Diversifikation mit Rohstoffen 06.05.2019, 15:09 Uhr

Rohstoffe sind als langfristiges Investment ungeeignet

Rohstoff-Investments werden Privatanlegern gerne als Instrumente zur Diversifikation des Portfolios angeboten. Richtig ist: Die Preise von Rohstoffe entwickeln sich anders als Aktien und Renten. Doch die Anlageklasse hat ihre Tücken.

Rohstoffe: Ein goldener Bulle auf einer Taste mit der Aufschrift Natural Gas

Foto: panthermedia.net/ayo888

Rohstoffe können in einem Portfolio zur Risikostreuung beitragen. Sachwerte schützen vor Wertverfall durch Inflation. Darüber hinaus ist die Menge an Rohstoffen begrenzt. Bei kontinuierlicher Nachfrage kann der Preis nur steigen. Diese Argumente führen Anlageberater im Gespräch gerne ins Feld, um Kunden für die Anlageklasse Rohstoffe zu begeistern. Und die Finanzinstrumente dafür werden oft gleich mitgeliefert.

Wahr ist: Rohstoffpreise entwickeln sich nahezu unabhängig von anderen Assetklassen. Das Argument, mit Rohstoffen ließe sich ein Portfolio mehr diversifizieren, ist also nachvollziehbar. Das Problem sind allerdings das Timing und die Konstruktion der Finanzprodukte.

Das Timing: Rohstoffe sind oft ein Modethema

Zertifikate und ETPs werden Anlegern häufig dann angeboten, wenn sich das jeweilige Rohstoffsegment bereits gut entwickelt hat. Vor einigen Jahren zum Beispiel war das bei Uran der Fall. Die Story klang einleuchtend: China und andere Entwicklungsländer hatten angekündigt, Hunderte von Atomkraftwerken zu bauen. Die Nachfrage nach Uran werde unweigerlich steigen, war die Folgerung. Zum Zeitpunkt der Werbeoffensive der Banken hatte der Uranpreis bereits deutlich angezogen – allerdings nicht wegen der Knappheit des Rohstoffs, der übrigens gar nicht so selten ist, sondern weil bei einem großen Produzenten eine Uranmine voll Wasser gelaufen war und die Produktion stillgelegt werden musste.

Zertifikate und ETPs mit Konstruktionsproblem

Rohstoff-Zertifikate haben ein grundsätzliches Problem: Sie investieren nicht in Rohstoffe, sondern in Futures auf Rohstoffe. Futures sind Kontrakte, die nach einer bestimmten Zeit auslaufen und dann erneuert werden müssen. Dieses sogenannte „Rollen“ erzeugt hohe Kosten. Ganz gleich, wie sich die Rohstoffpreise entwickeln, ist deshalb die Chance, langfristig mit Rohstoff-Zertifikaten Geld zu verdienen, eher gering. Einige ETPs gehen einen anderen Weg: Sie kaufen die Rohstoffe und lagern sie. Doch auch das erzeugt Kosten – und zwar nicht unerheblich.

Rohstoff-Aktien: Das Timing entscheidet über die Renditechancen

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Aktien von Rohstoffunternehmen zu kaufen. Die Vorteile: keine Lager- und Roll-Kosten. Zudem bieten viele dieser Aktien attraktive Dividendenrenditen. Allerdings ist das Timing eine Herausforderung. Der Rohstoffmarkt ist volatil. Die niedrigen Gewinnmargen in der Branche können bei heftigen Preisbewegungen der Rohstoffe schnell dazu führen, dass Unternehmen hohe Verluste generieren. Man muss den Markt deshalb ständig beobachten und schnell reagieren. Kaufen und liegen lassen ist kein Erfolgsrezept. Als Langfristiges Investment sind Rohstoff-Aktien deshalb nicht geeignet.

Anleihen: Rohstoffunternehmen bieten Chancen

Der vielleicht interessanteste Bereich im Segment Rohstoffe sind Anleihen. Hintergrund: Unternehmen aus der Rohstoffindustrie gelten bei Investoren aufgrund des komplexen Marktumfelds als riskant. Deshalb müssen sie höhere Zinsen bieten, wenn sie sich mit Hilfe von Anleihen Kapital borgen wollen. Für Anleger, die weniger Bedenken haben, bietet das Chancen. Denn viele Unternehmen sind entgegen der gängigen Meinung eher konservativ kapitalisiert. Das Risiko von Zins- und Rückzahlungsausfällen ist oft nicht höher als bei Unternehmen anderer Branchen.

Fazit: Rohstoffe sind nur etwas für erfahrene Antizykliker

Wer im Bereich Rohstoffe erfolgreich investieren will, sollte sich intensiv damit befassen. Rohstoffe sind nichts für Anfänger. Wer sich trotzdem an das Thema heranwagt, sollte einen wichtigen Rat ernst nehmen: Mit Rohstoffen lassen sich durchaus Gewinne erzielen – aber niemals dann, wenn Sie es in der Zeitung gelesen haben oder Ihr Banker Ihnen die Finanzprodukte ans Herz legt. Im Zweifelsfall sollten Privatanleger der ersten Regel von Warren Buffet folgen: „Verlieren Sie nie Geld.“ Und das bedeutet bezogen auf Rohstoffe: „Finger weg!“

Porträt von Helge Müller

Helge Müller ist Chief-Investment-Officer der Genève Invest in Luxemburg. Für ingenieur.de schreibt er in regelmäßigen Abständen Kolumnen zur privaten Vermögensverwaltung.

Von Helge Müller, Chief Investment Officer, Genève Invest

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