
45,5 t Gewicht, 452 PS Leistung und ein Räumschild, das pro Durchgang mehr als 10 m³ Material vor sich herweicht: Komatsu hat seine neue Planierraupe D175AX-10 in einem Steinbruch nahe der spanischen Stadt Sevilla vorgeführt. Der japanische Baumaschinenhersteller verspricht bis zu 25 % mehr Produktivität bei gleichzeitig gesteigerter Kraftstoffeffizienz. Um diese Zielmarken im schweren Erdbau zu erreichen, wurden Motor, Getriebe, Lenksystem und Fahrwerk grundlegend überarbeitet.
Im Steinbruch- und Gewinnungsbetrieb entscheidet der Durchsatz pro Zeiteinheit. Je höher das Schildvolumen und je effizienter die Kraftübertragung auf den Untergrund, desto schneller lassen sich Abraumhalden abtragen oder Trassen profilieren. Komatsu löst mit der D175AX-10 das bisherige Modell D155AX-8 ab.
Nach der Erstpräsentation auf der Baumaschinenmesse Conexpo in Las Vegas im März 2026 läutete Komatsu Ende Oktober den europäischen Marktstart ein. Bei der Fahrdemonstration in Spanien konnten sich Fachjournalisten einen ersten Eindruck der Großraupe unter realen Einsatzbedingungen verschaffen.
452 PS treffen auf ein neues Vierganggetriebe
Herzbeschleuniger der D175AX-10 ist ein Dieselmotor mit 337 kW (rund 452 PS). Im Vergleich zum Vorgängermodell D155AX-8 (268 kW) entspricht dies einer Leistungssteigerung von rund 26 %.
Rein nominale PS-Zahlen sind im Erdbau jedoch nur die halbe Miete. Die entscheidende Kenngröße ist die nutzbare Zugkraft an der Kette, ohne dass die Bodenhaftung abreißt. Komatsu kombiniert das Aggregat daher mit einem neu entwickelten Viergang-Automatikgetriebe. Eine integrierte elektronische Steuerung stimmt Motormoment und Schaltpunkte dynamisch aufeinander ab.
Nach Herstellerangaben generiert die Maschine dadurch eine um 18 % höhere Zugkraft als die D155AX-8 – ein Faktor, der sich insbesondere bei schweren Planier- und Schubeinsätzen in konsolidiertem Gestein bemerkbar machen dürfte.
| Technische Kennwert | Komatsu D175AX-10 | Differenz / Veränderung zum Vorgänger |
| Betriebsgewicht | 45,5 t | Höheres Einsatzgewicht für mehr Traktion |
| Motorleistung | 337 kW / ca. 452 PS | +26 % gegenüber D155AX-8 (268 kW) |
| Schildkapazität | 10,6 m³ (Semi-U) | Erhöht von 9,4 m³ (Sigma-Schild) |
| Getriebe | 4-Gang-Automatik | Neuentwicklung mit elektronischer Abstimmung |
| Zugkraft | – | +18 % nach Herstellerangabe |
| Produktionsleistung | – | Bis zu +25 % (Herstellerangabe) |
| Kraftstoffeffizienz | – | Bis zu +15 % (Herstellerangabe) |
Hinweis: Die Prozentangaben zur Leistungseffizienz basieren auf internen Vergleichsmessungen des Herstellers im Vergleich zur D155AX-8.
Mehr als 10 m³ Ladevolumen vor dem Schild
Überarbeitet wurde auch die Arbeitsausrüstung an der Front. Komatsu setzt bei der D175AX-10 serienmäßig auf einen Semi-U-Schild mit einem Nennvolumen von 10,6 m³. Die tief nach vorne gezogenen Seitenwangen verhindern das seitliche Entweichen des Schüttguts während der Vorwärtsfahrt.
„Die Schildkapazität haben wir bei diesem Modell von 9,4 auf 10,6 m³ vergrößert“, erläuterte Gregory Peeters, Produktmanager für Großmaschinen bei Komatsu Europe, im Rahmen der Präsentation in Spanien gegenüber dem Fachmagazin B_I MEDIEN.
Der Bezugswert definiert sich über den bisherigen Sigma-Schild der D155AX-8. Bei geradlinigen Schubfahrten gibt Komatsu die Steigerung des Materialdurchsatzes mit bis zu 25 % an, bei Planierarbeiten im Kurvenlauf mit bis zu 19 %. Wie gewohnt gilt für die Baupraxis: Die nominellen 10,6 m³ stellen ein rechnerisches Nennvolumen dar. Der tatsächliche Füllgrad variiert je nach Korngröße, Feuchte und Abrasivität des Materials.
Neues Lenksystem für engere Radien
Trotz des gestiegenen Gesamtgewichts muss die Großraupe auch in engen Steinbruchsohlen beweglich bleiben. Komatsu verwendet hierfür ein überarbeitetes Lenksystem mit verschiedenen Betriebsmodi:
- Power-Turn: Beide Raupenketten werden kontinuierlich, aber mit unterschiedlichen Umfangsgeschwindigkeiten angetrieben, um geschmeidige Kurvenfahrten unter Volllast zu ermöglichen.
- Pivot-Turn: Eine Kette wird gezielt abgebremst oder fixiert, während die gegenüberliegende Kette weiterläuft, was deutlich engere Wendemanöver erlaubt.
- Gegenläufiger Kettenantrieb (Counter-Rotation): Die Ketten drehen in entgegengesetzte Richtungen, sodass sich die Raupe nahezu auf der Stelle drehen lässt.
Sensoren erfassen kontinuierlich Neigungswinkel und Maschinenbewegungen, um den Hydraulikdruck sowie die Getriebestufe automatisch nachzuregeln. Ergänzend dazu verlängert ein überarbeitetes Fahrwerk mit acht Laufrollen pro Seite die Kettenaufstandsfläche, was die Fahrstabilität im unebenen Gelände verbessert.

Assistenzsysteme und digitale Anbindung
Um die Bedienung zu vereinfachen und Ermüdungserscheinungen vorzubeugen, sind verschiedene Automatisierungsfunktionen integriert:
- Automatische Schildsteuerung: Passt den Schnittwinkel des Räumschilds an die jeweilige Arbeitsphase (Anschneiden, Transportieren, Glattziehen) an.
- Aufreißer-Steuerung: Unterstützt den Maschinisten beim Lockern hartnäckiger Felsformationen mit dem Heckaufreißer.
- Automatische Haltebremse: Sichert die Großraupe beim Einlegen spezifischer Getriebestufen gegen unbeabsichtigtes Wegrollen.
- Geschwindigkeitsvorwahl: Ermöglicht das Anlegen wiederkehrender Fahrprofile für typische Umlaufwege.
Die Fahrerkabine wurde mit einem luftgefederten, klimatisierten Sitz, vergrößerten Glasflächen und einem 10-Zoll-Display für das Rundum-Kamerasystem KomVision aufgewertet. Über das nachrüstbare System Smart Construction 3D Machine Guidance Flex lassen sich Geländemodelle direkt in die Steuerung einbinden. Ein vollautonomer Betrieb ist damit jedoch nicht verbunden – die Steuerung verbleibt beim Maschinisten.
Effizienzfragen in der Praxis
Die versprochene Effizienzsteigerung von bis zu 15 % bedarf einer genauen Betrachtung: Sie bezieht sich nicht auf einen gesunkenen Literverbrauch pro Betriebsstunde. Aufgrund des stärkere Motors kann der absolute Stundenverbrauch unter Volllast durchaus steigen. Ausschlaggebend für die Baukalkulation ist jedoch die spezifische Kennzahl – also der Kraftstoffverbrauch pro bewegtem Kubikmeter Fest- oder Schüttmaterial.
Unabhängige Messwerte Dritter unter standardisierten Testbedingungen stehen für die D175AX-10 derzeit noch aus; die Kennzahlen beruhen auf den Werksangaben von Komatsu.
Konstruktive Verstärkungen und Serviceintervalle
Hinsichtlich der Standzeit gibt der Hersteller eine konstruktive Überarbeitung des Hauptrahmens an, dessen strukturelle Lebensdauer um bis zu 50 % höher ausfallen soll als beim Vorgänger. Produktmanager Peeters stellte eine Auslegung auf bis zu 30.000 Betriebsstunden in den Raum (zuvor 20.000 h).
Auch bei den Wartungszyklen gibt es Anpassungen:
- Der Dieselpartikelfilter (DPF) ist auf ein Reinigungsintervall von bis zu 8000 Betriebsstunden ausgelegt.
- Zentrale Messpunkte für Ölproben und routinemäßige Servicepunkte wurden bodennah angeordnet.
- Der Kühlerlüfter lässt sich für Reinigungs- und Inspektionsarbeiten ausschwenken.
Ein Listenpreis für den europäischen Markt wurde bislang nicht genannt. Die Auslieferung in Japan startet im November 2026.
Während andere Hersteller im Erdbau vermehrt auf alternative Antriebskonzepte setzen – wie etwa Bauer mit seiner neuen vollelektrischen Spezialtiefbaumaschine für den urbanen Einsatz – bleibt die D175AX-10 ein klassischer Vertreter des konventionellen Schwerlast-Erdbaus: Ausgelegt auf maximale Mechanik, hohe Motorleistung und hohe Materialdurchsätze im schweren Terrain.
Quellen
- Komatsu Europe, 29.10.2026: Einführung der D175AX-10 – Leistungsdaten, Assistenzsysteme, Wartung.
- Komatsu Europe: Technische Produktdaten D175AX-10 – Gewicht, Motorleistung und Schildkapazität.
- Komatsu Japan, 06.08.2026: Große Planierraupe D175AX-10 – Fahrwerk, Lenkung, Produktivitätsvergleich, Hauptrahmen und Markteinführung.
- B_I MEDIEN, 03.11.2026: Komatsu stellt neue Planierraupe vor – Präsentation in Sevilla und Aussagen von Gregory Peeters.
- Komatsu Europe, 04.03.2026: Neue Generation von Planierraupen – Vorstellung auf der Conexpo 2026.
































