27.05.2015, 11:51 Uhr | 0 |

Teststrecke der DB Robuste Lärmschutzwand soll Bahngleisanwohnern Ruhe schenken

Für Anwohner an Schienenwegen könnte es bald ruhiger werden: Eine Firma aus Sachsen hat eine Lärmschutzwand mit schallschluckender Beschichtung entwickelt. Die Deutsche Bahn setzt sie bereits auf einer Teststrecke ein.

Ein Fünftel der deutschen Bevölkerung lebt an Schienenwegen
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Ein Fünftel der deutschen Bevölkerung lebt an Schienenwegen. Ihnen soll die neue Schallschutzwand ruhigen Schlaf zurückgeben.

Foto: Thomas Frey/dpa

Lärm an Bahngleisen schlägt auf die Nerven. „Immerhin betrifft dieses Problem ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland, denn so viele Menschen leben an Schienenwegen“, erklärt Diplomingenieur Thomas Hübler von der MPA Dresden, eigentlich ein unabhängiges Brandschutz-Kompetenzzentrum. Das Problem: Lärmschutzwände erreichen oftmals nicht die notwendigen Schallschutzwerte und weisen nach kurzer Zeit insbesondere an Hochgeschwindigkeitsstrecken Schäden auf.

Daher machten sich Ingenieure, Berater und Gutachter der MPA Dresden daran, eine neue Lösung zu suchen. Sie entwickelten die Lärmschutzwand Noisephalanx: Spezielle stranggepresste Aluminiumprofile werden mit einem schallschluckenden Absorber gefüllt. Auf der vorderen Seite sind sie mit einem Lochblech oder einem Streckmetall versehen.

Weniger Sperrungen auf Bahnstrecken

Die Lärmschutzpaneele verfügen über eine neuartige Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk-Lagerung, die eine Lebensdauer von bis zu 50 Jahren ermöglicht. Zusätzlich können die Paneele eloxiert werden. Dabei werden sie mit Farbstoff eingefärbt und anschließend mit heißem Dampf oder Wasser verdichtet. Das Eloxieren macht die Paneele wartungsfrei. Das soll dazu führen, dass Bahnstrecken weniger oft für Arbeiten gesperrt werden müssen. Auch die Montage ist angeblich einfach: Ohne viel Aufwand können die einzelnen Paneele in die Stahlpfosten eingelegt werden.

Für die hohe Lebensdauer erbrachten die Forscher einen Nachweis mit einem dynamischen Lastwechselversuch: An der TU Graz bildeten sie an einer Noisephalanx-Lärmschutzwand einen Sog-Druckwechsel nach. Er entsprach einem vorbeifahrenden Zug mit einer Geschwindigkeit von 300 km/h. Um sicher zu gehen, wurden anstatt der zwei Millionen geforderten Lastwechsel sogar fünf Millionen Lastwechsel nachgewiesen.

Erste Musterstrecke zwischen zwischen Heidelberg und Lampertheim

Das Eisenbahnbundesamt hat die Lärmschutzwände nun zugelassen. Ein erster Auftrag wurde bereits von der DB Netz AG erteilt. Bei Lampertheim im Raum Heidelberg wird eine 7 km lange Hochgeschwindigkeitsstrecke mit der neuen Noisephalanx-Lärmschutzwand versehen.

Das Projekt wird durch die Technologieförderung des Bundes unterstützt. Denn die Bahn gehört zwar zu den umweltfreundlichen Verkehrsmitteln, produziert aufgrund des Lärms jedoch volkswirtschaftliche Kosten von 0,83 Milliarden Euro jährlich.

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Von Petra Funk
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