
Neun Jahre lang war der neue Tesla Roadster vor allem ein Versprechen. Jetzt hat Tesla erstmals gezeigt, was hinter den angekündigten Kaltgasdüsen steckt. Bei einer Vorführung am SpaceX-Testgelände im texanischen McGregor fuhr der Sportwagen kopfüber, sprang über mehrere Fahrzeuge und drehte sich dabei in der Luft. Auch eine Beschleunigung auf 60 mph, knapp 97 km/h, in weniger als einer Sekunde wurde demonstriert.
Was wie ein spektakulärer Stunt aussieht, beruht auf zwei unterschiedlichen technischen Prinzipien. Kaltgasdüsen erzeugen zusätzlichen Schub, ohne auf die Haftung der Reifen angewiesen zu sein. Ein aktives Saugsystem wiederum presst den Wagen auf die Fahrbahn – so stark, dass der Roadster während der Präsentation sogar kopfüber fahren konnte.
Ein normales Serienauto ist die extremste Version allerdings nicht. Tesla unterscheidet inzwischen zwischen drei Varianten. Nur die schwächste davon ist ausdrücklich für die Straße vorgesehen.
Inhaltsverzeichnis
- Tesla zeigt drei verschiedene Roadster
- Warum die Kaltgasdüsen so viel verändern
- Ein Ventilator hält den Roadster an der Decke
- Unter einer Sekunde auf fast 100 km/h
- Tesla kassiert eines seiner größten Versprechen ein
- Was ist Demonstration – und was wird tatsächlich gebaut?
- Produktion soll 2028 beginnen
- Der fliegende Roadster ist vor allem ein Technologieträger
Tesla zeigt drei verschiedene Roadster
Der neue Roadster ist nicht einfach ein Elektro-Sportwagen mit optionalen Raketendüsen. Tesla staffelt die Technik in drei Stufen.
Die Performance-Version besitzt zwei Sitze, aktive Aerodynamik und ein mehrstufiges Saugsystem. Tesla nennt für sie weniger als 1,6 s von 0 auf 60 mph.
Darüber steht der Thrust. Auch er bleibt ein Zweisitzer, bekommt zusätzlich aber Kaltgasdüsen am Heck. Damit soll die Zeit auf unter 0,9 s fallen. Tesla bezeichnet diese Variante als „Race Ready“ und kündigt lediglich eine begrenzte Stückzahl an.
Die extremste Ausführung heißt Rocket. Sie besitzt nur noch einen Sitz und Kaltgasdüsen rund um das Fahrzeug. Diese sollen nicht nur Vortrieb erzeugen, sondern den Wagen auch anheben und in der Luft drehen können. Tesla nennt weniger als 0,59 s auf 60 mph und mehr als 230 mph, rund 370 km/h, Höchstgeschwindigkeit. Die Rocket-Version soll nur auf Einladung erhältlich sein und ist laut Tesla nicht für öffentliche Straßen zugelassen.
Warum die Kaltgasdüsen so viel verändern
Bei einem normalen Auto kommt die Antriebskraft über die Reifen auf die Straße. Selbst wenn Elektromotoren noch mehr Leistung liefern könnten, setzt irgendwann die Haftung der Reifen eine Grenze. Drehen die Räder durch, hilft zusätzliche Motorleistung kaum noch weiter.
Die Kaltgasdüsen umgehen dieses Problem. Unter hohem Druck gespeicherte Luft wird durch Düsen ausgestoßen. Nach dem Rückstoßprinzip wirkt eine Kraft in die Gegenrichtung. Eine nach hinten gerichtete Düse beschleunigt das Auto nach vorn – unabhängig davon, wie viel Kraft die Reifen gerade übertragen können.
Tesla nutzt dabei keine Raketentriebwerke mit Verbrennung. Technisch handelt es sich um Kaltgastriebwerke. Das Arbeitsmedium wird unter hohem Druck gespeichert und anschließend entspannt.
Nach Angaben bei der Präsentation besitzt die Rocket-Version zwei Hochdrucktanks mit zusammen rund 600 l Volumen. Darin sollen sich etwa 250 kg komprimierte Luft befinden. Zehn Düsen verteilen den Schub auf unterschiedliche Richtungen.
Elon Musk fasste das während der Roadster-Präsentation so zusammen: „Es kann also im Grunde genommen wie eine Rakete fliegen.“ Die Bezeichnung „fliegen“ sollte allerdings nicht mit einem Flugauto verwechselt werden. Der Roadster kann kurze Sprünge ausführen und seine Lage dabei mit den Düsen beeinflussen. Für längere Flüge fehlt ihm schon der dafür notwendige Vorrat an Druckgas.
Ein Ventilator hält den Roadster an der Decke
Mindestens ebenso interessant wie die Kaltgasdüsen ist das zweite System unter dem Fahrzeug. Tesla nennt es ein „Multimodus-Absaugsystem“.
Dabei erzeugen Ventilatoren unter dem Wagen einen Bereich mit geringerem Luftdruck. Der höhere Außendruck presst das Fahrzeug dadurch gegen den Untergrund. Flexible oder bewegliche Abdichtungen unter dem Auto sollen verhindern, dass zu viel Luft seitlich nachströmt.
Das Prinzip ist nicht neu. Sogenannte Fan Cars nutzen Unterdruck schon seit Jahrzehnten, um unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit Abtrieb zu erzeugen. Anders als ein klassischer Heckflügel benötigt ein solches System keinen schnellen Luftstrom über die Karosserie.
Genau deshalb konnte Tesla bei der Präsentation etwas zeigen, das mit normaler Aerodynamik kaum möglich wäre: Der Roadster fuhr eine Rampe hinauf, erreichte die Überkopfposition und blieb dabei an der Fahrbahn.
Tesla-Technikchef Lars Moravy sprach während der Präsentation von einer möglichen Saugwirkung in der Größenordnung von bis zu 2 g. Unabhängige Messungen dazu gibt es bislang nicht.
Unter einer Sekunde auf fast 100 km/h
Noch spektakulärer sind die Beschleunigungsangaben. Während der Veranstaltung zeigte Tesla zunächst einen Lauf auf 60 mph in rund einer Sekunde. Bei einer weiteren Demonstration wurden 0,81 s angezeigt. Tesla geht noch weiter: Für die Rocket-Version nennt das Unternehmen weniger als 0,59 s.
Solche Angaben lassen sich nicht ohne Weiteres mit den Beschleunigungswerten normaler Straßenautos vergleichen. Die Düsen liefern einen erheblichen Teil der Kraft direkt und umgehen damit die Haftungsgrenze der Reifen. Zudem ist nicht bei allen Messungen klar, welche Start- und Messbedingungen verwendet wurden.
Zum Vergleich: Der Rimac Nevera R erreichte bei überprüften Rekordfahrten 2025 100 km/h in 1,72 s. Mehr über die derzeit schnellsten Serienautos und die Unterschiede zwischen Herstellerangaben und tatsächlich gemessenen Rekorden hat ingenieur.de hier zusammengefasst: Die schnellsten Serienautos der Welt. Bei Teslas Rocket-Roadster handelt es sich dagegen gerade nicht um ein gewöhnliches straßenzugelassenes Serienauto.

Tesla kassiert eines seiner größten Versprechen ein
Auch abseits der spektakulären Vorführung hat sich der Roadster deutlich verändert. Als Tesla den Wagen 2017 erstmals zeigte, waren mehr als 250 mph beziehungsweise gut 400 km/h, rund 620 Meilen Reichweite und vier Sitzplätze angekündigt. Auf der deutschen Tesla-Website stehen diese alten Daten teilweise noch immer: 1000 km Reichweite, mehr als 400 km/h und vier Sitze.
Bei der neuen Präsentation war dagegen von mehr als 300 Meilen beziehungsweise rund 480 km Reichweite die Rede. Die Performance- und Thrust-Versionen besitzen zwei Sitze, die Rocket-Version nur noch einen. Reuters berichtet für den neuen Roadster zudem von mehr als 230 mph beziehungsweise etwa 370 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Damit hat Tesla eines der auffälligsten ursprünglichen Versprechen deutlich reduziert: Aus rund 1000 km Reichweite werden nach aktuellem Stand etwas mehr als 480 km.
Wie ambitioniert die ursprünglichen Angaben waren und wo Tesla technisch im Vergleich zu Porsche und Rimac steht, hat ingenieur.de bereits vor der Präsentation ausführlich analysiert: Tesla Roadster: 1000 km Reichweite, über 400 km/h und ein fliegender Prototyp?.
Was ist Demonstration – und was wird tatsächlich gebaut?
Gerade bei den spektakulären Bildern ist diese Trennung wichtig. Tesla hat gezeigt, dass ein Fahrzeug mit Kaltgasdüsen springen, sich in der Luft drehen und mit einem Unterdrucksystem kopfüber fahren kann. Damit ist die Technik mehr als eine bloße Animation oder Ankündigung.
Damit ist aber noch nicht bewiesen, dass sämtliche Leistungswerte unter reproduzierbaren Bedingungen erreichbar sind oder dass daraus ein alltagstaugliches Fahrzeug entsteht.
Die Performance-Version kommt einem normalen Roadster noch am nächsten. Sie soll zwei Sitze besitzen und für öffentliche Straßen vorgesehen sein. Thrust wird dagegen als Rennstreckenversion bezeichnet. Rocket ist ein einsitziger Technologieträger mit vollständigem Düsensystem und ausdrücklich nicht für öffentliche Straßen zugelassen.
Produktion soll 2028 beginnen
Auch beim Zeitplan ist Zurückhaltung angebracht. Tesla stellte die zweite Roadster-Generation bereits 2017 vor und kündigte damals die Auslieferung für 2020 an. Daraus wurde nichts. Weitere Termine verstrichen ebenfalls. Nun nennt Musk 2028 als Produktionsbeginn. Bei der Präsentation formulierte er knapp: „2028, actually.“
Reuters bestätigt ebenfalls, dass Tesla die Produktion nach aktuellem Stand 2028 beginnen will. Einen Verkaufspreis nannte das Unternehmen bei der Veranstaltung nicht.
Nach fast zehn Jahren Verzögerung bleibt damit ein wesentlicher Unterschied zwischen dem neuen Roadster und den schnellsten Elektro-Sportwagen von Rimac oder Porsche: Diese Fahrzeuge existieren bereits als ausgelieferte Serien- oder Kleinserienmodelle.
Einen Überblick über die Technik besonders schneller Elektroautos gibt es hier: Die schnellsten E-Autos und die Technik dahinter.
Der fliegende Roadster ist vor allem ein Technologieträger
Die Präsentation beantwortet immerhin eine Frage, die Tesla seit Jahren begleitet: Die angekündigten Kaltgasdüsen existieren tatsächlich in einem fahrfähigen Demonstrator.
Technisch interessanter als der kurze Flug ist möglicherweise die Kombination verschiedener Systeme. Elektroantrieb, aktive Aerodynamik, Unterdruck und Kaltgastriebwerke übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Die Reifen müssen damit nicht mehr sämtliche Längs- und Querkräfte allein übertragen.
Gerade deshalb eignet sich die Rocket-Version nur begrenzt als Maßstab für einen normalen Sportwagen. Sie opfert einen Sitzplatz für Druckbehälter und Flugtechnik, ist nicht für öffentliche Straßen zugelassen und soll nur ausgewählten Kunden angeboten werden.
Ob daraus 2028 tatsächlich ein Serienfahrzeug entsteht, bleibt abzuwarten. Der entscheidende Schritt ist diesmal nicht mehr eine spektakuläre Vorführung. Tesla muss zeigen, dass zumindest die straßentaugliche Performance-Version zuverlässig gebaut, zugelassen und ausgeliefert werden kann.
Quellen
- Reuters: Tesla’s new Roadster turns in air with SpaceX thrusters, won’t land until 2028, 15. Oktober 2026
- Tesla: Roadster – aktuelle Reservierungsseite mit Performance, Thrust und Rocket
- Tesla Deutschland: Roadster – weiterhin veröffentlichte ursprüngliche technische Daten
- The Verge: The Tesla Roadster flew, drove upside down, and hit 60mph in under a second, 16. Oktober 2026
- Electrek: Tesla unveils Cyberfied new Roadster that can kickflip, 15. Oktober 2026



























