Das Ende der Resonanzfalle? 17.02.2026, 10:06 Uhr

Wellenkraft neu gedacht: Gyroskop-Konverter erreicht physikalisches Limit

Wellenenergie effizienter nutzen? Gyroskop-System erreicht theoretisches Maximum von 50 % über breiten Frequenzbereich.

Meereswellen

Meereswellen tragen enorme Energiemengen in sich. Ein gyroskopischer Wellenenergiekonverter soll künftig bis zu 50 % dieser Energie breitbandig nutzbar machen – unabhängig von der exakten Wellenfrequenz.

Foto: Smarterpix / IraGirichBO

Meereswellen liefern enorme Energiemengen. Im Gegensatz zu Wind oder Sonne sind sie vergleichsweise gut vorhersagbar. Trotzdem stagniert die kommerzielle Nutzung. Klassische Wellenkraftwerke arbeiten meist nur in einem engen Frequenzbereich effizient. Sobald sich die See ändert, sinkt der Ertrag.

Ein Forschungsteam um Takahito Iida von der Universität Osaka hat nun ein Konzept analysiert, das dieses Problem adressiert: einen gyroskopischen Wellenenergiekonverter (GWEC). Die theoretische Untersuchung erschien im Journal of Fluid Mechanics. Das Ergebnis: Das System kann unter linearen Annahmen bei jeder Wellenfrequenz die maximale Energieabsorptionsgrenze von 50 % erreichen.

Was das 50-%-Limit bedeutet

Für schwimmende, symmetrische Körper mit nur einem Freiheitsgrad, etwa reine Nickbewegung, gilt eine bekannte Grenze: Sie können höchstens die Hälfte der einlaufenden Wellenenergie aufnehmen. Der Rest verteilt sich auf symmetrische und antisymmetrische Wellenanteile. Diese sogenannte „energy equally splitting law“ ist seit den 1970er-Jahren etabliert.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
JOST-Werke Deutschland GmbH-Firmenlogo
Manager Testing & Prototyping Global | Mechanical Systems (m/w/d) JOST-Werke Deutschland GmbH
Neu-Isenburg (bei Frankfurt a. M.) Zum Job 
kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH-Firmenlogo
Bautechniker (m/w/d) kbo-Donau-Altmühl-Kliniken gGmbH
Ingolstadt, Taufkirchen, Freising, Eichstätt Zum Job 
Landesanstalt für Altlastenfreistellung des Landes Sachsen-Anhalt-Firmenlogo
Projektmanager Altlastensanierung (m/w/d) Landesanstalt für Altlastenfreistellung des Landes Sachsen-Anhalt
Magdeburg Zum Job 
STEULER-KCH GmbH-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter Export - Surface Protection (m/w/d) STEULER-KCH GmbH
Siershahn Zum Job 
Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH-Firmenlogo
Bereichsleiter Qualitätsmanagement (m/w/d) Erwin Junker Maschinenfabrik GmbH
Nordrach Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
Business Development Manager - Western Europe (d/f/m) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
Projektingenieur Kraftwerk (d/m/w) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
Field Application Engineer Personal Hygiene EIMEA (d/f/m) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 
Henkel AG & Co. KGaA-Firmenlogo
SAP Business Technology Platform Engineer (d/f/m) Henkel AG & Co. KGaA
Düsseldorf Zum Job 
STEULER-KCH GmbH-Firmenlogo
Site Manager / Construction Manager International - Surface Protection (m/w/d) STEULER-KCH GmbH
Siershahn Zum Job 
Dekra Automobil GmbH-Firmenlogo
Sachkundiger Prüfmittelüberwachung / Kalibriertechniker (m/w/d) Dekra Automobil GmbH
Dortmund Zum Job 
Dekra Automobil GmbH-Firmenlogo
Prüfingenieur Fahrzeuge / Kfz Sachverständiger (m/w/d) Dekra Automobil GmbH
Dortmund Zum Job 
Dekra Automobil GmbH-Firmenlogo
(Ausbildung) Sachverständiger Anlagensicherheit AwSV (m/w/d) Dekra Automobil GmbH
Dortmund Zum Job 
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Ingenieurin / Ingenieur mit Bachelor - Beamten - Ausbildung (m/w/d) Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr
deutschlandweit Zum Job 
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Ingenieurin / Ingenieur mit Bachelor in Informatik / Elektrotechnik - Beamten - Ausbildung (m/w/d) Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr
deutschlandweit Zum Job 
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr-Firmenlogo
Offizierin / Offizier Anwärter/in als Oberfähnrich MINT (m/w/d) Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr
deutschlandweit Zum Job 
BJ Automotive GmbH-Firmenlogo
Senior Konstrukteur Automotive - Baugruppenentwicklung (m/w/d) - Hoher Reiseanteil nach China BJ Automotive GmbH
Kirchardt Zum Job 
Tadano Demag GmbH-Firmenlogo
Produktionstechniker (m/w/d) - Welding Technology Tadano Demag GmbH
Zweibrücken Zum Job 
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Verkehrsingenieur (w/m/d) als Teamleitung Verkehrssteuerung und Tunnelüberwachung Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg-Fischbach Zum Job 

Bei klassischen Punktabsorbern oder Pendelsystemen wird diese 50-%-Marke nur exakt im Resonanzpunkt erreicht. Außerhalb dieser Frequenz sinkt der Wirkungsgrad deutlich. Der Grund ist simpel: Es gibt nur einen zentralen Stellparameter – meist die Dämpfung des Generators. Der Gyroskop-Konverter fügt einen zweiten hinzu.

Wie das Gyroskop Energie aus Präzession gewinnt

Das Prinzip wirkt zunächst mechanisch simpel. Ein Schwungrad rotiert in einem kardanisch gelagerten Rahmen im Inneren eines schwimmenden Körpers. Versetzen Wellen den Körper in Nickbewegung, entsteht durch die Kopplung von Drehimpuls und externer Bewegung eine gyroskopische Präzession.

Diese Präzessionsbewegung treibt den Generator an. „Wellenenergieanlagen haben oft Schwierigkeiten, weil sich die Meeresbedingungen ständig ändern“, sagt Takahito Iida. „Ein gyroskopisches System kann jedoch so gesteuert werden, dass es auch bei schwankenden Wellenfrequenzen eine hohe Energieabsorption aufrechterhält.“

Der entscheidende Punkt liegt in der zusätzlichen Steuergröße: der Rotationsgeschwindigkeit des Schwungrads. Sie erlaubt es, das System aktiv an die jeweilige Wellenfrequenz anzupassen.

Schematische Darstellungen eines gyroskopischen Wellenenergiekonverters
Schematische Darstellungen eines gyroskopischen Wellenenergiekonverters

Theoretischer Durchbruch: 50 % bei jeder Frequenz

Die Studie formuliert das gekoppelte Problem aus Welle, schwimmendem Körper und Gyroskop vollständig analytisch unter linearer Wellentheorie. Dabei werden hydrodynamische Größen wie Zusatzmasse, Strahlungsdämpfung und Anregungskraft systematisch berücksichtigt.

Das Resultat ist bemerkenswert: Durch geeignete Wahl von

  • Generator-Dämpfung
  • Federsteifigkeit
  • Schwungrad-Drehzahl

kann die Energieabsorption bei jeder Wellenfrequenz auf η = 0,5 eingestellt werden

Das unterscheidet den GWEC fundamental von klassischen 1-DoF-Systemen. Dort lässt sich nur entweder der reale oder der imaginäre Anteil der optimalen Bedingung einstellen. Hier können beide gleichzeitig kontrolliert werden.

Simulationen bestätigen die Theorie

Die Forschenden überprüften das Modell numerisch – sowohl im Frequenz- als auch im Zeitbereich. Für kleine Wellenamplituden bestätigten die Simulationen die analytische Vorhersage über einen breiten Frequenzbereich.

Allerdings zeigt sich auch eine Einschränkung: Bei größeren Wellen oder sehr langen Wellen (kleine Wellenzahlen) wird das linearisierte Gyroskopmodell ungenau. Nichtlineare Effekte begrenzen dann die reale Präzessionsbewegung. Die Effizienz sinkt unter 50 %, insbesondere fernab der Resonanz.

Vorteile gegenüber klassischen Wellenkraftwerken

Das Konzept bietet mehrere konstruktive Vorteile:

  • Der Generator sitzt geschützt im Inneren des Körpers.
  • Keine exponierten beweglichen Teile unter Wasser.
  • Potenziell höhere Sicherheit und geringerer Wartungsaufwand.

Frühere Projekte wie ISWEC in Italien oder OCEANTEC in Spanien haben ähnliche Ansätze bereits im Feld getestet. Die neue Studie liefert nun die theoretische Fundierung, die bislang fehlte.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.