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VDI Future Summit für Ingenieurinnen: Wie Frauen in MINT-Karrieren vorankommen

10. September 2026

Lachende Frauenrunde
Sich austauschen und miteinander netzwerken können Ingenieurinnen bald in Essen. Foto: PantherMedia / arkusha
Mehr Frauen für Technik zu gewinnen, reicht nicht. Sie müssen auch bleiben und aufsteigen können. Der VDI-WoMentorING Future Summit verbindet Karrierepraxis, Netzwerke und Zukunftstechnologien.
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Über den geringen Frauenanteil in Ingenieurberufen ist oft informiert worden. Auch die Hürden sind vielfach beschrieben: Geschlechterstereotype, Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, fehlende Vorbilder und ein erschwerter Zugang zu Führungspositionen. Beim VDI-WoMentorING Future Summit am 9. und 10. Oktober 2026 in Essen soll es deshalb vor allem um den nächsten Schritt gehen: Was lässt sich daraus konkret für Unternehmen und für die Karriere einzelner Ingenieurinnen ableiten?

Inhaltsverzeichnis

Der Summit ist das zweite Präsenztreffen des VDI-WoMentorING-Programms 2026 und wird gemeinsam mit der VDI-Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ veranstaltet. Das Programm verbindet drei Ebenen: die strukturellen Bedingungen für Frauen in technischen Berufen, persönliche Karrierewege und aktuelle technologische Arbeitsfelder.

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Mehr als 500 Frauen haben an dem VDI-WoMentorING-Programm teilgenommen

Das VDI-WoMentorING richtet sich vor allem an junge Ingenieurinnen in den ersten sechs Jahren ihres Berufslebens. Mehr als 500 Frauen haben nach Angaben des VDI bereits an dem Programm teilgenommen. Zurzeit läuft die nächste Bewerbungsrunde.

Sein Kern ist ein One-to-One-Mentoring. Nach einem Matchingverfahren werden Tandems aus einer Nachwuchsingenieurin und einer berufserfahrenen Mentorin gebildet. Über ein Jahr hinweg treffen sich beide regelmäßig und arbeiten an den beruflichen Fragen und Zielen der Mentee. Das kann die Planung der weiteren Laufbahn ebenso betreffen wie eine berufliche Neuorientierung, den Umgang mit Problemen am Arbeitsplatz oder den nächsten Karriereschritt.

Die Mentorinnen geben nicht nur Erfahrungswissen weiter. Der VDI betont, dass auch sie vom Blickwinkel der jüngeren Ingenieurinnen profitieren und ihren eigenen Berufsweg reflektieren können. Ergänzt wird die Arbeit der Tandems durch Peer Groups, Onlineworkshops und Präsenzveranstaltungen. Nach Abschluss des Mentoringjahres bleiben die Teilnehmerinnen Teil eines Alumni-Netzwerks.

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Der Future Summit bildet damit einen Baustein eines längerfristigen Programms. Zugleich bietet er Interessierten die Möglichkeit, das VDI-WoMentorING und seine Community kennenzulernen.

Vom Studienergebnis zur Umsetzung

Den inhaltlichen Ausgangspunkt bilden zwei Untersuchungen, über die ingenieur.de bereits ausführlich berichtet hat. Das Gutachten „Ingenieurinnen in Deutschland“, das das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag des VDI erstellt hat, dokumentiert zwar einen wachsenden Frauenanteil in Ingenieur- und Informatikberufen. Besonders in klassischen Industriebranchen und in Führungspositionen bleiben Frauen jedoch deutlich unterrepräsentiert.

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Eine ergänzende Befragung von 1.274 Frauen aus dem VDI-Netzwerk rückte die berufliche Praxis in den Mittelpunkt. Als zentrale Probleme nannten die Teilnehmerinnen unter anderem fehlende Frauen in Führungspositionen, Geschlechterstereotype, erschwerte Karrierewege und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

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Diese Befunde sollen auf dem Summit nicht nur erneut präsentiert werden. In einer Paneldiskussion werden sie mit persönlichen Erfahrungen und der Unternehmenspraxis verbunden. Mit dabei sind Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft, HR-Expertin Fine Bussing von Saint-Gobain, Raumfahrtingenieurin Annemarie Lohse sowie Burghilde Wieneke-Toutaoui, Co-Vorsitzende des VDI-Netzwerks Frauen im Ingenieurberuf.

Damit treffen unterschiedliche Perspektiven aufeinander: wissenschaftliche Befunde, Personalpolitik, die Berufserfahrung einer Ingenieurin und die Arbeit eines Frauennetzwerks. Diskutiert werden sollen unter anderem zeitgemäße Karriere- und Arbeitsmodelle sowie Rahmenbedingungen, die unterschiedlichen Lebensphasen gerecht werden.

Annemarie Lohse: Ingenieurin für die Rückkehr zum Mond

Die Eröffnungskeynote hält Annemarie Lohse von Airbus Defence and Space. Als Major Spacecraft Delivery Lead verantwortet sie zentrale Subsysteme des European Service Module für das NASA-Raumschiff Orion. Dazu gehören sicherheitskritische Systeme, die bei bemannten Missionen unter anderem Wasser, Sauerstoff und die richtige Temperatur gewährleisten.

Neben ihrer technischen Verantwortung setzt Lohse auf eine Führungskultur, in der Mitarbeitende Ideen einbringen, bestehende Abläufe hinterfragen und auch unbequeme Fragen stellen können. Dabei versteht sie sich als Bindeglied zwischen den operativen Teams und dem Management. 2026 wurde sie für ihre Arbeit, ihre Führungsstärke und ihr Engagement für mehr Vielfalt in technischen Berufen mit dem Engineer Woman Award ausgezeichnet.

Beim Future Summit berichtet Lohse über ihren persönlichen und beruflichen Weg in der Raumfahrt. Anschließend diskutiert sie mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Personalpraxis und dem VDI-Netzwerk darüber, wie zeitgemäße Karriereperspektiven und Arbeitsmodelle für Frauen in MINT-Berufen aussehen können.

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Wasserstoffversorgung als Aufgabe für Ingenieurinnen

Das Programm beschränkt sich nicht auf Fragen der Gleichstellung. Zwei Impulsvorträge richten den Blick auf konkrete technische Berufsfelder.

Hanna Buch von Open Grid Europe widmet sich der Frage, wie Wasserstoff künftig zu den Kunden gelangen soll. Im Mittelpunkt stehen Transportwege, Netzinfrastruktur und die praktischen Schritte auf dem Weg zu einer funktionierenden Wasserstoffversorgung in Deutschland.

Für Ingenieurinnen eröffnet das Thema ein breites Tätigkeitsfeld: von Planung und Bau über Werkstoff- und Sicherheitsfragen bis zur Umstellung vorhandener Gasnetze. Der Vortrag verbindet die persönliche Karriereperspektive damit mit einer der zentralen Infrastrukturaufgaben der Energiewende.

Karrierewege im Defence-Umfeld

Ein weiteres technisches Berufsfeld beleuchtet eine Referentin von Rheinmetall, die als Abteilungsleiterin im technischen Projektmanagement arbeitet und an der Schnittstelle zwischen Technik, Projektsteuerung und Führung steht.

In ihrem Impulsvortrag „Karriere als Ingenieurin im Defence-Umfeld: Zwischen Technik, Großprojekten und persönlicher Entwicklung“ berichtet sie über ihren beruflichen Weg bei Rheinmetall und ihre Erfahrungen als Abteilungsleiterin.

Mit Wasserstoffinfrastruktur und Defence greift der Summit also zwei Felder auf, in denen derzeit große technische, politische und gesellschaftliche Veränderungen stattfinden. Das Programm verbindet die allgemeine Forderung nach mehr Ingenieurinnen damit mit der konkreten Frage, in welchen Branchen und Funktionen sich Karrierechancen ergeben.

Wie Frauen in „Männerräumen“ Wirkung erzielen

Ein Schwerpunkt des Summit liegt auf den informellen Mechanismen des Berufslebens. Erika Magyarosi leitet den Workshop „Wirken statt Durchsetzen – wie Frauen in Männerräumen gehört werden, ohne den Alpha-Tanz mitzutanzen“.

Dahinter steht die Erfahrung, dass fachliche Kompetenz allein nicht automatisch zu Einfluss führt. Wer in Meetings Gehör findet, Projekte prägt oder für eine Führungsaufgabe wahrgenommen wird, hängt häufig auch von Auftreten, Kommunikationsmustern und den Machtverhältnissen innerhalb einer Organisation ab.

Der Workshop soll keine Übungen nach dem Muster „lauter auftreten“ oder „größer machen“ vermitteln. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Präsenz, Klarheit und die Frage, wie Ingenieurinnen ihre Position wirksam vertreten können, ohne etablierte Verhaltensweisen lediglich zu imitieren. Die vermittelten Werkzeuge sollen direkt im beruflichen Alltag einsetzbar sein.

Mikropolitik entscheidet über Projekte und Karrieren

Noch ausdrücklicher beschäftigt sich ein weiterer Workshop mit Macht und Einfluss. Simon Springmann zeigt, wie Mikropolitik in Unternehmen funktioniert. Dabei geht es um informelle Netzwerke, Interessen und Abhängigkeiten, die in keinem Organigramm auftauchen, Entscheidungen aber erheblich beeinflussen können.

Für technische Fachkräfte ist dieses Wissen nicht nur mit Blick auf die eigene Karriere relevant. Innovationen scheitern in Unternehmen nicht ausschließlich an technischen Problemen oder ungeeigneten Prozessen. Widerstände zwischen Abteilungen, konkurrierende Interessen und unklare Machtverhältnisse können darüber entscheiden, ob ein Projekt Unterstützung erhält oder blockiert wird.

Der Workshop soll laut VDI den Blick für solche Mechanismen schärfen. Anschließend können die Teilnehmerinnen reflektieren, wo ihnen Mikropolitik im eigenen Arbeitsumfeld begegnet und wie sie damit umgehen.

Konflikte frühzeitig erkennen

Ein weiteres Angebot widmet sich dem Konfliktmanagement. Unter der Leitung von Iris Kadenbach beschäftigen sich die Teilnehmerinnen damit, wie Konflikte entstehen, welche Eskalationsstufen sie durchlaufen und wie sie rechtzeitig erkannt werden können.

Neben Deeskalationsstrategien und einem Leitfaden für Kritik- und Konfliktgespräche stehen aktives Zuhören, Fragetechniken und Perspektivwechsel auf dem Programm. In Gesprächssimulationen und Rollenspielen sollen die Techniken praktisch erprobt werden. Hinzu kommt die Reflexion des eigenen Konfliktverhaltens.

Für technische Fach- und Führungskräfte sind solche Kompetenzen besonders relevant. Sie arbeiten häufig an den Schnittstellen zwischen Entwicklung, Produktion, Vertrieb, Kunden und Management. Unterschiedliche Interessen, Zeitdruck und Zielkonflikte gehören dort zum beruflichen Alltag.

Mentoring schafft Kontakte und Orientierung

Welche Rolle der Austausch mit berufserfahrenen Ingenieurinnen gerade beim Berufseinstieg spielen kann, beschreibt Franziska Nolte, M.Sc., heute Vorstandsmitglied im VDI-Netzwerk Frauen im Ingenieurberuf:

„Vor fünf Jahren bin ich während meines Studiums Mitglied im VDI geworden. Zunächst nutzte ich vor allem Vorträge und Netzwerkveranstaltungen, um Downs Kontakte zu knüpfen und Einblicke in verschiedene suburbs sorteutaneennials BEL HallucinationsTätigkeitsfelder des Ingenieurberufs zu erhalten. Besonders bereichernd waren für mich die Begegnungen mit engagierten Ingenieurinnen und Ingenieuren aus unterschiedlichen Fachrichtungen sowie der fachliche und persönliche Austausch innerhalb des Netzwerks. Im Laufe der Zeit ergaben sich zahlreiche Möglichkeiten zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung – unter anderem durch Mentoring, Coaching und die Mitarbeit in verschiedenen Projekten. Ein besonderes Highlight war die Teilnahme am WoMentorING-Programm, das mich in der wichtigen Phase meines Berufseinstiegs begleitet hat. Darüber hinaus konnte ich mich in unterschiedlichen Formaten und Initiativen engagieren und so mein Netzwerk kontinuierlich erweitern. Heute bin ich im Bundesvorstand des Netzwerks ‚Frauen im Ingenieurberuf‘ aktiv.“

Ein Programm für Mentees und Mentorinnen

Für Mentees setzt das eigentliche VDI-WoMentorING-Programm ein bis sechs Jahre Berufserfahrung voraus. Als Berufseinstieg gilt die erste reguläre Beschäftigung nach dem Studium, wobei eine Promotion berücksichtigt wird. Hinzukommen sollen Engagement, Offenheit, Verbindlichkeit und die Bereitschaft, die eigene Entwicklung aktiv voranzutreiben.

Mentorinnen benötigen Führungserfahrung und müssen bereit sein, sich ein Jahr lang ehrenamtlich zu engagieren. Sie übernehmen dabei keine Ergebnisverantwortung für die beruflichen Entscheidungen der Mentee, sondern begleiten deren Entwicklung und geben Erfahrungen weiter.

Für Mentees ist eine VDI-Mitgliedschaft Voraussetzung. Zusätzlich fällt für das einjährige Programm mit mindestens sieben Veranstaltungen und Workshops eine Teilnahmegebühr von 450 € an. Für Mentorinnen ist die Mitgliedschaft nach Angaben des VDI wünschenswert, aber nicht verpflichtend. Die ehrenamtlich tätigen Mentorinnen zahlen keinen Teilnahmebeitrag.

Vom Befund zum beruflichen Alltag

Das Programm des Future Summit setzt dort an, wo die Veröffentlichung der Studienergebnisse aufgehört hat. Nach der Analyse der bestehenden Hürden geht es nun stärker um Karrierepraxis: Wie gelingt der Einstieg in neue technische Arbeitsfelder? Welche informellen Regeln wirken in Unternehmen? Wie können Ingenieurinnen Einfluss nehmen, Konflikte bearbeiten und Führungsverantwortung übernehmen?

Die Verbindung von Keynote, Paneldiskussion, technischen Impulsen und Workshops macht zugleich deutlich, dass die Verantwortung nicht allein bei den Ingenieurinnen liegt. Kommunikation und der Umgang mit Mikropolitik lassen sich trainieren. Ob Frauen tatsächlich aufsteigen können, hängt jedoch auch von den Karrierewegen, Auswahlverfahren und Arbeitsmodellen in den Unternehmen ab.

Der VDI-WoMentorING Future Summit beginnt am 9. Oktober 2026 mit einer Führung über das Unesco-Welterbe Zeche Zollverein und einem gemeinsamen Abendessen. Das Vorabendprogramm ist nach Angaben des VDI bereits ausgebucht. Das Hauptprogramm findet am 10. Oktober im Haus der Technik in Essen statt. Nach Keynote, Paneldiskussion, Impulsvorträgen und Workshops beginnt um 17 Uhr der Netzwerkabend.

Für die Teilnahme am Summit ist eine VDI-Mitgliedschaft erforderlich. Interessierte ohne Mitgliedschaft können nach Angaben des VDI mit dem Aktionscode „Summit“ eine dreimonatige kostenfreie Probemitgliedschaft nutzen.



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