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15.07.2015, 13:51 Uhr | 0 |

Ersatz für Asphalt Rotterdam will erste Straße aus Recycling-Kunststoff bauen

In Rotterdam soll die erste Straße aus Plastikmodulen gebaut werden. Das Bauen mit recyceltem Kunststoff spart nicht nur Zeit und reduziert den Baustellenverkehr. Es ersetzt auch den Aspahlt. Die Module bieten zudem Platz für alle Arten von Leitungen. 

Straßenentwurf aus recycelten Kunststoffabfällen
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Aus recycelten Kunststoffabfällen will der holländische Baukkonzern VolkerWessels Straßen bauen. Rotterdam will nun ein Testgebiet zur Verfügung stellen.

Foto: VolkerWessels

Rotterdam, der größte Hafen Europas, soll eine Straße aus recyceltem Kunststoff bekommen. Das jedenfalls plant der international tätige niederländische Baukonzern VolkerWessels aus Amersfoort in der Provinz Utrecht. Die kastenförmigen hohlen Elemente werden zentral gefertigt und per Lkw zur Baustelle gefahren. Die Größe der Module ist noch offen, richtet sich aber nach den maximal zulässigen Maßen für Straßentransporte.

Straße aus Kunststoff: „Ich war eine Limoflasche“

„Ich war eine Limoflasche“ könnte der Slogan der neuen Straße sein. Sie wird derzeit vorbereitet. VolkerWessels will nun Prototypen der Elemente fertigen und zu einer Teststraße zusammenfügen. Rotterdam stellt dazu sein Straßenlabor zur Verfügung. Offen ist noch, wie die Oberfläche der Elemente strukturiert werden muss, damit sie auch bei Regen und Schnee genügend Haftung ermöglicht.

Erprobt werden muss auch das Verhalten der Fahrbahn im Fall eines brennenden Autos. Außerdem könnte der Abrieb der Straße durch den Verkehr die gefährlich ansteigende Menge an Mikroplastik vergrößern. Die winzigen Partikel gelangen, so befürchten Wissenschaftler, ins Gewebe von Lebewesen in Meeren und anderen Gewässern und letztlich in den menschlichen Körper. All das will mit der neuen Teststraße erprobt werden. „Rotterdam ist eine Stadt, die offen ist für Experimente und innovative Anwendungen in der Praxis“, lobt Jaap Peters, Leiter der Ingenieursabteilung der Stadt.

Sandschicht reicht als Untergrund

Rolf Mars, Direktor der VolkerWessel-Straßenbauabteilung, schwärmt von dem neuen Baustoff: „Kunststoff hat in allen Belangen Vorteile gegenüber herkömmlichem Material, vor allem bei Bau und Unterhalt.“ Tatsächlich spricht eine Menge für eine Kunststoffstraße. Die Elemente brauchen lediglich Sand als Untergrund, weil sie in sich biegesteif sind. Aus dem gleichen Grund benötigen sie nur wenig tragfähige Untergründe, wie sie vor allem in den Niederlanden zu finden sind. Wenigstens die Hälfte des Landes habe dieses Problem, das das Bauen von Gebäuden und Anlegen von Straßen erschwert, verlautet aus dem Unternehmen.

Da die Elemente hohl sind, bieten sie Platz für elektrische Kabel, Frischwasser- und Gasleitungen, Datenkabel etwa für TV-Signale und superschnelles Internet sowie Raum selbst für Druckleitungen für Abwasser. Besonders frostgefährdete Strecken könnten problemlos mit einer Heizung ausgestattet werden.

Kunststoff-Oberfläche bis 80 °C stabil

Verglichen mit Asphaltstraßen sind die aus Kunststoff gefertigten Straßenflächen temperaturbeständiger, von minus 40 bis plus 80 °C. Die gefürchteten Blowups auf Asphaltoberflächen – plötzliche Hügelbildungen an extrem heißen Sommertagen, die schon mal zur Sperrung von ganzen Autobahnabschnitten führen – sind bei Kunststoff unmöglich.

VolkerWessel-Direktor Mars zählt noch weitere Vorteile auf. Weil der Untergrund nur aus Sand besteht und nicht aus unterschiedlichen mineralischen Lagen zur Stabilisierung und wenigstens zwei Asphaltschichten, ist weniger Material erforderlich. Die Zahl der Lkw-Fahrten würde reduziert.

Straßen und Wege ließen sich innerhalb von Wochen statt der heute üblichen Monate fertigstellen. Und selbst das Klima hätte was davon. Zum einen würden Kohlendioxidemissionen vermieden, weil der Kunststoff nicht verbrannt, sondern recycelt wird, zum anderen ließe sich durch den Verzicht auf Asphalt der Ausstoß an Kohlendioxid um weltweit 1,6 Mio. t reduzieren, glaubt Mars. Was bei deutlich mehr als 30 Mrd. t pro Jahr allerdings kaum ins Gewicht fällt.

Mit ganz anderen Oberflächen experimentiert die Gemeinde Zaanstad, etwa 25 Kilometer nördlich von Amsterdam. Sie hat einen Radweg gebaut, dessen Oberfläche aus Solarmodulen besteht. Die Stromausbaute ist erstaunlich, wie die Bilanz nach dem ersten halben Jahr zeigt.

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Von Detlef Stoller
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