10.05.2016, 11:35 Uhr | 0 |

Großtransport von Chemikalien Der größte Feuerwehr-Jumbo der Welt kann 74 t Wasser versprühen

Dieser Jumbo hätte helfen können, die verheerenden Waldbrände in Kanada zu löschen. In Colorado Springs wartet das größte Löschflugzeug der Welt auf seine Zulassung. Der Jumbo kann 74 t Wasser aufnehmen. Er kann aber auch Ölkatastrophen auf dem Meer bekämpfen oder Chemikalien transportieren. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.

Zum Löschflugzeug umgebaute Boeing 747
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Die zum Löschflugzeug umgebaute Boeing 747 kann 74 t Wasser laden. Einsatzbar ist der Jumbo nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa.

Foto: Globale Supertanker Services

Noch fliegt der „Supertanker“ letzte Tests in Colorado Springs, doch im Mai soll das größte Feuerlöschflugzeug der Welt, das bis zu 74.200 Liter Wasser oder Löschflüssigkeit aufnehmen kann, seine Zulassung bekommen. Und dann soll das Flugzeug weltweit bei der Bekämpfung von Waldbränden helfen und so schnell wie möglich auch in Kanada eingesetzt werden.

Mit einer Geschwindigkeit von 960 km/h und einer Reichweite von 7400 km kann der Feuerwehr-Jumbo auch ohne Probleme bei Bränden in Europa, in Südamerika, in Afrika und Asien helfen.

Jumbo wurde für 40 Millionen $ umgebaut

Der Supertanker ist nicht der erste Jumbo, der für den Einsatz großer Brände eingesetzt werden soll. Ein erster Jumbo – eine Boeing 747-100 Baujahr 1971 ­– wurde von der inzwischen pleite gegangenen amerikanischen Fluggesellschaft Evergreen International Aviation zum Feuerlöschen umgebaut und 2009 erstmals bei einem Waldbrand in Spanien und im gleichen Jahr in den USA eingesetzt. 2013 meldete das Unternehmen jedoch Insolvenz an.

Die nun fertig umgebaute, größere Boeing 747-400 der Gesellschaft Global Supertanker LLC hat ein Fassungsvermögen von 74.200 Litern Wasser oder spezieller Löschflüssigkeiten. Kein Jumbo zuvor konnte so viel Flüssigkeit laden.

Das in Colorado Springs beheimatete Flugzeug mit dem Kennzeichen N744ST musste auf Verlangen der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA stark umgebaut werden. Die FAA sorgte sich darum, dass manche Löschflüssigkeiten schwerer als eine Wasserladung gleicher Literzahl sind und damit die Stabilität des Flugzeugs gefährden könnten. Zugleich befürchteten die Ingenieure, dass ein sehr schnelles Ablassen der Flüssigkeiten durch die damit verbundene, schlagartige Gewichtsverlagerung im Flugzeug die Stabilität gefährden und damit die technische Lebenserwartung der Materialien und Maschine stark verkürzen könnten.

28 Auflagen der FAA mussten beim Umbau berücksichtigt werden. Alles in allem hat die Umrüstung der 747-400 zum Löschflugzeug mehr als 40 Millionen $ gekostet. Die mit vier CF6-80-B1F-Triebwerken von General Electric ausgestattete Boeing benötigt für Start und Landung eine Startbahn von 2400 m Länge.

Jumbo kann Wasserschneisen legen und es regnen lassen

Gleich ob Wasser oder Löschflüssigkeit: Die acht Tanks des Flugzeugs können mit zwei verschiedenen Verfahren entleert werden. Unter starkem Druck können große Mengen ausgestoßen werden. Genauso ist es aber möglich, die Flüssigkeit als stärkeren Regen niedergehen zu lassen, wobei sie am Boden tropfenweise ankommt. Die unterschiedlichen Beregnungsverfahren werden je nach Art des Brandes eingesetzt. Zudem kann das Flugzeuge Schneisen legen, um Brände zu lokalisieren oder eine Weiterverbreitung zu erschweren.

Der Jumbo kann beim Abregnen in Höhen von nur 120 bis 240 m über dem Brand mit einer Geschwindigkeit von etwa 260 km/h fliegen. Bei jedem Überflug kann ein Streifen von bis zu 5 Kilometern Länge mit Wasser oder Löschflüssigkeit bewässert werden.

Eingesetzt wurde der Jumbo bereits testweise beim Brand am Mount Carmel 2010 in Israel. 2011 folgte der Einsatz bei einem Feuer in Arizona.

Supertanker rechnet mit Einsätzen in Amerika, Europa und Australien

Zu den großen Auftraggebern für Einsätze von Löschflugzeugen zählt die amerikanische Forstverwaltung, der US Forest Service. Global Supertanker Services rechnet allerdings unter anderem auch mit Löschaufträgen aus der Europäischen Union, Israel und Australien. In Zeiten ohne Brände kann der Jumbo auch zur Bekämpfung von Ölkatastrophen im Meer oder in Seen sowie zur Beförderung von Spezialflüssigkeiten für die Chemische Industrie eingesetzt werden. 

Der Jumbo von Boeing taugt aber neben seiner eigentlichen Funktion als Passagier- und Frachtflugzeug und der besonderen Aufgabe als Löschflugzeug auch als Start- und Landeplatz. Das Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic will künftig Satelliten von Jumbos aus in ihre Umlaufbahnen starten lassen.

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Von Peter Odrich
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