Labor für Organ-Regeneration am Riken Center für Entwicklungsbiologie entwickelten Regenerationstechniken zunutze machen. Ziel ist es, dieses Verfahren bereits 2020 auf den Markt zu bringen. 

Kleines Stück Kopfhaut wird entnommen 

Nach Angaben von Kyocera werden derzeit eine Reihe ganz unterschiedlicher Methoden eingehend untersucht. Im Vordergrund steht aber die piezoelektrische Technik. Bei dieser Behandlung soll ein ganz kleines Stück Kopfhaut auf der Hinterseite des Kopfes entnommen werden, um daraus zwei Arten von Stammzellen aus den Haarfollikeln einzusammeln. 

 

 

Wenn diese „Samen“ an einem externen Ort gezüchtet und vervielfältigt sowie in haarlose Haut transplantiert werden, sollen sie unter der Kopfhaut Wurzeln bilden. Dadurch soll es zu erneutem Haarwuchs kommen. Laut dem Forschungsinstitut  von Riken sind bei dieser Methode lediglich rund hundert Haare notwendig – etwa ein Zwanzigstel der benötigten Anzahl für konventionelle Therapien. 

In Versuchen mit Mäusen bereits erfolgreich

Die neue Behandlungsmethode arbeitet mit den eigenen Zellen des Patienten und soll nach Aussagen des Konsortiums nicht gefährlicher sein als bisherige bereits etablierte kommerzielle Methoden für die Regeneration von Haut und Knorpelgeweben. Bei Versuchen mit Mäusen in Japan hat die Technik der Follikel-Erzeugung bereits funktioniert.

Transplantationstechnik von Kyocera

Für die Verarbeitung und Vermehrung der kultivieren Zellen sind hochgenaue Techniken notwendig. Kyocera will sich auf die Transplantationstechnik konzentrieren und unter anderem die Maschinen für die Automation der Samenproduktion bereitstellen. Das Unternehmen baut dabei auf dem eigenen Know-how im Bereich der Technologien zur Feinbearbeitung auf. 

 

 

Eine weitere Stärke Kyoceras ist die Piezoelektrik. Mit dieser Technik können sich bei Anlegung elektrischer Spannung Stoffe der verschiedensten Art verformen. Das Geschäftsmodell von Kyocera soll so funktionieren, dass der Hersteller Kopfhautgewebe von Kliniken geliefert bekommt, es über einen Zeitraum von rund drei Wochen bearbeitet und dann die vermehrten Haarfollikel zurück an die jeweilige Klinik für den Patienten liefert.

Ursache des Haarausfalls ist weiter unbekannt

Jeder Mensch verliert Haare – und zwar täglich zwischen 70 und 100 Stück auf dem Kopf. Da die Haarwurzeln normalerweise in der Kopfhaut verbleiben und wieder nachwachsen, werden die ausgefallenen Haare in regelmäßigen Abständen erneuert. Problematisch wird es erst dann, wenn das nachwachsende Haar kaum wächst und nach wenigen Zentimetern schon wieder ausfällt oder wenn der Neuwuchs völlig ausbleibt. Rund 18 Millionen Japaner und davon 14 % Frauen leiden unter Hausausfall.

In Deutschland leben acht Millionen Menschen, die unter starkem Haarausfall leiden. Die wirkliche Ursache von Haarausfall ist nach wie vor ungeklärt. Bei Männern tritt Haarausfall so häufig auf, dass dies häufig als eine ganz normale Erscheinung des Älterwerdens verstanden wird.

Apropos Älter werden: US-Forscher haben eine künstliche Haut entwickelt, die sich wie ein junges Schwesterorgan über die menschliche Haut legt. Straff, glatt und optisch vollkommen natürlich. Angeblich soll die Entwicklung nicht bloß kosmetischen Zwecken dienen. Mehr dazu lesen Sie hier.

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Von Peter Odrich
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