23.11.2016, 09:59 Uhr | 0 |

Einfache Installation Turbine im Fluss versorgt Vier-Personen-Haushalt mit Strom

Das kanadische Unternehmen Idénergie hat eine Turbine gebaut, mit der ein Vier-Personen-Haushalt mit Strom versorgt werden kann – vorausgesetzt, es gibt ein fließendes Gewässer in der Nähe. Die Turbine wird in zerlegtem Zustand überallhin geliefert, vor Ort zusammengebaut und im Flussbett installiert.

Turbine von Idénergie
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Diese 91 Kilo schwere Turbine kann einen Vier-Personen-Haushalt mit Strom versorgen – wenn sie denn im Flußbett installiert ist.

Foto: Idénergie

Man habe sich an Ikea orientiert, schreibt das Unternehmen Idénergie auf seiner Website. Nach einem Einkauf im schwedischen Möbelhaus müssen die Kunden auch erstmal selbst Hand anlegen, bevor sie das Möbelstück nutzen können. Bei der Turbine, die von Idénergie im kanadischen Montréal entwickelt wurde, ist es genauso.

Do-it-yourself-Fertigkeiten sind gefragt. Wer daran Spaß und außerdem ein fließendes Gewässer in der Nähe seines Hauses hat, kann mit der Turbine den Stromverbrauch für ein Einfamilienhaus abdecken.

Fließgeschwindigkeit von 3 m/s ist ideal

Seit 2010 arbeitet das Ingenieur-Team von Idénergie an der relativ kleinen Turbine, die die kinetische Energie des Wassers mit einem Konverter in Strom umwandelt. Die elektrische Energie wird in einer Batterie gespeichert und per Kabel zum Haus geleitet. Deshalb sollte das fließende Gewässer, aus dem die Energie abgezapft wird, nicht allzu weit entfernt sein. Bis zu 400 m seien optimal, schreibt Idénergie, aber auch eine Entfernung von bis zu einem Kilometer sei möglich.

Der Fluss selbst muss natürlich auch einige Voraussetzungen erfüllen, damit es mit der Energiegewinnung klappt. Das Flussbett sollte nicht zu tief, eben und zugänglich sein, aber vor allem ist die Fließgeschwindigkeit wichtig. Zwischen 1-3 m/s sind ideal. Bei etwa 2,5 m/s so rechnet Idénergie vor, kann eine Turbine knapp 12 kWh pro Tag erzeugen.

Das entspricht in etwa dem durchschnittlichen Stromverbrauch einer vierköpfigen Familie in einem Einfamilienhaus in Deutschland. Bei einer Fließgeschwindigkeit von 1 m/s werden täglich 2,3 kWh produziert.

Turbine wiegt 91 kg

Sind diese natürlichen Bedingungen erfüllt, kann man sich also an den Zusammenbau der Turbine wagen, die in zerlegtem Zustand versandt wird. Dazu stellt Idénergie genaue Installationsvideos zur Verfügung. Eine Turbine, bestehend aus Edelstahl und Aluminium, wiegt 91 kg, ist 66 cm hoch und 132 cm breit. Dazu wird ein Gestänge geliefert, mit dem die Turbine transportiert und im Fluss besser installiert werden kann.

Mit zwei Darrieus-Rotoren ausgestattet

Die Turbine selbst hat zwei sogenannte Darrieus-Rotoren, wie sie herkömmlich für Windkraftanlagen eingesetzt werden. Darrieus-Rotoren – benannt sind sie nach dem Franzosen Georges Darrieus und seit 1931 patentiert – laufen mit einer vertikalen Rotationsachse und werden seit Kurzem auch für Wasserturbinen gebaut.

Für die Installation im Fluss muss zunächst eine passende Stelle gefunden werden, bevor die Turbine durch mindestens zwei Personen, aber ohne Kran oder andere größere Geräte, installiert werden kann. In einem letzten Schritt wird die Turbine im Flussbett verankert und das Elektrokabel bis zum Bestimmungsort geführt.

Turbinen-Netzwerk könnte eine Siedlung mit Strom versorgen

Idénergie betont, dass Studien gezeigt hätten, dass Turbinen des Darrieus-Typs das Öko-Systems des Flusses nicht stören. Auch die verwendeten Edelmetalle seien besonders umweltfreundlich. Der Generator sei absolut wasserdicht im Gehäuse verpackt und die Gefahr, dass sich zwischen den frei laufenden Rotorblättern Unrat ansammelt, sei sehr gering. Eine komplette Turbine kostet derzeit umgerechnet um die 7.000 Euro. Ein Turbinen-Netzwerk, das dann eine ganze Siedlung mit Strom versorgen könnte, wäre ebenfalls möglich, schreibt Idénergie.

Über eine Mini-Turbine, die 10.000 Haushalte mit Strom versorgen könnte, haben wir hier berichtet. Sie wurde in der Forschungsabteilung von General Electric entwickelt und läuft mit erhitztem CO2 im geschlossenen Kreislauf. Anders als Wasserdampfturbinen ist sie in wenigen Minuten startklar.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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