Verkehr der Zukunft 15.07.2019, 07:02 Uhr

Studie zeigt Potenzial des autonomen Fahrens für die Stadtplanung

Wissenschaftler vom Fraunhofer IAO haben mögliche Szenarien für die Einführung autonomer Fahrzeuge analysiert. Nach Ihrer Einschätzung steckt in der Technologie eine große Chance, den öffentlichen Personennahverkehr neu zu gestalten.

Illustration autonomes Fahren

Wie werden autonome Fahrzeuge Einfluss aufs Stadtbild nehmen?

Foto: Panthermedia.net/Monicaodo

Mit dem autonomen Fahren verhält es sich ähnlich wie mit der Einführung des Automobils: Auch wenn es sich die meisten Menschen derzeit noch gar nicht vorstellen können, autonome Fahrzeuge werden kommen. Die Frage ist nur, in welcher Weise sie genutzt werden und was daraus für die Mobilität der Zukunft folgt. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat eine Einschätzung vorgenommen: Die Studie „Autonomes Fahren im Kontext der Stadt von morgen (AFKOS)“ soll unter anderem Kommunen und Städte dabei unterstützen, geeignete Planungsinstrumente zu entwickeln.

Für die Studie haben die Forscher unterschiedliches Datenmaterial zusammengetragen. Den Kern der Analyse bilden 22 Studien, deren Inhalt die Wissenschaftler nochmals analysierten und abglichen. Zusätzlich führten sie gezielte Interviews mit insgesamt 16 Branchenexperten durch. Bewusst haben sie sich dazu entschieden, den Fokus nicht auf die Technologien zu legen, sondern auf die „räumliche Ebene der Stadt als dominantes Handlungsfeld für die Verkehrswende“. Anders gesagt: Wie werden sich unsere Städte durch die Einführung autonomer Fahrzeuge voraussichtlich verändern, und was folgt daraus an Chancen und Herausforderungen für die Stadtplanung?

Weniger Autos und weniger Verkehrsflächen?

Welche Szenarien letztlich tatsächlich Realität werden, muss sich natürlich erst noch zeigen. Sowohl die Studien als auch die Aussagen der Experten deuten jedoch darauf hin, dass die Veränderungen wahrscheinlich ein erhebliches Ausmaß annehmen werden – das betrifft auch indirekte Effekte. Denn die Verkehrsflächen für ruhenden und fließenden Verkehr haben in einer durchschnittlichen Stadt etwa einen Anteil von 10 bis 15%. Fast ein Drittel dieser Verkehrsflächen stünde nach Meinung der Experten für eine Umnutzung bereit. Im Gegenzug könnte die Zahl der Mobilitätshubs um 54% steigen. Mobilitätshubs sind Verkehrsknotenpunkte, wo unterschiedliche Verkehrsträger wie Straßen und Schienen ideal kombiniert werden.

Zudem gehen die Experten davon aus, dass die Zahl der Rad- und Fußwege um 36% wachsen wird. Die Größe der benötigten Parkflächen könnte nach einer Studie der Universität Stuttgart, die in die Analyse einbezogen wurde, hingegen um 93% zurückgehen. Das deckt sich mit einem erwarteten Rückgang an Fahrzeugen im innerstädtischen Verkehr um die gleiche Prozentzahl. Die zusätzlich befragten Experten haben sich zwar nicht so exakt zu der vermuteten Fahrzeugdichte geäußert. Grundsätzlich gehen aber 82% von ihnen davon aus, dass sich zumindest in größeren Städten die Zahl der Menschen, die ein eigenes Fahrzeug besitzen, deutlich reduzieren wird.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Wirtgen GmbH-Firmenlogo
Product Safety & Compliance Engineer (m/w/d) - R&D Wirtgen GmbH
Windhagen Zum Job 
Spar- und Bauverein eG-Firmenlogo
Leiter Technik / Prokurist (m/w/d) Spar- und Bauverein eG
Hannover Zum Job 
Koehler Paper SE-Firmenlogo
Ingenieur Qualitätssicherung (m/w/d) Koehler Paper SE
KOCO MOTION GmbH-Firmenlogo
Produktmanager (m/w/d) KOCO MOTION GmbH
Dauchingen Zum Job 
Immobilien Management Essen GmbH (IME)-Firmenlogo
(Senior) Projektkoordinator (m/w/d) Hochbau & Stadtentwicklung Immobilien Management Essen GmbH (IME)
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für Projektberatung in der Autobahnplanung Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur / Architekt (w/m/d) Hochbau Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauwerksprüfingenieur (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Rastow (OT Fahrbinde) Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH-Firmenlogo
Ingenieur* Energieversorgung DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
Stadt Offenburg-Firmenlogo
Projektingenieur*in Baulandbereitstellung und Grundstücksneuordnung Stadt Offenburg
Offenburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieurwesen (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau Die Autobahn GmbH des Bundes
Krefeld, Euskirchen, Köln, Essen Zum Job 
Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH-Firmenlogo
Sachgebietsleiter*in operatives Flottenmanagement - ECM3 Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH
Karlsruhe Zum Job 
Firmengruppe Max Bögl-Firmenlogo
Konstrukteur (m/w/d) Firmengruppe Max Bögl
Sengenthal Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Planung von Ingenieurbauwerken Die Autobahn GmbH des Bundes
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Project Manager Intralogistics Automation (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Waldbüttelbrunn, Weiden in der Oberpfalz, Sinsheim, Karlsruhe-Durlach Zum Job 
Rhein-Sieg Netz GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Netzentwicklung (m/w/d) Rhein-Sieg Netz GmbH
Siegburg Zum Job 
HNVG  Heilbronner Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Teamleiter Planung Anlagen (m/w/d) HNVG Heilbronner Versorgungs GmbH
Heilbronn Zum Job 
Stadtwerke Pirmasens Versorgungs GmbH-Firmenlogo
Elektroingenieur für die Netzleitstelle (m/w/d) Stadtwerke Pirmasens Versorgungs GmbH
Pirmasens Zum Job 
KEMNA BAU Andreae GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Bauleitung (m/w/d) KEMNA BAU Andreae GmbH & Co. KG
Hannover Zum Job 
Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Applikationsbetreuer (m/w/d) Brodbeck Service und Verwaltung GmbH & Co. KG
Metzingen Zum Job 

Rebound-Effekt statt Carsharing?

Insgesamt schließen die Forscher aus den vorliegenden Daten, dass es möglich wäre, die Zahl der Fahrzeuge in der Innenstadt auf 10% im Vergleich zum heutigen Stand zu reduzieren. In anderen Szenarien ließe sich der Verkehr halbieren oder wird das Carsharing als dominante Verkehrsform gesehen.

Gleichzeitig muss die Wissenschaft eingestehen, dass die wahrscheinliche Größe des sogenannten Rebound-Effektes schwer einzuschätzen ist. Mit dem Rebound-Effekt ist das Phänomen gemeint, dass Nutzer sich nicht automatisch so verhalten, wie es am effizientesten wäre. In Bezug auf autonome Fahrzeuge wäre es zum Beispiel denkbar, dass zusätzliche Privatfahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind, weil das Fahren selbst komfortabler wird – während die Vorteile alternativer Konzepte wie Carsharing vom Verbraucher unter Umständen nicht ausreichend angenommen werden.

Herausforderungen für Wissenschaft und Stadtplanung

Die Stadtplanung steht also vor schwierigen Aufgaben. Auf der einen Seite werfen die Wissenschaftler die Frage auf, wie es gelingen kann, unterschiedliche Formen der Mobilität miteinander zu kombinieren, um zu völlig neuen Konzepten für den öffentlichen Personennahverkehr zu gelangen, der neben autonomen Fahrzeugen auch Angebote wie Carsharing, E-Scooter, E-Bikes und E-Roller einbezieht. Auf der anderen Seite sollte bereits im Vorfeld geklärt werden, wie frei werdende Verkehrsflächen anderweitig genutzt werden sollen. Von grünen Infrastrukturen, über neuen Wohnraum bis zu Aufenthaltsflächen für die digitale Gesellschaft sei vieles denkbar. Die Forscher vom Fraunhofer IAO wollen hierzu mit Partnern aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft an Lösungsvorschlägen arbeiten. Trotzdem wird es noch viele Jahre dauern, bis die Grundlage für etwaige Planung besser einschätzbar sein wird – das künftige Verhalten der Verbraucher.

Weitere Beiträge zum autonomen Fahren:

Ein Beitrag von:

  • Thomas Kresser

    Thomas Kresser macht Wissenschafts- und Medizinjournalismus für Publikumsmedien, Fachverlage, Forschungszentren, Universitäten und Kliniken. Er ist geschäftsführender Gesellschafter von ContentQualitäten und Geschäftsführer von DasKrebsportal.de. Seine Themen: Wissenschaft, Technik, Medizin/Medizintechnik und Gesundheit.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.