28.03.2014, 12:49 Uhr | 0 |

DLR für Plattformstrategie Deutschland und Frankreich im Streit um Ariane 6 und Columbus-Labor

Frankreich und Deutschland sind über die Zukunft der europäischen Raumfahrt so zerstritten, dass DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner das Ariane-Programm und das europäische Forschungslabor Columbus in Gefahr sieht. 

Start der europäischen Trägerrakete Ariane
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Start der europäischen Trägerrakete Ariane am 22. März 2014 vom Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana: Deutschland und Frankreich streiten über die Zukunft des Ariane-Programms. DLR-Chef Wörner plädiert für eine Plattformstrategie und rückt von der Entwicklung einer Ariane 6 ab.

Foto: ESA

Im Gespräch mit den VDI nachrichten zieht Wörner die Absprache mit Frankreich in Zweifel, als Nachfolger der Trägerrakete Ariane 5 die völlig neue Ariane 6 zu entwickeln. „Wir wissen nicht, welche Satelliten in zehn Jahren nachgefragt werden. Deshalb brauchen wir flexible Trägerraketen, die wir an die zukünftige Nachfrage anpassen können.“

DLR-Chef Wörner fordert Plattformstrategie für Ariane-Trägerrakete

Statt der neuen Ariane 6, mit deren Entwicklung Frankreich schon begonnen hat, sei eine Plattformstrategie wie in der Autoindustrie sinnvoller. „Das könnte die Entwicklung der neuen Rakete deutlich billiger werden lassen“, sagte Wörner den VDI nachrichten. Es genüge, die Ariane 5 zur Zwischenversion 5 ME weiter zu entwickeln. Nach aktuellen Kalkulationen liegen die Entwicklungskosten für die geplante Ariane 6 bei 4,5 Milliarden Euro. Ein modulares System könnte laut Wörner rund 30 % weniger kosten.

Offenbar hat Wörner erhebliche Zweifel, dass bei der Entwicklung der Ariane 6 der Kostenrahmen eingehalten wird. Er kündigt an, dass Deutschland keine zusätzlichen Mittel bereitstellen wird. Wörner: „Sollte die Ariane 6 die wirtschaftlichen Ziele verfehlen, ist Deutschland nicht bereit, die Mehrkosten zu tragen.“ Hier spreche er ausdrücklich auch für die Position der Bundesregierung. „Ich würde nicht für Deutschland sprechen, wenn ich mir der politischen Unterstützung nicht sicher wäre.“

"Wir müssen uns einigen, sonst fliegt Pesquet nicht zur ISS"

Der Streit hat offenbar dazu geführt, dass die Kommunikation zwischen beiden Partnern auf Eis liegt, was nun auch Folgen für das europäische ISS-Forschungslabor Columbus haben könnte. Wegen mangelnden Interesses Frankreichs und Italiens an dem Labor, sieht Wörner die Gefahr, dass beide Länder ihre Zuschüsse kürzen. Eine Aufgabe des Labors wäre dann kaum zu verhindern, so Wörner. „Das ist ein realistisches politisches Risiko“, sagte der DLR-Chef. Damit wäre dann aber auch die für 2016 geplante Mission des französischen Astronauten Thomas Pesquet in Gefahr. Deshalb fordert Wörner neue Gespräche zwischen die großen Raumfahrtnationen „Wir müssen uns einigen, um die Zukunft der ISS zu sichern. Sonst wird Pesquet nicht fliegen.“

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Von Wolfgang Mock & Iestyn Hartbrich | Präsentiert von VDI Logo
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