Unternehmenskultur 09.12.2011, 12:03 Uhr

Weihnachtsfeier: Nach „Oh du fröhliche!“ ist nicht jedem Kollegen

Krise hier, Kürzungen da

Nicht jeder zieht am späten Abend oder in den frühen Morgenstunden im selben nüchternen Zustand von der Weihnachtsfeier ab, in dem er gekommen ist. Daraus kann sich anhaltender Gesprächsstoff ergeben.

„Vor Jahren hatte sich ein Kollege im angeschickerten Zustand eine Frikadelle vom Büfett in die Tasche gesteckt“, erinnert sich Verfahrensmechanikern Katrin Blechinger, und kann das Glucksen nicht mehr zurückhalten. „Am Ende der Weihnachtsfeier mühte er sich ganz verzweifelt, mit dem Klops ein Taxi herbeizutelefonieren.“

Die Weihnachtsfeier kann Gemeinschaftsgefühl schaffen

Dergleichen Anekdoten schaffen Gemeinschaftsgefühl und nähren Unternehmenskulturen. Aber wie passt das in die heutige Zeit, da in den meisten Firmen Dauersparen an der Tagesordnung ist? Viele Personaler halten die klassische Weihnachtsfeier für ein überkommenes Relikt und plädieren für deren Abschaffung. Viele Arbeitnehmer sehen das ähnlich – insbesondere dann, wenn sie „nur“ als Projektmitarbeiter auf Zeit an ein Unternehmen ausgeliehen worden sind und sich nicht so recht mit den Zielen des Betriebs und der Belegschaft identifizieren können.

Doch auch Festangestellte verspüren immer weniger Lust, sich vor Weihnachten stimmungsvoll mit Musik, Dankeschön und „Weiter so!“ vom Chef einwickeln zu lassen, um vielleicht schon im Monat darauf höhere Leistungsziele auspacken zu müssen.

Bei der Gerhardi Kunststofftechnik GmbH in Ibbenbüren zieht sich die Demarkationslinie ziemlich genau durch die Hälfte der Belegschaft. Rund 200 der 400 Mitarbeiter des Automobilzulieferers im Münsterland wollen trotz einer Anmeldegebühr an der Weihnachtsfeier am 10. Dezember teilnehmen. Sie wissen: Wenn sie nicht antreten, bekommen sie das Geld nicht zurück. Es ist zwar auch futsch, wenn sie das Büfett stürmen und hinterher das Tanzbein schwingen.Aber dafür treffen sie auf der Weihnachtsfeier Arbeitskollegen, die sie ansonsten nie zu Gesicht bekommen würden. Weil sie, wie Katrin Blechinger, umschichtig arbeiten und mit der Ablösung nur wenig Kontakt haben. Oder weil sie, wie die Mitarbeiter des Ingenieurdienstleisters Ferchau am Standort Nürnberg, die Verbindung zu früheren Büronachbarn und zum Management halten wollen, das sie für Wochen oder Monate zum Kunden entsandt hat.

Viele Mitarbeiter nehmen auch an der Weihnachtsfeier von Kunden teil

„Unsere Ingenieure und Techniker nehmen an den Weihnachtsfeiern ihrer Einsatzfirmen teil“, versichert Ferchau-Niederlassungsleiter René Frank, „aber wir organisieren an unseren Standorten seit Jahren auch eigene Veranstaltungen. Denn wir wollen zwar, dass unsere Leute im Kundenunternehmen integriert sind, aber darunter darf die Bindung an uns nicht leiden.“

Alljährlich bittet Ferchau neben Angestellten auch externe Mitarbeiter, Werkstudenten und Stipendiaten zum Winterfest des Retention Managements. „Dieses Jahr haben von 90 Eingeladenen zwei Drittel zugesagt“, freut sich Frank über das positive Echo. Der Aufwand dafür hält sich in Grenzen. „Gefeiert wird von 17 Uhr bis etwa 21 Uhr im Eingangsbereich unseres Gebäudes, an Stehtischen und mit belegten Brötchen, Plätzchen und Glühwein. Oft nehmen die Mitarbeiter ihre Teller und Gläser in ein anderes Büro mit und halten mit dessen Besitzer ein Wiedersehensschwätzchen. Oder sie entdecken, dass einer ihrer Kollegen im selben Fremdbetrieb eingesetzt ist. ‚Ach, du bist auch bei Continental?‘“ Frank findet, solche Aha-Erlebnisse rechtfertigten die Weihnachtsfeier allemal. „Wir wollen, dass die Leute miteinander ins Gespräch kommen, selbst wenn wir sie am Ende regelrecht zum Abschied drängen müssen.“

Was in kleinen und mittelgroßen Betrieben und Niederlassungen oft zum rituellen Jahresabschluss gehört, stößt bei Konzernen an logistische und Kapazitätsgrenzen. Schon lange hat sich Bosch in Stuttgart von einer zentralen Weihnachtsfeier verabschiedet. „Die Abteilungen entscheiden selbst, ob sie etwas machen oder nicht“, sagt Pressesprecher Dirk Haushalter, und setzt hinzu: „Die einen machen’s, die anderen nicht.“

Bei großen Konzernen stößt die Weihnachtsfeier an logistische Grenzen

Auch bei ThyssenKrupp, BMW, VW und Daimler halten es die einzelnen Teams, wie sie wollen. Ein anderer Dax-Konzern hält an der Tradition fest. „Unsere Weihnachtsfeier findet wie jedes Jahr in der festlich geschmückten Kantine statt“, sagt Holger Blannarsch, Leiter Personal bei der K+S Aktiengesellschaft in Kassel.

„Am 15. Dezember ist es so weit. Eingeladen sind alle Mitarbeiter am Standort Kassel, also etwa 1000, um 17 Uhr geht es los. Erst spricht unser Vorstandsvorsitzender, dann gibt es ein Festessen und Getränke.“

Geht er auch dorthin? Allein deshalb, weil er Personalchef ist? Blannarsch lacht: „Ich muss da nicht nur hin, ich gehe sogar gerne dorthin.“

Freilich haben Firmenfeste, wie nicht nur mancher Versicherungskonzern seit diesem Jahr weiß, auch eine Außenwirkung. „Viele sind unglaublich hellhörig geworden und halten sich mit großen Veranstaltungen zurück“, weiß Christian Püttjer, Karriereberater aus Kiel.

Abgesehen davon, hingen die Dimension und die Ausstattung der Weihnachtsfeier davon ab, ob es einem Betrieb wirtschaftlich gut gehe oder nicht. „Viele Unternehmen haben sich das Dauersparen angewöhnt. Deshalb werden die ‚Wir sind eine große Familie‘-Weihnachtsfeiern nach und nach zurückgefahren. Aber Abteilungsfeiern – die laufen überall.“

Und bieten noch Wochen darauf Anlass für Spekulationen, wer am Ende mit wem abgezogen oder mithilfe einer Frikadelle doch noch nach Hause gekommen sei. 

Ein Beitrag von:

  • Christine Demmer

    Christine Demmer hat als Wirtschaftsjournalistin für überregionale Tageszeitungen und Magazine gearbeitet. Sie ist Managementcoach und Kommunikationsberaterin sowie Autorin von Sachbüchern zum Thema Karriere.

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