Samsung Gear 360 13.06.2016, 14:23 Uhr

Koreanische Knutschkugel filmt 360-Grad-Videos fast mit 4K

Samsung hat eine robuste 360-Grad-Kamera für die Hosentasche auf den Markt gebracht, die mit ihren Funktionen jede Menge Spaß macht – falls man ein kompatibles Smartphone und das nötige Kleingeld hat. Wenn alles stimmt, schafft die kleine Kugel nahezu 4K. 

Mit der Kugelkamera Samsung Gear 360 und einem Smartphone kann man jetzt recht unkompliziert 360-Grad-Filme drehen.

Mit der Kugelkamera Samsung Gear 360 und einem Smartphone kann man jetzt recht unkompliziert 360-Grad-Filme drehen.

Foto: Samsung

Wer aus Niedlichkeitsgründen gern ein Haustier hätte, aber vor Gassi gehen, Tierarzt und Haaren am Sofa zurückschreckt, könnte es vielleicht einmal mit der Samsung Gear 360 probieren. Das neueste Spielzeug der koreanischen Technikschmiede ist kugelrund, hat einen Durchmesser von etwa 60 Millimetern und schaut mit großen Augen in die Weltgeschichte.

Nein, es handelt sich nicht um eine Tamagotchi-Neuauflage: Dafür ist die kleine weiße Kugel viel zu nützlich. Die „Augen“ sind zwei hochauflösende Kameras, die im Fisheye-Prinzip jeweils 195 Grad aufzeichnen. Damit sind die Linsen das Herzstück des gerade mal 152 g schweren  Handschmeichlers, der sich bei näherem Hinsehen als 360-Grad-Kamera und durchaus spannend entpuppt.

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Zwei Kameralinsen sorgen für Rundum-Blick

Die beiden Kameralinsen sind an der Vorder- und Rückseite des Samsung Gear 360 angebracht, so dass sie einen Rundum-Blick ermöglichen – und das für Foto und Film, je nach Wunsch. 15 Megapixel schafft jede einzelne, das entstehende Filmmaterial reicht knapp an 4K heran. Damit kann der Betrachter bequem in der Aufnahme navigieren und ziemlich stark zoomen, ohne dass es zu pixelig oder unscharf wird.

360-Grad-Aufnahme aus einem Schweizer Skigebiet: Die Geat 360 kann auch auf einem Helm befestigt und während einer Skiabfahrt benutzt werden.

360-Grad-Aufnahme aus einem Schweizer Skigebiet: Die Geat 360 kann auch auf einem Helm befestigt und während einer Skiabfahrt benutzt werden.

Quelle: Samsung

Aber so weit sind wir noch nicht: Vor der Betrachtung auf dem Rechner, dem Smartphone-Display oder per Virtual-Reality-Brille steht erst noch die Aufnahme. Das haben die Entwickler den Nutzern leicht gemacht: Auf dem Mini-Display können die wichtigsten Modi eingestellt werden. Man kann sich zwischen Video, Foto, Time-Lapse und Video-Schleife entscheiden, und auch wichtige Grundfunktionen sind von hier aus anwählbar.

Etwas komfortabler und umfassender geht das Ganze mittels Bluetooth per Smartphone-App. Egal auf welche Weise: Wenn es losgeht, greift die Kamera an Bildinformationen ab, was geht, und speichert es auf einer microSD-Card. Bis zu drei Stunden Virtual-Reality-Video mit 30 Bildern pro Sekunde und in 1080p-Auflösung oder 2300 Fotos passen auf eine 32-GB-Karte, rechnen die Tester des Online-Portals Curved vor.

Einstellung an der Kamera oder per App

Einstellen lassen sich auch die Bildgröße und – zumindest per App – die maximale ISO-Zahl, sodass die Bilder auch bei schlechten Lichtverhältnissen nur wenig rauschen. Allerdings sind die Linsen mit einer Blende von F2.0 bereits ziemlich lichtstark. Auf diese Weise liefert die Kugel unter normalen Verhältnissen schon mit einer Feld-, Wald- und Wiesen-Standard-Einstellung ordentliche Bilder, so die Tester des IT-Magazins Chip – auf Wunsch auch nur durch eine der beiden Kameras.

Die neue 360-Grad-Kamera Gear von Samsung hat nur einen Durchmesser von 60 mm.

Die neue 360-Grad-Kamera Gear von Samsung hat nur einen Durchmesser von 60 mm.

Quelle: Samsung

Ton nimmt die Samsung Gear 360 mit einem integrierten Mikrophon auf – recht annehmbar, wie es im Testbericht der Tageszeitung Die Welt heißt. Das muss auch so sein, denn eine Anschlussmöglichkeit für ein externes Mikro sucht man vergebens. Dafür ist die Kamera laut Hersteller hart im Nehmen. Selbst Staub, Matsch und Feuchtigkeit machen der kleinen Kugel nichts aus: abwischen und weiter geht’s.

Nahtlose Übergänge bei Idealbedingungen

Wenn man sie lässt, filmt die Kugel tatsächlich einmal rundherum, man bekommt echte 360-Grad-Bilder – allerdings nicht immer ganz so nahtlos, wie Samsung behauptet. Gerade bei Menschen oder Motiven mit klaren Strukturen sei der Übergang zwischen den Bildern deutlich zu sehen, merken verschiedene Tester an. Auch mit natürlichen Lichtverhältnissen – wenn es auf der einen Kameraseite heller ist als auf der anderen zum Beispiel – komme das kleine Glubschauge nicht ganz so perfekt klar, während gleichmäßiges Kunstlicht wohl leichter zu packen sei.

Doch auch davon abgesehen empfehle sich ein kurzes Nachdenken vor Start der Aufnahme, heißt es bei Curved: Eine der beiden Kameras sei als vordere definiert und gebe standardmäßig den zentralen Punkt der Fotos und Videos vor – das gilt es zu beachten. Außerdem sei der Filmende stets mit im Bild, wenn man die Kamera einfach in der Hand halte, so Spiegel Online. Abhilfe schafft da ein Stativ, auf das die Kugel geschraubt werden kann, oder schlicht das integrierte Mini-Dreibein.

Per VR-Brille in die Bilder eintauchen

Außerdem wackelt es dann nicht ganz so heftig: Ein guter Bildstabilisator fehle, merkt der Spiegel an. Immerhin gibt es eine automatische Winkelkorrektur. Trotzdem: Vor allem ungeübte VR-Betrachter hätten schon genug mit den eigenen Bewegungen zu tun, so dass wildes Gewackel bei der Aufnahme schon mal zu Seekrankheit führen könne, gibt Curved zu bedenken.

Gesteuert wird die Kamera mit einem Smartphone. Allerdings gibt es derzeit nur eine Android-Version der Software. Die Apple-Version lässt auf sich warten.

Gesteuert wird die Kamera mit einem Smartphone. Allerdings gibt es derzeit nur eine Android-Version der Software. Die Apple-Version lässt auf sich warten.

Quelle: Samsung

Wer noch einmal in die Aufnahmen eintauchen möchte, kann das am besten mit einer VR-Brille, die allerdings nicht im Lieferumfang enthalten ist. Aber auch auf dem Smartphone lässt sich das Bildmaterial betrachten – sobald man es über die App herübergeschaufelt hat. Das kann bei den Datenmengen vor allem bei den Rundum-Filmchen schon mal etwas dauern: Ein Tester spricht von der dreifachen Aufnahmezeit allein fürs Übertragen.

Die Samsung Gear 360 spricht nur mit ausgewählten Smartphones

Um das Material auf dem Rechner zu bearbeiten, braucht der Amateurfilmer ein Schnittprogramm für 360-Grad-Videos. Samsung bietet dafür die Software „Gear 360 Action Director“ an – allerdings nur für PCs. Mac-User haben ein Kompatibilitätsproblem, dass sich nur per Umweg lösen lässt.

Überhaupt ist die kleine Filmkugel sehr wählerisch, was ihre Partner-Hardware betrifft: Derzeit kommuniziert sie nur mit den neueren Samsung-Smartphones Galaxy S6, Galaxy S6 Edge, Galaxy S6 Edge+, Galaxy Note 5, Galaxy S7 und Galaxy S7 Edge – auf allen anderen Geräten läuft schlicht und einfach die notwendige „Gear 360 Manager“-App nicht. Ob und wann die halbherzig angekündigte iOS-Variante kommt, steht in den Sternen.

Und noch einen Wermutstropfen gibt es: den Preis. Derzeit schlägt die knuffige Samsung Gear 360 mit 349 Euro zu Buche. Dafür muss sie aber auch nicht zum Tierarzt und frisst nur Batterien. Und Haare verliert sie auch nicht.

Ach ja: Und einen Helm für die Baustelle mit 360-Grad-Blick, den gibt es auch schon. Hier lesen Sie mehr über den Helm mit Internetanschluss.

 

Ein Beitrag von:

  • Judith Bexten

    Judith Bexten ist freie Journalistin. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Technik, Logistik und Diversity.

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