Ein Gigant entsteht 14.03.2026, 15:38 Uhr

Rekord-Windrad in Bayern: Warum der Ausbau trotzdem stocken könnte

175-Meter-Rotor und 6 MW Leistung: Bayerns größtes Windrad zeigt, was möglich ist. Gleichzeitig droht der Ausbau der Windkraft im Süden zu stocken.

Windräder im Wald

Windkraft im Wald: Wie hier in der Gemeinde Berg am Starnberger See entsteht im Landkreis Eichstätt ein gigantisches Windrad im Wald - das größte in Bayern.

Foto: picture alliance / dpa | Matthias Balk

Bei Walting im Landkreis Eichstätt entsteht derzeit eine der größten Windenergieanlagen Süddeutschlands. Die Anlage erreicht eine Nabenhöhe von 162 m und trägt Rotorblätter mit einer Länge von rund 85 m. Zusammen ergibt das einen Rotordurchmesser von etwa 175 m – derzeit der größte in Bayern.

Die Anlage soll rund 6 MW Leistung liefern und jährlich etwa 12 bis 15 GWh Strom erzeugen. Das entspricht dem Strombedarf von ungefähr 3000 bis 3500 Haushalten.

Technisch steht das Projekt damit exemplarisch für die nächste Generation von Onshore-Windkraftanlagen. Gleichzeitig zeigt es, wie schwierig der Ausbau der Windenergie im Süden Deutschlands bleibt.

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Eine Baustelle mit außergewöhnlicher Logistik

Der Bau eines Windrads dieser Größe ist eine logistische Herausforderung. Schon der Kran, der die Anlage montiert, erreicht enorme Dimensionen.

Kranfahrer Erich Michatz beschreibt die Technik so: „Wir haben eine Mastlänge von 168 m plus eine 21-Meter-Spitze. Und wir können eine Maximalhubkraft von 151 t bis auf diese Höhe heben.“

Allein für den Transport der Kranbauteile waren rund 77 Lkw-Fahrten notwendig. Der Turm besteht aus mehreren Segmenten. Unten beginnt ein rund 94 m hoher Betonturm. Darüber folgen Stahlsegmente. Erst darauf sitzt das Maschinenhaus mit Generator.

Enercon liefert die Anlage

Die Anlage selbst stammt vom Hersteller Enercon. Es handelt sich um eine Anlage des Typs E-175 EP5. Enercon setzt dabei auf einen Direktantrieb ohne Getriebe. Der Generator sitzt direkt auf der Rotorwelle.

Die Montage der Rotorblätter gehört zu den heikelsten Bauphasen. Jedes Blatt misst rund 85 m und wiegt etwa 27 t. Der Kran hebt sie langsam auf 162 m Höhe, wo Monteurinnen und Monteure sie an der Nabe befestigen. Dabei spielt das Wetter eine entscheidende Rolle. Schon leichter Wind kann die Arbeiten erschweren.

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Bürgerwind statt Energiekonzern

Das Projekt ist kein klassischer Windpark eines großen Energieunternehmens. Die Anlage wird von einer lokalen Betreibergesellschaft errichtet. Mehr als 45 Bürgerinnen und Bürger aus der Region beteiligen sich finanziell an dem Projekt.

Auch Landwirte stellen Flächen zur Verfügung oder beteiligen sich über Pachtverträge. Ein Teil der Einnahmen bleibt dadurch in der Region.

Zusätzlich profitieren Kommunen von den Einnahmen. Nach §6 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes können Gemeinden im Umkreis von Windenergieanlagen finanziell beteiligt werden.

Der Flächenverbrauch bleibt überschaubar. Im Betrieb benötigt die Anlage etwa 0,5 ha befestigte Fläche für Wege und Kranstellplätze. Teile der Baustelle werden später zurückgebaut und wieder aufgeforstet.

Windkraft im Süden funktioniert anders

Windkraftanlagen in Süddeutschland müssen andere Voraussetzungen erfüllen als Anlagen an der Küste. Die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten sind im Binnenland geringer. Fachleute sprechen von geringerer „Windhöffigkeit“.

Um dennoch genügend Strom zu erzeugen, setzen Betreiber auf größere Rotoren und höhere Türme. Die großen Rotorblätter können auch schwächere Winde besser nutzen.

Der technische Aufwand steigt dadurch jedoch deutlich. Höhere Türme benötigen mehr Material und aufwendigere Fundamente. Auch Transport und Montage werden komplizierter. Das treibt die Kosten in die Höhe.

10H-Regel hat den Ausbau lange gebremst

Der Windkraftausbau in Bayern wurde jahrelang zusätzlich durch politische Vorgaben eingeschränkt. Eine zentrale Rolle spielte die sogenannte 10H-Regel. Sie schreibt vor, dass Windräder in vielen Fällen einen Abstand zum nächsten Wohngebiet einhalten müssen, der dem Zehnfachen ihrer Höhe entspricht.

Bei modernen Anlagen mit Gesamthöhen von mehr als 200 m führt das zu Abständen von über zwei Kilometern. Viele mögliche Standorte fallen dadurch weg. Erst neue Regelungen und das sogenannte Wind-an-Land-Gesetz ermöglichten wieder mehr Projekte.

Wirtschaftlichkeit wird schwieriger

Trotzdem sehen die Betreiber das Projekt bei Walting als Glücksfall. „Wenn wir heute anfangen würden zu planen, dann würden wir nicht weitermachen“, sagt Projektinitiator Daniel Bauer.

Ein Grund sind sinkende Vergütungssätze in den Ausschreibungen für Windenergieanlagen. Betreiber erhalten ihre Erlöse über ein wettbewerbliches Verfahren.

Je niedriger der Zuschlagswert, desto schwieriger wird die Finanzierung neuer Projekte. Hinzu kommen steigende Finanzierungskosten. Höhere Zinsen verteuern Kredite erheblich.

Das Windrad in Walting kostet rund 10 Mio. €. Ein Teil stammt aus Eigenkapital der Beteiligten. Der Großteil wird über Bankkredite finanziert. Die Betreiber rechnen damit, dass sich die Anlage innerhalb von zwölf bis fünfzehn Jahren amortisiert.

Netzausbau bleibt ein Engpass

Ein weiteres Problem ist der Netzanschluss. Viele Stromnetze in Süddeutschland wurden ursprünglich für zentrale Großkraftwerke gebaut. Der Ausbau erneuerbarer Energien stellt diese Infrastruktur vor neue Herausforderungen.

In manchen Regionen sind Netzkapazitäten begrenzt. Betreiber müssen teilweise flexible Netzanschlussvereinbarungen akzeptieren.

Das bedeutet: Anlagen dürfen zeitweise nicht ihre gesamte Leistung einspeisen, wenn das Netz ausgelastet ist. Besonders an windreichen Tagen kann das wirtschaftliche Nachteile bringen.

Referenzertragsmodell entscheidet über viele Projekte

Eine wichtige Rolle spielt außerdem das sogenannte Referenzertragsmodell. Dieses System berücksichtigt, dass Anlagen in windschwächeren Regionen geringere Stromerträge erzielen. Betreiber erhalten deshalb eine höhere Vergütung als Projekte an windreichen Standorten.

Sollte dieses Modell verändert oder abgeschafft werden, könnten viele Windkraftprojekte im Süden wirtschaftlich kaum noch realisierbar sein. Auch Bayerns Energieminister Hubert Aiwanger betonte zuletzt, wie wichtig dieses Instrument für den Ausbau der Windenergie im Süden ist.

Regionalplanung bremst neue Projekte

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: die Raumplanung. Viele Regionen in Bayern arbeiten derzeit noch an der Ausweisung neuer Windvorranggebiete. Erst wenn diese Flächen feststehen, können Projektentwickler konkrete Anlagen planen. In der Region Eichstätt soll dieser Prozess erst bis 2027 abgeschlossen sein.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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