Arbeitsmarkt für Ingenieure 30.01.2018, 07:31 Uhr

Bauboom macht Bauingenieure zu gesuchten Fachkräften

Der Wohnungsbau boomt, die Auftragsbücher des Baugewerbes sind voll und die Unternehmen suchen entsprechend emsig nach Mitarbeitern. Und finden keine. Ein Problem, das nicht nur die Baubranche betrifft.

Bauarbeiter auf Stahlgerüst in der Dämmerung

Wegen des Booms, u.a. im Wohnungsbau, sind Bau- und Vermessungsingenieure seit Jahren gefragt.

Foto: panthermedia.net/potowizard

Der anhaltende Bauboom stützt die gute Auftragslage im Bauhauptgewerbe und macht Bauingenieure zu gesuchten Fachkräften. Die Betriebe des Bauhauptgewerbes mit über 20 Mitarbeitern verzeichneten zuletzt, genauer: im November 2017, Auftragseingänge mit einem Volumen von 5,6 Millionen Euro. Eine Steigerung von satten 10,7% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Und das, obwohl von Januar bis November gerade einmal 313.658 Wohnungen genehmigt wurden, knapp 8% weniger als im Vorjahreszeitraum.

Entsprechend gesteht der neueste Ingenieurmonitor, den das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln gemeinsam mit dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) erstellt, gerade Bauingenieuren nachhaltig positive Beschäftigungsperspektiven zu – mit unübersehbaren Folgen für den ein oder anderen Arbeitgeber. „Im Baubereich wird es für den öffentlichen Dienst zunehmend schwierig, Ingenieure zu finden“, prophezeite der VDI schon im Sommer. Nun warnt er vor „zunehmenden Engpässen“. Denn „alleine in Bayern sehen 83 Prozent des Baugewerbes ein Geschäftsrisiko im Fachkräftemangel“, so steht es im aktuellen Ingenieurmonitor aus dem 3. Quartal 2017.

Megatrends wie Digitalisierung und Elektromobilität schaffen Arbeitsplätze für Ingenieure

Aber nicht nur Bauingenieure werden gesucht. Um das von der Politik angestrebte Investitionsziel zu erreichen, nämlich weiterhin mindestens 3% des BIP in Forschung und Entwicklung zu investieren, sind die Unternehmen auf Ingenieure angewiesen. Und in der Maschinen-, Fahrzeug-, Energie- und Elektrotechnik werden ebenfalls deutlich mehr Ingenieure gesucht als auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Dasselbe gilt für die technische Forschung und Produktionssteuerung. Wenngleich es in keinem Bereich so düster für die Arbeitgeber aussieht wie in der Baubranche – allerorten fehlt es an Bauingenieuren, Vermessungsingenieuren, Gebäudetechnikern und Architekten. „In diesen Berufskategorien sind insbesondere Themen wie Digitalisierung, Energiewende oder Elektromobilität Treiber der hohen Nachfrage nach Ingenieuren“, erläutert Sarah Berger, Arbeitsmarktökonomin am IW Köln.

In Zahlen bedeutet das: Bundesweit waren im dritten Quartal 2017 pro Monat rund 81.340 offene Stellen für Ingenieure gemeldet, davon 37% am Bau, in der Vermessung, der Gebäudetechnik und der Architektur. Gleichzeitig gab es so wenig arbeitslos gemeldete Ingenieure wie noch nie seit Aufzeichnung in der Klassifikation der Berufe (KldB) 2010, nämlich knapp 25.000. Im ersten Quartal waren noch 26.600 auf der Suche nach Arbeit, ein Jahr zuvor waren es noch einmal deutlich mehr. Der Trend ist unübersehbar und das, wo die Arbeitslosenquote in den Ingenieurberufen bereits deutlich unter drei Prozent liegt, „was in der Arbeitsmarktökonomik als Vollbeschäftigung bezeichnet wird“, so Berger.

Das Schreckgespenst Fachkräftemangel ist zurück

Damit erwacht ein Schreckgespenst der Arbeitgeber zu neuem Leben: der Fachkräftemangel. Naturwissenschaftlich-technische Arbeitsstellen zählen neben den Gesundheitsberufen schon lange zu den Engpassberufen, die Situation bei den Ingenieuren schien sich aber in den vergangenen Jahren etwas entspannt zu haben. Diese Hochphase dürfte nun wieder von einem Engpass, allgemein als Ungleichgewicht zwischen offenen Stellen und arbeitslos gemeldeten Erwerbsfähigen definiert, abgelöst werden.

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (Kofa), eine Initiative des IW Köln und des Bundeswirtschaftsministeriums zur Unterstützung des Mittelstands, veröffentlichte im vergangenen Jahr eine Studie, die den Fachkräfteengpass in den technischen und Gesundheitsberufen eindrücklich belegt. Besonders hoch ist die Nachfrage nach Ingenieuren demnach in Süddeutschland. Alleine Baden-Württemberg und Bayern vereinen rund ein Drittel der aktuellen Arbeitskräftenachfrage auf sich. Der VDI weist darauf hin, dass ein solcher Engpass ein „bedeutendes Innovationshemmnis“ darstelle.

Mismatch zwischen erhobenem und gefühltem Fachkräftebedarf

Viele Ingenieure, vor allem Berufseinsteiger, können die Rufe nach dem Fachkräftemangel und die dazugehörigen Beschwerden der Arbeitgeber nicht nachvollziehen – sie suchen teilweise trotz Masterabschluss wochen- und monatelang nach einer Stelle. Wie kann das sein? Der Großteil dürfte auf ein klassisches Mismatch zurückgehen. „Wenn beispielsweise die Qualifikation eines Bewerbers nicht mit der Qualifikationsanforderung einer Stelle zusammenpasst oder die räumliche Entfernung ein Hindernis darstellt, finden Arbeitskräfteangebot und -nachfrage nicht zusammen“, erklärt Berger.

Im Klartext heißt das: Die Anforderungen der Unternehmen werden immer komplexer. Gesucht wird nicht der Maschinenbauingenieur oder die Bauingenieurin, gesucht werden vielmehr Spezialisten in einem bestimmten Aufgabengebiet, idealerweise mit zusätzlichen Kenntnissen, immer häufiger etwa in der IT. Gleichzeitig versuchen viele Arbeitgeber, dort eine Stelle zu finden, wo sie sich ihren Lebensmittelpunkt eingerichtet haben. Wenig überraschend kommt die Kofa-Studie schließlich zu dem Ergebnis: „Umzüge von Arbeitslosen könnten viele Fachkräftelücken schließen und zugleich Menschen in Arbeit bringen.“ Wie es in Ihrer Region aussieht, können Sie in unserem Jobportal in Erfahrung bringen.

Von Lisa Schneider

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