WILIAM 02.06.2026, 12:30 Uhr

Klimaneutralität bis 2040? Neues Modell sieht bis zu 600 Milliarden Euro Vorteil

Die Energiewende könnte sich für Europa stärker auszahlen als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie, die mithilfe eines neu entwickelten Modells die wirtschaftlichen, gesundheitlichen und klimatischen Folgen verschiedener Energiepfade untersucht hat.

Übergang zu einem grünen und sauberen Konzept für erneuerbare Energien

Ein neues Energiemodell zeigt: Ein beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energien könnte der EU wirtschaftliche Vorteile von bis zu 600 Milliarden Euro bringen.

Foto: PantherMedia / Ai825

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Chemie (MPIC) hat mit dem neuen Modell „WILIAM“ untersucht, wie sich ein beschleunigter Ausbau erneuerbarer Energien auf Wirtschaft, Klima, Luftqualität und Gesundheit auswirkt. In Kombination mit dem etablierten „GAINS-Modell“ zeigt sich: Erreicht die EU Klimaneutralität bereits 2040 statt 2050, könnte daraus ein Netto-Nutzen von bis zu 600 Milliarden € entstehen.

Neues Modell berücksichtigt die Dynamik der Energiewende

Für die Studie entwickelten die Forschenden unter der Leitung von Yafang Cheng, Direktorin der Abteilung Aerosolchemie am MPIC, das neue Modell “WILIAM“. Es soll die wirtschaftlichen Folgen einer beschleunigten Energiewende realistischer abbilden als viele bisherige Ansätze. Während klassische Energiemodelle häufig mit weitgehend statischen Annahmen zu Kosten und Technologieentwicklung arbeiten, berücksichtigt “WILIAM“ die dynamischen Veränderungen eines Energiesystems während des Umbaus.

Für Cheng liegt die zentrale Stärke des neuen Ansatzes in der realistischeren Abbildung der Systemkosten einer Energiewende:

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
Wissenschaftliche:r Koordinator:in der Graduiertenschule HITEC im Bereich Energie- und Klimaforschung (w/m/d) Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project System Engineer Electrical (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project System Engineer Mechanical (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleitung (w/m/d) Umwelt und Landschaftsplanung Die Autobahn GmbH des Bundes
TenneT-Firmenlogo
Commissioning Coordinator Platform 2GW (all genders) TenneT
Batam (Indonesien) Zum Job 
ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien mbH & Co. KG-Firmenlogo
Techn. Systemplaner:in / Technische Gebäudeausrüstung (TGA) - Planer:in im Planungsteam Fernwärme (m/w/d) ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien mbH & Co. KG
Bad Endorf Zum Job 
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten-Firmenlogo
Professur (w/m/d) Analog- und Digitalelektronik Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten
Kempten (Allgäu) Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur / Konstrukteur (m/w/d) - Zielstellen und Sortiertechnik Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
PTV Transport Consult GmbH-Firmenlogo
Projektleiter*in Verkehrsplanung & Verkehrstechnik (m/w/d) PTV Transport Consult GmbH
Düsseldorf Zum Job 
VINCORION Advanced Systems GmbH-Firmenlogo
Senior Manager System Engineering Power Systems (all genders) VINCORION Advanced Systems GmbH
Altenstadt Zum Job 
Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau im Geschäftsbereich 3 "Erhaltung, Kompetenzzentrum Brücken" Landesamt für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
RSE+ Architekten Ingenieure GmbH-Firmenlogo
Bauleiter Hochbau, Baumanagement - LPH 6-9, Industrie & Gewerbe (m/w/d) RSE+ Architekten Ingenieure GmbH
Stuttgart, Kassel, Göttingen Zum Job 
Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR-Firmenlogo
Fachbereichsleitung Grün (m/w/d) Wirtschaftsbetrieb Hagen AöR
Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Planungsingenieur in den Bereichen Gas und Wasser (m/w/d) Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Flughafen München GmbH-Firmenlogo
Leiter Elektrotechnik / Stromnetzprojekte (w/m/d) Flughafen München GmbH
Oberding Zum Job 
Intego GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker / Field Service Engineer (m/w/d) - Einsatz in Kalifornien (USA) Intego GmbH
Erlangen Zum Job 
PohlCon GmbH-Firmenlogo
Anwendungsingenieur (m/w/d) PohlCon GmbH
Sumitomo Rubber Europe GmbH-Firmenlogo
Ingenieur FEA (m/w/d) Reifensimulation in Hanau Sumitomo Rubber Europe GmbH
Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (m/w/d) (Master/Uni-Diplom) Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt)
Bergisch Gladbach Zum Job 
wpd infrastruktur GmbH-Firmenlogo
Erfahrener Projektleiter Bau (m/w/d) wpd infrastruktur GmbH

„Die Berücksichtigung dynamischer Veränderungen der Stromkosten ist ein wichtiger Schritt hin zu realistischeren Projektionen für einen raschen Ausbau erneuerbarer Energien und unterstützt die Entwicklung effizienter und nachhaltiger Strategien zur Bewältigung der großen Herausforderungen der Energiewende und des globalen Wandels“, sagt Prof. Yafang Cheng. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sauberere Energiepfade in der Energiesystemplanung und Entscheidungsfindung attraktiver werden, wenn Preise und politische Instrumente die mit fossilen Energieträgern verbundenen Klima-, Gesundheits- und Wirtschaftskosten umfassender berücksichtigen.“

Ein Beispiel: Mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie steigt nicht nur die installierte Leistung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Stromnetze, Speicher, Flexibilitätsoptionen und das Stromsystemmanagement. Diese Faktoren beeinflussen die Kosten des Energiesystems und damit die tatsächliche Wirtschaftlichkeit der Energiewende, werden in vielen Modellen bislang jedoch nur unzureichend berücksichtigt. “WILIAM“ erfasst solche Wechselwirkungen und bildet deren Auswirkungen auf die Entwicklung des Energiesystems über längere Zeiträume ab.

Kosten, Klima und Gesundheit gemeinsam betrachtet

Kombiniert wurde “WILIAM“ mit dem etablierten Modell “GAINS“ (Greenhouse Gas and Air Pollution Interactions and Synergies) des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA).

„Um die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen verschiedener kurzfristiger Maßnahmen und langfristiger Strategien zu bewerten, nutzen wir das neu entwickelte systemdynamische Modell WILIAM in Kombination mit GAINS, einem wohletablierten Modell zu Wechselwirkungen zwischen Treibhausgasen und Luftverschmutzung“, sagt Dr. Wenjun Meng, Projektleiterin in der Abteilung Aerosolchemie am MPIC.

Dadurch konnten die Forschenden nicht nur die Kosten verschiedener Energiepfade berechnen, sondern auch deren Auswirkungen auf Luftqualität, öffentliche Gesundheit und Klimaschutz bewerten.

Steigende Brennstoffpreise verändern die Rechnung

Ausgangspunkt der Studie sind die seit 2021 stark gestiegenen Preise für fossile Energieträger. Geopolitische Spannungen, Lieferengpässe und die stärkere Unsicherheit auf den Energiemärkten haben die Kosten für Energieimporte deutlich erhöht und zugleich die Abhängigkeit der europäischen Energieversorgung offengelegt.

Vor dem Hintergrund untersuchte das Team am MPIC, wie sich Kosten und Nutzen des Ausbaus erneuerbarer Energien in der Europäischen Union entwickeln können. Dabei analysierten die Wissenschaftler die Auswirkungen steigender Brennstoffpreise auf Energiesysteme, Wirtschaft, Luftqualität, Gesundheit und Klimaschutz. Die Forscher gingen bei ihrer Analyse davon aus, dass eine Rückkehr zu den Preisniveaus vor 2020 zumindest kurzfristig nicht zu erwarten ist.

Frühe Klimaneutralität zahlt sich aus

Das Europäische Klimagesetz von 2021 sieht eine Klimaneutralität bis 2050 vor. Nach den Berechnungen der Forschenden könnte sich ein schnellerer Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen wirtschaftlich jedoch deutlich mehr lohnen als bisher angenommen:

In den untersuchten Szenarien wird die Klimaneutralität bereits zehn Jahre früher erreicht. Der dafür notwendige beschleunigte Ausbau von Wind- und Solarenergie würde nach den Berechnungen einen EU-weiten Nettovorteil von rund 100 bis 600 Milliarden € ermöglichen.

Diese Zahlen ergeben sich aus mehreren Faktoren:

  • geringeren Ausgaben für fossile Energieträger
  • vermiedenen Klimafolgekosten durch niedrigere CO₂-Emissionen
  • gesundheitlichen Vorteilen infolge einer besseren Luftqualität
  • sinkenden Kosten für zusätzliche Emissionsminderungsmaßnahmen

Nach Angaben der Forschenden übersteigen diese Einsparungen die notwendigen Investitionen in Kraftwerke, Netzinfrastruktur und Endverbrauchstechnologien.

Lesen Sie auch: Klimaschutz auf der Kippe: Expertenrat zerlegt Regierungsprognosen

Ein Beitrag von:

  • Tim Stockhausen

    Tim Stockhausen ist Volontär beim VDI Verlag. 2024 schloss er sein Studium der visuellen Technikkommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ab. Seine journalistischen Interessen gelten insbesondere Künstlicher Intelligenz, Mobilität, Raumfahrt und digitalen Welten.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.