Konferenz für Entwicklungspolitik 02.03.2012, 12:00 Uhr

Hoher Rohstoffverbrauch durch Handys

Heute werden in Deutschland jährlich etwa 30 Mio. Mobiltelefone verkauft. Ihre Nutzungsdauer liegt derzeit bei nur etwa 18 Monaten. Danach werden sie durch ein neues Produkt ersetzt. Unter dem Motto „Smart Phone oder Bloodphone“ diskutierten deshalb Experten bei der 3. Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik über die Umweltauswirkungen des ungebremsten Handyverbrauchs.

Rund 83 Mio. alte Handys lagen im Jahr 2011 nach einer Schätzung des IT-Branchenverbands Bitcom ungenutzt in den Haushalten deutscher Verbraucher. Im Jahr zuvor seien es erst 72 Mio. gewesen. Zugleich ist ein Ende des Absatzbooms mobiler Kommunikationsgeräte nicht abzusehen – 2011 war allein in Deutschland der Absatz an neuen Smartphones um 31 % auf 11,8 Mio. Geräte gestiegen.

„Milliarden neuer Konsumenten in den Entwicklungs- und Schwellenländern wollen konsumieren, wie wir es ihnen vormachen,“ erklärte Angelika Schwall-Düren, die für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien verantwortliche Ministerin des Landes Nordrhein-Westfalen Ende Januar anlässlich der 3. Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik. Die Folgen des Konsumverhaltens in den Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften können für Umwelt und Entwicklung verheerend sein.

Durchschnittliche Nutzungsdauer eines Handys liegt bei 18 Monaten

Das zeigt sich am Beispiel der globalisierten Handyproduktions- und -lieferkette. So besteht nach Informationen von Tobias Hartmann, Projektmanager beim Global Nature Fund (GNF), einer internationalen Stiftung für Umwelt und Natur, ein Gerät im Durchschnitt zu 43 % aus Kunststoff, zu 34 % aus Glas und Keramik und zu 23 % aus Metallen wie Kupfer, Eisen, Nickel, Zink, Zinn, aber auch Blei, Cobalt, Colombo-Tantalit („Coltan“) sowie den Edelmetallen Silber, Gold, Palladium und Platin. Diese Metalle werden zu einem großen Teil in den Ländern des Südens – nicht selten unter menschenunwürdigen Bedingungen und zum Schaden der biologischen Vielfalt – abgebaut.

„Ein Viertel aller Minen und Abbaustätten für diese Rohstoffe befinden sich in oder in unmittelbarer Nähe von Schutzgebieten, ein Drittel in sensiblen Ökosystemen“, stellte Hartmann, fest. Von der Demokratischen Republik Kongo, dem Land mit dem größten Vorkommen an Cobalt und einem der wichtigsten Lieferanten für Coltan, so berichtete das Institut für Ökonomie und Ökumene Südwind, Siegburg, dass dort mehrere Millionen Menschen in Handarbeit Gold, Kupfer, Zinn und andere Rohstoffe unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen für Hungerlöhne abbauen.

Steigender Verbrauch an Handys lässt Rohstoffverbrauch ansteigen

Für mehr Transparenz bei der Rohstoffversorgung soll beispielsweise der Dodd-Frank-Act sorgen. Das US-Gesetz vom Juli 2010 über Handel und Verbrauch von metallischen und energetischen Rohstoffen von Aktiengesellschaften, die an der „Wall Street“ notiert sind, verlangt genaue Herkunftsnachweise bei Konfliktmaterialien, wie Gold oder Coltan aus der Republik Kongo oder ihren Nachbarländern. Über die Einhaltung des Gesetzes wacht die US-Börsenaufsicht. Bei Verstößen drohen den Unternehmen Strafzahlungen und sogar der Handelsausschluss. Auch die EU-Kommission hat vor Kurzem eine Transparenzinitiative gestartet, die unter anderem eine Meldepflicht der Unternehmen für alle Zahlungen an Rohstoffförderunternehmen vorsieht.

Steigende Preise, sinkende Verfügbarkeit von Energie und Rohstoffen sowie gesetzliche Rücknahmeverpflichtungen für elektronische Geräte schärfen bei den Mobilfunkanbietern aber auch den Sinn für die Rohstoffrückgewinnung aus Haushalten. Denn in den ausgedienten Handys deutscher Haushalte stecken alleine rund 1,7 t Gold. Um diese Menge an Gold im Bergbau zu gewinnen, müssten mindestens 340 000 t Golderz abgebaut werden, heißt es bei der Telekom, die seit 2003 ausgediente Handys von ihren Kunden zurücknimmt und mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ein Handy-Sammelsystem aufgebaut hat.

Telekom sammelt in zwei Jahren 1 Mio. alte Handys ein

Nachdem die Rücknahmezahlen jahrelang bei 100 000 Stück dümpelten, entschloss sich die Telekom 2010 zu aufwendigen Werbekampagnen und konnte innerhalb der letzten beiden Jahre rund 1 Mio. Althandys einsammeln. Nur 5 % dieser Geräte, die zum Teil technisch veraltet sind, funktioniert einwandfrei und ist für den Wiederverkauf geeignet. Dabei schlägt alleine die Löschung der Daten mit 8 € pro Gerät zu Buche.

Auch dem Recycling sind Grenzen gesetzt: Kupfer (laut Hartmann rund 17 g je Handy) sowie Gold, Silber, Palladium und Platin (insgesamt 0,4 g) können zwar aus den Altgeräten zurückgewonnen werden. Aber für solch geringe Mengen fehlten bisher geeignete Recyclingtechnologien.

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