Corona-Chancen am Rentenmarkt 07.07.2020, 09:49 Uhr

Unterbewertete Unternehmensanleihen als Rendite-Turbo

Durch die Corona-Krise sind die Kurse vieler Unternehmensanleihen unter Druck geraten. Nicht für jedes Rentenpapier sind die tieferen Bewertungen gerechtfertigt. Etliche Anleihen bergen auf Basis der aktuellen Kurse erhebliches Erholungspotenzial und damit attraktive Renditeaussichten.

Foto: panthermedia.net/alexskopje

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In den vergangenen Jahren haben wir etliche Krisen erlebt. Die Krise der Europäischen Union, des Euro, die Finanzkrise und die Griechenlandkrise. Jedes Mal wähnten wir uns am Rande des Abgrunds. Trotzdem ging es uns jeweils einige Jahre danach grundsätzlich besser. Ganz gleich, welchen Finanzcrash man betrachtet: Ausnahmslos jedes Mal erholte sich die Wirtschaft, weltweit stieg der Wohlstand und setzten die Börsenkurse zu neuen Höhenflügen an. Das ist ein Börsengesetz, das seine Gültigkeit übrigens bereits über mehrere hundert Jahre hinweg immer wieder unter Beweis gestellt hat – bis zurück zur Tulpenkrise im Jahre 1637.

Einen Vorgeschmack darauf, wie schnell der Kapitalmarkt neue Chancen antizipiert, haben wir bereits in den vergangenen Wochen gesehen. Die Leitindizes DAX, EuroStoxx 50 und S&P 500 notieren schon wieder fast auf ihren Höchstständen vor dem Corona-Crash. Rückschläge werden sicher noch kommen. Mutige Investoren werden diese Situationen aber erneut nutzen. Denn der Aktienmarkt bietet in Zeiten allgemeiner Verunsicherung reichlich Chancen.

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Corona-Krise: Anleihen erholen sich meist schneller als Aktien

Das gilt auch für den Rentenmarkt, wo es zuletzt ebenfalls starke Übertreibungen gab. Denn Rating-Agenturen prophezeiten, dass etwa 8,5 Prozent der Zinszahlungen ausfallen werden. In vergangenen Krisen wurden Zahlen in ähnlicher Größenordnung genannt. Vermutlich wird auch diesmal die Ausfallrate deutlich geringer sein. Das gehört zum Spiel – ebenso wie die rasche Erholung der Anleihekurse, wenn sich herausstellt, dass sich die Prognosen der Pessimisten wieder einmal nicht bewahrheitet haben. Die Erfahrung zeigt zudem, dass sich Anleihen nach einer starken Kurskorrektur schneller erholen als Aktien. Der einfache Grund ist, dass es bei Anleihen nicht darum geht, ob der jeweilige Emittent schneller oder langsamer wieder zum alten wirtschaftlichen Erfolg zurückfindet, sondern nur darum, ob er überlebt, seine Zinszahlungen bedienen und am Laufzeitende der Anleihe seine Schuld begleichen kann.

Helge Müller ist Chief-Investment-Officer der Genève Invest in Luxemburg. Für ingenieur.de schreibt er in regelmäßigen Abständen Kolumnen zur privaten Vermögensverwaltung. Foto: Genève Invest

Helge Müller ist Chief-Investment-Officer der Genève Invest in Luxemburg. Für ingenieur.de schreibt er in regelmäßigen Abständen Kolumnen zur privaten Vermögensverwaltung.

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Für vorausschauende Investoren ergeben sich hier enorme Chancen. Denn in Panikphasen wie zuletzt wird oft zu wenig differenziert. Das liegt unter anderem daran, dass Versicherer und Pensionsfonds sich teilweise auch aus regulatorischen Gründen von Papieren trennen müssen, wenn die Kurse unter ein bestimmtes Niveau sinken. Ob die betreffenden Anleihen tatsächlich ausfallgefährdet sind, spielt dann keine Rolle.

Kaufgelegenheiten: fünf bis sechs Prozent Rendite

Und so haben sich in der Corona-Krise insbesondere bei Anleihen von sehr soliden wirtschaftenden Unternehmen aus Branchen, die überhaupt nicht unter der Corona-Pandemie leiden, Kaufgelegenheiten ergeben. Anleihen von solventen Telekommunikations-Konzernen, Versorgern oder auch Unternehmen, die vom Ausbau der Cloud-Technologie profitieren, bieten aktuell teilweise bis zu fünf bis sechs Prozent Rendite per annum. Solche Größenordnungen waren noch vor wenigen Monaten völlig undenkbar. Hier locken enorme Investitionspotenziale. Beispiele für grundsolide Unternehmen, deren Anleihen zuletzt günstig zu haben waren, sind etwa Stena und Burger King Frankreich. Bei Stena handelt es sich um ein dänisch-schwedisches Fährunternehmen, das einen hohen Bestand an Wohnimmobilien im Portfolio hält. Allein dieser Immobilienbestand übersteigt die Schulden. Mit anderen Worten: Alle ausstehenden Schulden sind grundsolide besichert. Bei Burger King Frankreich schlug die Corona-Krise zwar in die Bilanz. Alle Restaurants mussten während des Lockdowns schließen. Doch Burger King konterte in dieser Zeit mit einem Lieferservice und wird mittelfristig davon profitieren, dass sich Menschen gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten eher preiswertem Fast Food zuwenden und teurere Speisen meiden. Die Anleihen des Unternehmens boten zuletzt eine Rendite von 7,5 Prozent per annum.

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Dies sind nur zwei Beispiele für eine Reihe von Chancen, die sich derzeit am Rentenmarkt ergeben. Das Feld ist weit. Doch natürlich muss man auch wachsam bleiben. Man sollte nicht jeden Köder schlucken, sondern immer auch nach dem Haken suchen und gut diversifizieren. Denn Ausfälle sind bei Anleihen immer möglich. Der ideale Weg ist deshalb die Investition in einen aktiv gemanagten Rentenfonds. Nur für Anleger, die genügend freies Kapital haben, um ihre Investitionen über mindestens zehn bis 20 verschiedene Anlagen zu streuen, kommen beim Thema Unternehmensanleihen auch Einzeltitel infrage.

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Von Helge Müller, Chief Investment Officer, Genève Invest

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