Abgas-Skandal: Liste wird länger 22.04.2016, 09:52 Uhr

Razzien bei Peugeot und Citroen – auch Daimler im Visier der US-Behörden

VW, Peugeot-Citroen, Renault, Mitsubishi, Nissan – vielleicht auch Daimler? So langsam kann man sich fragen, welcher namhafte Autohersteller die Serie von Abgas-Skandalen eigentlich unbeschadet überstehen wird. Kurz nach Razzien in Frankreich liegt der Fokus nun plötzlich wieder auf Deutschland.

Im Mercedes-Benz Werk des Autokonzerns Daimler in Sindelfingen fertigen Arbeiter am Band Fahrzeuge der S-Klasse: In den USA bekommt es der Autobauer aus Schwaben nach dem Abgas-Skandal im VW-Konzern nun auch  mit einer Überprüfung durch die US-Behörden zu tun. Das US-Justizministerium hat Daimler aufgefordert, das Zustandekommen der offiziellen Abgas-Werte in den USA intern und unter Einbeziehung der US-Aufseher unter die Lupe zu nehmen.

Im Mercedes-Benz Werk des Autokonzerns Daimler in Sindelfingen fertigen Arbeiter am Band Fahrzeuge der S-Klasse: In den USA bekommt es der Autobauer aus Schwaben nach dem Abgas-Skandal im VW-Konzern nun auch  mit einer Überprüfung durch die US-Behörden zu tun. Das US-Justizministerium hat Daimler aufgefordert, das Zustandekommen der offiziellen Abgas-Werte in den USA intern und unter Einbeziehung der US-Aufseher unter die Lupe zu nehmen.

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Wir haben nie manipuliert und werden uns mit allen juristischen Mitteln gegen diesen Verdacht wehren, sagt Daimler seit Monaten. Der Mercedes-Mutterkonzern hat derartig kernig auf die schon laufenden Klagen von Käufern in den USA reagiert. Jetzt, da sich das US-Justizministerium einschaltet, kommt der Autobauer deutlich kleinlauter daher.

Ad-hoc-Mitteilung von Daimler

„Das U.S. Department of Justice (DOJ) hat die Daimler AG am 15. April 2016 unter Hinweis auf strenge Vertraulichkeit aufgefordert, den Zertifizierungs- und Zulassungsprozess in Bezug auf Abgasemissionen in den USA im Wege einer internen Untersuchung in Abstimmung mit dem DOJ zu überprüfen. Daimler hat dem DOJ vollumfängliche Kooperation zugesagt. Am 21. April 2016 hat Daimler das DOJ nach weiterer Abstimmung über die heutige Veröffentlichung der Ad-Hoc-Mitteilung informiert.“ So lautet die taufrische Ad-hoc-Mitteilung, zu der das Unternehmen nach Börsenrecht verpflichtet ist. Streng verpflichtet, denn schließlich kann eine derartige amtlich begleitete Untersuchung an den Börsen für einigen Wirbel sorgen. Bisweilen auch für Talfahrten beim Aktienkurs.

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Ob es tatsächlich eindeutige Hinweise auf abweichende Abgaswerte bei Mercedes-Fahrzeugen in den USA gibt, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Tatsache, dass sich das Ministerium einschaltet, kann Daimler aber natürlich nicht gefallen. Das Unternehmen tut bislang alles, um nicht in den Skandal-Sog zu geraten. Und der scheint immer stärker zu werden.

Razzia an fünf Standorten von Peugeot und Citroen

Kaum haben sich Mitsubishi-Manager mit tiefen Verbeugungen für falsche Angaben entschuldigt, geht der Blick nach Frankreich. Dort haben Ermittler am Donnerstag fünf Standorte von PSA durchsucht. PSA ist die gemeinsame Muttergesellschaft der Traditionshersteller Peugeot und Citroen. Bei drei Modellen, so heißt es, hätten Test „schädliche Abweichungen“ in Sachen Abgaswerte ergeben.

Mit einem tiefen Diener bat Mitsubishi-Chef Tetsuro Aikawa um Entschuldigung wegen der bekannt gewordenen Abgasmanipulationen.

Mit einem tiefen Diener bat Mitsubishi-Chef Tetsuro Aikawa um Entschuldigung wegen der bekannt gewordenen Abgasmanipulationen.

Quelle: Franck Robichon/dpa

PSA gerät damit in den Strudel, in dem Renault schon längst ist. Der Hauptkonkurrent im eigenen Land war bislang der einzige, den die französische Umweltministerin Ségolène Royal namentlich als Verdächtigen genannt hatte. Sie hatte nach Bekanntwerden der VW-Affäre die technische Überprüfung von rund 100 Fahrzeugmodellen angeordnet.

Wenige Wochen nach Bekanntwerden des VW-Skandals hatte PSA in aller Deutlichkeit erklärt, man habe nie geschummelt. Sollte sich das Gegenteil gerade bei Diesel-Pkw herausstellen, hätte der Konzern ein gewaltiges Problem, denn der Anteil an Diesel-Fahrzeugen beim Absatz in Europa ist mit 60 % extrem hoch.

Höhere Rückstellung bei VW?

Bei Volkswagen selbst war die Entspannungsphase derweil kurz. Die grundsätzliche Einigung mit den US-Behörden auf das weitere Vorgehen war eine der wenigen positiven Botschaften aus Wolfsburg in den vergangenen Monaten. Konkret benannt werden müssen die Maßnahmen ohnehin noch. Und nur kurze Zeit später meldete nun dpa, dass VW seine Rückstellungen aus 2015 für mögliche Forderungen aus dem Skandal um zehn Milliarden auf 16,4 Milliarden Euro erhöht habe. Wohl ein Zeichen dafür, dass man mit harten Sanktionen rechnet.

 

Ein Beitrag von:

  • Werner Grosch

    Werner Grosch ist Journalist und schreibt vor allem über Technik. Seine Fachgebiete sind unter anderem Elektromobilität, Energie, Robotik und Raumfahrt.

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