14.02.2014, 13:48 Uhr | 0 |

Mobile Trends Deutsche wollen noch mehr Rad fahren – Holland testet beheizbaren Radweg

65 Prozent der Deutschen wollen im Jahr 2014 verstärkt das Fahrrad nutzen. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage. Nicht zuletzt der Erfolg der Pedelecs befeuert diesen Trend. Entscheidend ist aber die Frage, ob das Wetter mitspielt. In Holland ist man da schon weiter. Dort werden jetzt zu Testzwecken Radwege beheizt. 

Radfahren liegt voll im Trend
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Radfahren liegt voll im Trend: 65 Prozent der Deutschen wollen im Jahr 2014 verstärkt mit dem Rad fahren.

Foto: dpa/Uwe Anspach

Das Meinungsinstitut Forsa fragte Ende vergangenen Jahres die Teilnehmer der repräsentativen Studie danach, welche Sportarten sie im Jahre 2014 gerne verstärkt angehen würden. Der Spitzenplatz ging mit 65 Prozent ans Radeln. Selbst Trend-Bewegungssportarten wie Schwimmen kanzelte das Fahrrad mit 53 Prozent auf Rang 2 ab, das Wandern ist vielleicht noch des Müllers Lust, landete aber mit 47 Prozent noch hinter Joggen (51 Prozent) auf Rang 4. Schlusslicht in dieser repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag von Bosch eBike Systems ist übrigens das Fitnessstudio: Nur 24 Prozent äußerten Interesse an mehr Besuchen im Schweißpalast, genauso wenige wollen in diesem Jahr öfter das Tanzbein schwingen. Mehrfachnennungen waren möglich.

356.000 Fahrradfahrten im Januar in Köln sind ein Rekord

Es ist in der Tat ein Trend: So hat die Stadt Köln an ihren Dauerzählstellen des Radverkehrs im Januar 2014 absolute Rekordwerte für die Winterzeit verzeichnet. Mehr als 356.000 Fahrten wurden erfasst. Das sind 50 Prozent mehr als im Januar 2013. Köln betreibt seine Dauerzählstellen seit 2009. Gegenüber dem Mittel der Januarwerte seit Messbeginn ergibt sich ein Plus von knapp 60 Prozent. Welche entscheidende Rolle das Wetter dabei spielt, sich auf das Rad zu schwingen, zeigt der Vergleich mit dem extrem kalten Januar 2010: Gegenüber diesem Jahr liegt das Plus zu Januar 2014 bei sagenhaften 285 Prozent.

Das Ganze lässt sich noch weiter ausdifferenzieren: An der Wetterstation Köln/Bonn Flughafen lag die höchste in diesem Januar gemessene Temperatur am 7. Januar bei frühlingshaften 14 Grad Celsius, am kältesten war es am 23. Januar mit minus drei Grad. Im Jahr 2010 war der 17. Januar mit sechs Grad Celsius der  wärmste Januartag und am 8. Januar bibberten die Kölner bei minus 13 Grad Celsius. Und noch etwas kommt dazu: Im Januar 2010 gab es nur sechs Tage ohne Schneedecke. Vom 19. bis zum 24. Januar lag in Köln kein Schnee. Ganz anders 2014: Keine einzige Schneeflocke verirrte sich in diesem Januar nach Köln.

Bei Kälte und Regen steigen sehr viel weniger Menschen aufs Rad

Übrigens sorgte das bitterkalte, stürmische und regnerische Wetter im März 2013 dafür, dass sich viel weniger Leute aufs Rad trauten. 220.000 Fahrten weniger als im März 2012 verzeichneten die Kölner an ihren Dauerzählständen. Selbst der klassische Wintermonat Januar 2014 übertrifft den März 2013 um 40 Prozent der Fahrten.

Eine Mitarbeiterin von "PostModern" schiebt am 22.01.2014 in Dresden (Sachsen) ihr Fahrrad durch den Schnee. Foto: Arno Burgi/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Wer sein Rad liebt, der schiebt: Das muss nicht sein. Auch bei Schnee und Eis gibt es Abhilfe. Die Holländer machen es vor – mit beheizten Radwegen. 

Foto: dpa/Arno Burgi

Der Trend hin zum Fahrrad belegt auch die rasante Zunahme der Pedelecs auf dem Fahrradmarkt: Mehr als 1,4 Millionen der umgangssprachlich gerne E-Bike genannten Fahrräder sind nach Branchenschätzungen bereits auf deutschen Straßen unterwegs. Tendenz ungebrochen steigend: In den kommenden Jahren rechnet der Zweirad-Industrie-Verband ZIV mit weiteren 400.000 bis 600.000 verkauften Rädern.

Pedelecs sind trotz elektrischer Hilfe Tret-Fahrräder

Der Gesetzgeber hat im vergangenen Jahr noch einmal deutlich klargestellt, dass Pedelecs mit einer Unterstützung beim Treten bis maximal 25 Stundenkilometer und einer Nenndauerleistung des Motors von 250 Watt als Fahrrad gelten. Es ist also nicht die so gerne herbeizitierte Tretfaulheit, die die Pedelecs so derart beliebt machen. Im Gegenteil: die Touren werden damit länger und oft auch anspruchsvoller. Dr. Achim Schmidt, Sportwissenschaftler an der Deutschen Sporthochschule Köln ist selbst Fahrer eines Pedelecs und vom sportlichen Nutzen der Elektrounterstützung überzeugt: „Aus sportmedizinischer Sicht kann ganz klar gesagt werden, dass E-Bikes – und hier Pedelecs im engeren Sinne, bei denen man ja ständig mittreten muss – eine gesunde und auch für ein Workout durchaus effiziente Alternative sind.“

Netz von Radschnellwegen in Planung

Gerade in alltäglichen Situationen wie dem Weg zum Supermarkt oder zur Arbeit bietet das Fahrrad eine Alternative, um die körperliche Fitness zu erhöhen. Inzwischen können sich laut Forsa-Studie 23 Prozent der Erwerbstätigen vorstellen, mit elektrischem Rückenwind zur Arbeit zu fahren. Diesen Trend hat die Verkehrspolitik mittlerweile aufgegriffen und plant ein Netz von Radschnellwegen. So sind in Nordrhein-Westfalen insgesamt fünf dieser weitgehend kreuzungs- und ampelfreien Fahrradstrecken in der Planung: Der kürzeste verbindet auf 8,4 Kilometern Köln mit Frechen, der längste verbindet auf 63 Kilometern Isselburg mit Coesfeld. Als Vorbild dienen die gut ausgebauten holländischen Fahrradwege.

Gemeinde Wageningen in Holland testet einen beheizten Fahrradweg

Von Holland lernen, heißt siegen lernen, wie ein Blick nach Wageningen in der Provinz Gelderland am Niederrhein lehrt. Dort erprobt die Gemeinde in den nächsten drei Jahren ein 50 Meter langes solar beheiztes Stück Radweg, dessen Markierungen nachts leuchten. Glow-in-the-dark nennt sich diese Technologie der nächtlichen Markierungsbeleuchtung. Die Markierungen laden sich im Tagesverlauf auf und geben dann die gespeicherte Energie in der Nacht als Licht wieder ab. Der Testbereich von 50 Metern wird mit beheizbaren Betonplatten gebaut – und zwar klimaneutral. Die Beheizung wird durch Wärmespeicher und Solarenergie gewährleistet. Die beheizten Betonplatten frieren auch bei strengstem Frost nicht ein, wodurch nicht gestreut werden muss und somit die Sicherheit der Radfahrer nicht beeinträchtigt wird.

„Kommunen müssen auf gesellschaftliche Trends reagieren. Die zunehmende Nutzung von Fahrrädern, unter anderem durch das Zurücklegen größerer Entfernungen mit Pedelecs, ist ein solcher Trend“, sagt Wageningen-Stadtrat Michiel Uitdehaag. „Wir müssen im Voraus wissen, ob ein beheizter Radweg und die Glow-in-the-dark-Markierungen effektiv und angenehm für Radfahrer – auch ohne die Verwendung von Salz – sein können. Darüber hinaus erhöht sich die Sicherheit durch die beleuchtete Markierung und die Heizung verhindert Stürze durch Ausrutschen.“ Dazu kommt: In gefährdeten Naturräumen kann durch diese Technologie die schädliche Auswirkung von Streusalzen verhindert werden.

Erste Schnee-Prüfung in Heino bestanden

Bleibt anzumerken, dass im vergangenen Januar ein beheizter Versuchsradweg im niederländischen Ort Heino in der Provinz Overijssel seine Schnee-Prüfung bestanden hatte. Bei dem Versuch wurde rund sieben Grad Celsius warmes Wasser – wie bei einer Fußbodenheizung – durch Rohre gepumpt. Am Versuchstag konnte der Weg auf einem Temperaturniveau von drei bis vier Grad gehalten werden und blieb zuverlässig schneefrei, obwohl es von 7 bis 18 Uhr schneite und die Lufttemperatur um sechs bis zehn Grad unter Null lag. Und es ist kein Witz: Der Ort heißt wirklich Heino! Mit erhöhten Temperaturen kennen sich beide aus: So heizte der singende deutsche Heino am 1. August auf dem Festival Wacken Open Air 2013 dem Publikum gemeinsam mit Rammstein und deren Song Sonne so richtig ein... 

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Von Detlef Stoller
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