Karriere 06.05.2011, 19:53 Uhr

Häufige Jobwechsel sind Karrierekiller

Risiko Jobhopping – Mitarbeiter, die nach ganz oben wollen, folgen oft dem Mantra, dass regelmäßige Unternehmenswechsel den Weg in die Chefetage deutlich verkürzen. Doch das kann ein folgenschwerer Irrtum sein, denn Jobhopper riskieren viel, zumal wenn sie nicht den richtigen Zeitpunkt zum Wechseln erwischen und zu nervös sind.

Der 50-jährige Maschinenbauingenieur hatte einmal zu oft den Job gewechselt. Bei seiner alten Firma, der er jahrzehntelang treu blieb, hatte er es zum Leiter der Instandhaltung gebracht. Doch die verdiente Kraft fragte sich, ob das jetzt schon alles gewesen sein soll, sah keine weiteren Aufstiegschancen und wollte seiner Karriere noch einen Schub geben, also wechselte er den Job. Das sollte nun alle anderthalb bis zwei Jahre so weitergehen, weil immer ein besseres Angebot lockte – zuletzt ein Geschäftsführerposten. Was der Ingenieur nicht wusste: Der Chefposten war ein Schleudersitz, weil eben jener Geschäftsbereich kurze Zeit später verkauft wurde und der weitgereiste Ingenieur damit seinen Job los war. Mit knapp 60 Jahren.

Seine jahrzehntelange Loyalität, seine Kompetenz und sein stetiger Aufstieg zählten nun nichts mehr, die Personaler blickten stattdessen misstrauisch auf ein halbes Dutzend Wechsel in zehn Jahren und nahmen lieber Abstand von dem Kandidaten. „Der Ingenieur hatte binnen kurzer Zeit seine Karriere gefährdet, weil er glaubte, häufige Jobwechsel würden ihn voranbringen“, erzählt Frank Adensam, Chef der gleichnamigen Managementberatung. „Doch nun hatte er mit Vorurteilen zu kämpfen, er sei ein Querulant, sei zwar fachlich kompetent, habe aber persönliche Schwächen.“ Zu viel Unruhe im Lebenslauf, besonders in einem späteren Lebensabschnitt, kann ein Karrierekiller sein, wie der Mann leidvoll erfahren musste.

Jobhopper leben gefährlich. Denn die vermeintliche Weisheit, dass alle drei Jahre ein Wechsel des Arbeitgebers wie ein Turbo für den Aufstieg wirkt, gilt so nicht. Wie es besser geht, beantwortet Adensam anhand der Dekaden einer beruflichen Laufbahn: Zwischen 20 und 30 Jahren, in der „Ausprobier- und Findungsphase“, schadet ein Wechsel nach kurzer Zeit nicht. „Zwischen 30 und 40 werden jedoch erste Erfolge erwartet, die sich kaum in weniger als drei Jahren realisieren lassen“, sagt der Berater. Er selbst ist skeptisch bei Kandidaten, die behaupten „3-Jahres-Wunder“ vollbringen zu können. Adensam: „Wahrscheinlich hat jemand in dieser Zeit eher Baustellen aufgerissen, statt Erfolge nachzuweisen.“

Schon in der Phase zwischen 40 und 50 Jahren sollte auf Jobhopping verzichtet werden, um auf bisherige Erfolge aufbauen zu können. Führungsstärke und Kompetenz können dann zwischen 50 und 60 erst richtig ausgespielt werden. „In dieser Phase wird Loyalität zum Unternehmen erwartet“, weiß Adensam. Sicher, Loyalität sollte nicht mit zu viel Routine verwechselt werden. „Gerade in technischen Berufen ist es wichtig, Wissen aktuell zu halten und neue Erfahrungen zu sammeln“, sagt Adensam.

Nur braucht es dafür ab 40 nicht unbedingt häufige Arbeitgeberwechsel, Fort- und Weiterbildungen tun es auch, betont der Berater. „Kritisch ist, wenn jemand über seinen gesamten Werdegang hinweg, alle drei bis vier Jahre ein neues Unternehmen angesteuert hat“, sagt Michael Heidelberger, Geschäftsführer der Dr. Richter Heidelberger Personal- und Strategieberatung. „Gerade in technischen Berufen spielt Längerfristigkeit eine große Rolle“, betont Heidelberger.

Allzu nervös die Karriereleiter emporschnellen zu wollen, scheint jedenfalls kein guter Rat zu sein. „Ein Blick auf die Dax-Vorstände zeigt, dass die Hälfte eine klassische Hauskarriere gemacht hat und die andere zwischen Unternehmen gewechselt ist. Mit anderen Worten: Noch oben gibt es keinen Königsweg“, sagt Sörge Drosten, Geschäftsführer Executive Search bei Kienbaum. Zu viele Wechsel über die gesamte Karriere hinweg hält Drosten jedenfalls für nicht unbedingt zielführend.

Schon gar nicht, wenn der Antrieb allein die Aussicht auf mehr Gehalt ist. Im Schnitt brächte eine neue Stelle ein Plus von 15 % bis 20 %, aber eben auch das Risiko, die Probezeit nicht zu überstehen, an der neuen Unternehmenskultur zu scheitern und das jahrelang aufgebaute Netzwerk zu verlieren.

Günstiger ist, mit dem zweiten Jobwechsel fünf Jahre und mit dem nächsten fünf bis zehn Jahre zu warten, ist Drostens grobe Richtlinie. Der richtige Zeitpunkt ist gekommen, wenn die eigene Entwicklung stagniert und die Lernkurve zunehmend abflacht. Ein Eindruck, der sich eher selten erst nach 15 Jahren auf der gleichen Stelle verfestigen dürfte.

„Ein typisches Problem ist, dass ein Wechsel nach sehr langer Unternehmenszughörigkeit erfolgt, der dann scheitert, worauf eine Serie neuer Jobs folgt“, sagt Drosten. „Mitunter schaffen es aber auch gute Absolventen in nur fünf Jahren, ihren Lebenslauf durch zahlreiche Wechsel zu verderben.“ Wie förderlich eine ruhige Hand sein kann, zeigt auch eine Studie von Monika Hamori, die als Management-Professorin an der IE Business School Madrid lehrt. Sie hat den Werdegang von 1001 CEO der größten Unternehmen in 21 europäischen Ländern und den USA untersucht. Ergebnis: Die Konzernlenker waren im Laufe ihrer Karriere im Schnitt nur für drei Arbeitgeber tätig. Sogar ein Viertel blieb die gesamte Laufbahn einer Firma treu. Hamori konnte zeigten, dass der Weg zur Spitze deutlich kürzer wird, je länger Mitarbeiter dem Unternehmen angehören. Vertrauen und Verlässlichkeit scheinen sich auszuzahlen. Das gilt nicht nur für angehende CEO, sondern auch für Führungskräfte auf darunter liegenden Ebenen, hat die Wissenschaftlerin nachgewiesen. Ihr Fazit: Interne Jobwechsel bringen schneller voran als externe.

Headhunter Heidelberger hingegen hat nichts gegen externe Jobwechsel. „In der Laufbahn zwei- bis dreimal zu wechseln ist gut, um kompetenter zu werden, andere Sichtweisen zu gewinnen und Flexibilität zu beweisen“, sagt er. Allerdings sollte am Ende daraus kein wüstes Hin- und Herspringen erwachsen. „Wichtig ist, dass ein roter Faden im Lebenslauf erkennbar bleibt“, sagt Heidelberger.

Wer sein berufliches Ziel klar formulieren kann, obwohl sich das durch Aufgaben- und Branchenwechsel nicht auf den ersten Blick erschließt, dann sei das durchaus in Ordnung. Die goldene Regel lautet: Nicht Brüche im Lebenslauf entscheiden über den Aufstieg, sondern Kontinuität. CHRIS LÖWER

Ein Beitrag von:

  • Chris Löwer

    Chris Löwer arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freier Journalist für überregionale Medien. Seine Themenschwerpunkte sind Wissenschaft, Technik und Karriere.

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