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14.04.2014, 13:38 Uhr | 0 |

Trotz Computerpanne Versorgungsfrachter Dragon startet heute zur ISS

Der unbemannte Versorgungsfrachter Dragon startet heute Abend in Cape Canaveral zur Internationale Raumstation ISS. Dort steht die Besatzung vor einer schweißtreibenden Herausforderung. Sie muss die Kapsel per Hand mit einem Roboterarm einfangen – trotz Computerpanne. 

Mit einem Roboterarm fängt die ISS-Besatzung die Versorgungskapsel ein
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Dieses Manöver sorgt immer wieder für Aufregung. Die ISS-Besatzung muss die Versorgungskapsel mit einem Roboterarm einfangen. Greift sie daneben, ist die wertvolle Fracht verloren. 

Foto: Nasa

Eigentlich sah es so aus, als würde der unbemannte Versorgungsfrachter Dragon heute nicht zur Internationalen Raumstation ISS starten. Grund ist eine Computerpanne auf der ISS, die das Einfangen des Frachters erschweren könnte. Doch jetzt sei die Entscheidung gefallen, die Kapsel wie geplant starten zu lassen, teilte gestern der Vizepräsident des Dragon-Herstellers SpaceX, Hans Koenigsmann, mit. Die Falcon-9-Rakete wird also um 22:58 Uhr MESZ in Cape Canaveral starten.

Die Computer kontrollieren einige Funktionen, die für das Andocken der Dragon an die ISS wichtig sind. Das Andocken der unbemannten Frachtkapsel ist ein etwas ungewöhnlicher Vorgang. Denn wo bei bemannten Raumkapseln der Raumfahrer in der Kapsel aktiv das Steuer führt, um eine sanfte Verbindung von Kapsel zur ISS herzustellen, müssen die ISS-Bewohner die unbemannte Frachtkapsel sozusagen von Hand einfangen. Dafür benutzen sie einen großen Roboterarm. Mit diesem ergreifen sie die Kapsel und befestigen sie an der Raumstation.

Dieses Manöver ist äußerst anspruchsvoll. Zwei der Besatzungsmitglieder der ISS haben bereits in einigen Trainingseinheiten den Umgang mit dem Roboterarm geübt, mit dem sie Dragon zuerst einfangen und dann andocken müssen. Auf der Raumstation MIR hat sich allerdings gezeigt, dass diese Fähigkeiten selbst bei bestens ausgebildeten Raumfahrern immer und immer wieder aufgefrischt werden müssen. Denn beim tatsächlichen Einsatz, beim Ernstfall im All, müssen alle Handgriffe perfekt sitzen, sonst ist der Versorgungsnachschub möglicherweise verloren.

Reparatur des Reserverechners würde Außeneinsatz nötig machen 

Es liegt nahe, dass für ein solches kompliziertes Manöver, bei dem es um Sekunden geht, alle Computersysteme voll einsatzbereit sein müssen. Besonders problematisch: Der Reserverechner, der jetzt nicht auf die Befehle von Cape Canaveral reagiert, befindet sich außerhalb der ISS.

Die Einsatzleitung der NASA wägt nun ab, ob der Computer repariert werden kann oder ob er ersetzt werden muss. Ein Austausch würde allerdings einen Außeneinsatz der ISS-Raumfahrer nötig machen. Bei der NASA betont man aber, dass sich die sechsköpfige Besatzung durch diese erneute Verzögerung nicht in Gefahr befinde.

Dabei ist die Mission der Frachtkapsel Dragon schon einen Monat verspätet. Zweimal schon musste der Start kurzfristig verschoben werden. Zuletzt war ein elektrischer Kurzschluss der Bodenausrüstung der Grund für die Verschiebung. 

Dragon befördert Ersatzteile für humanoiden Roboter

Die Dragon hat schweres Gepäck dabei: Sie soll Ersatzteile für einen humanoiden Roboter, eine Wachstumsleuchte für Gemüse und 2270 Kilogramm schweren Nachschub für die Raumfahrer sowie Material für Experimente auf die ISS transportieren.

Zudem hat die Kapsel einen nagelneuen Raumanzug an Bord und wird deshalb von den sechs ISS-Bewohnern sehnsüchtig erwartet, wie NASA-Manager Mike Suffredini bei einer Pressekonferenz sagte.

Am vergangenen Mittwoch lief die Versorgung der ISS besser. Da startete ein russischer Raumfrachter des Typs Progress-M-23M von Baikonur. Um 17:25 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit zündeten die Triebwerke einer Sojus-Rakete und brachten den Raumfrachter Progress auf den Weg zur Raumstation ISS. 

Nach weniger als sechs Stunden koppelte Progess automatisch an das Modul Pirs an. Progress hatte zweieinhalb Tonnen Nachschub für die Versorgung der Raumstation an Bord. Nachdem die Raumfahrer die Kapsel entladen hatten, beluden sie den Frachter mit Abfall. Gut gefüllt verglühte er dann in der Atmosphäre bei seinem Rücksturz Richtung Erde.

Kapsel kann drei Tonnen Fracht transportieren 

Der jetzt angesetzte Versorgungsflug der Dragon-Kapsel wäre der dritte Flug des kommerziellen Betreibers SpaceX. Gegenüber den vorherigen Missionen haben die SpaceX-Ingenieure am Frachter einige Veränderungen vorgenommen. Im Inneren der Kapsel wurde die Kapazität für die Versorgung von Geräten mit Strom fast vervierfacht. Damit ist es jetzt möglich, erheblich mehr Fracht zur ISS zu transportieren, die während der Flugphase auf eine ununterbrochene Kühlung angewiesen ist.

In dem unter Druck stehenden Bereich der Frachtkapsel stehen zehn Kubikmeter Raum für drei Tonnen Fracht zur Verfügung. Das erste Mal hob eine dieser unbemannten Frachter übrigens am 8. Dezember 2010 ab. 

Zur Besatzung der ISS zählen derzeit die amerikanischen Astronauten Richard Mastracchio und Steven Swanson, der japanische Taikonaut Koichi Wakata und die russischen Kosmonauten Michail Tjurin, Alexander Skworzow und Oleg Artjemjew. 

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Von Detlef Stoller
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