Straße von Gibraltar 29.05.2025, 10:00 Uhr

Premiere: Erstes Elektroboot fährt von Europa nach Afrika

Erste Elektroboot-Überfahrt von Europa nach Afrika gelungen – Candela C-8 zeigt, was elektrisch über Wasser heute möglich ist.

Elektroboot

Mit diesem Elektroboot wurde die Straße von Gibraltar überquert.

Foto: Candela

Es ist eine Premiere: Ein elektrisch betriebenes Boot hat erstmals die Straße von Gibraltar überquert. Die Strecke zwischen Sotogrande in Südspanien und der nordafrikanischen Stadt Ceuta misst rund 24 Seemeilen. Für die Candela C-8 Polestar Edition war das kein Hindernis. Das Elektroboot meisterte die Überfahrt in gut einer Stunde – und kehrte nach kurzem Aufladen noch am selben Tag zurück aufs europäische Festland.

Entscheidend dabei: Die C-8 ist kein gewöhnliches Boot, sondern ein sogenanntes Tragflügelboot. Zwei unter der Wasseroberfläche angebrachte Tragflächen heben den Rumpf beim Fahren aus dem Wasser. So reduziert sich der Widerstand erheblich, der Energieverbrauch sinkt um bis zu 80 % gegenüber vergleichbaren Schnellbooten. Eine Technik, die sich künftig auch im Pendelverkehr entlang der Küsten durchsetzen könnte.

Tragflügel senken Energieverbrauch deutlich

Was die Candela C-8 besonders macht, ist ihr Flug über das Wasser. Sobald eine bestimmte Geschwindigkeit erreicht ist, heben die Tragflügel das Boot an – ähnlich wie bei einem Flugzeug. Der Kontakt zur Wasseroberfläche wird minimiert, der Gleitwiderstand fast vollständig eliminiert. Das Ergebnis: Das Boot fährt schneller und verbraucht deutlich weniger Energie.

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Für die Überfahrt durch eine der meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt war diese Technologie entscheidend. Die Candela C-8 benötigte lediglich 40 Kilowattstunden Strom – das entspricht Stromkosten von etwa 8 €. Zum Vergleich: Das benzinbetriebene Begleitboot verbrauchte 50 Liter Kraftstoff und verursachte damit Kosten von rund 90 €.

Testfeld für Serienfähre Candela P-12

Die Überfahrt hatte nicht nur symbolischen Charakter. Sie war Teil einer Demonstrationsfahrt, mit der die Einsatzfähigkeit der künftigen Candela P-12 getestet werden sollte. Diese elektrische Tragflügelboot-Fähre ist bereits im Liniendienst in Stockholm unterwegs. Sie befördert bis zu 30 Passagierinnen und Passagiere und halbiert dabei die Fahrtzeiten gegenüber konventionellen Schiffen. Gustav Hasselskog, CEO von Candela und Pilot während der Überfahrt, erklärte: „Es besteht ein klarer Bedarf an schnellen, sauberen und effizienten Reisemöglichkeiten im Mittelmeerraum.“

Heute dominieren große Autofähren mit Dieselmotoren die Überfahrten über die Meerenge. Mehr als 3,5 Mio. Fahrten pro Jahr zeigen, wie bedeutend diese Verbindung ist – insbesondere für Pendelnde und kleinere Gemeinden. Doch große Fähren lohnen sich oft nur auf stark frequentierten Routen. Genau hier setzt das Konzept von Candela an: kleinere, elektrisch betriebene Boote, die flexibel und emissionsfrei neue Linien bedienen können.

Technische Daten: Candela C-8 Polestar Edition

  • Länge: 8,5 m
  • Breite: 2,5 m
  • Antrieb: Elektromotor mit Tragflügelsystem
  • Batterie: 69 kWh (von Polestar)
  • Reichweite: 57 Seemeilen bei 22 Knoten
  • Maximale Geschwindigkeit: ca. 30 Knoten
  • DC-Schnellladung: von 10 % auf 80 % in ca. 30 Minuten
  • Energieverbrauch: ca. 0,9 kWh/Seemeile
  • Ladeinfrastruktur: Kompatibel mit CCS-Schnellladern
  • Passagierkapazität: 6 Personen
  • Spezialfunktion: Automatische Tragflügelsteuerung (100 Anpassungen/s)
  • Design: Innenraum und Farben inspiriert von Polestar-Fahrzeugen

 

Stabile Fahrt trotz starker Strömung

Die Straße von Gibraltar gilt als herausforderndes Gewässer. Wo kaltes Atlantikwasser auf warmes Mittelmeerwasser trifft, entstehen starke Strömungen und unruhige See. Für Passagierinnen und Passagiere, die unter Seekrankheit leiden, sind das unangenehme Bedingungen.

Das computergesteuerte Stabilisierungssystem der Candela-Boote schafft hier Abhilfe. Sensoren erfassen Wind, Strömung und Wellengang in Echtzeit. Die Software steuert die Tragflügel automatisch – bis zu 100 Mal pro Sekunde. Das Ergebnis: eine ruhige Fahrt, die eher an Fliegen als an Schifffahrt erinnert. „Wir konnten die Wellen nicht spüren, während das Fotoboot ziemlich stark hin und her schaukelte“, berichtete Hasselskog.

Elektrische Infrastruktur ausgebaut

Partner der Überfahrt war das Energieunternehmen Avangreen, das unter anderem Ceutas größte Solaranlage betreibt. Ziel der Kooperation ist der Aufbau nachhaltiger Ladeinfrastruktur entlang der Küstenregion. Avangreen-Gründer Manuel Gómez, der selbst an Bord war, betonte: „Die Ermöglichung einer nachhaltigen Mobilität mit grüner Energie ist ein Eckpfeiler unserer Unternehmensstrategie.“

Geplant ist die Einrichtung elektrischer Fährlinien, die auf Solarenergie basieren. Damit könnten neue Routen entstehen – nicht nur über die Meerenge, sondern auch zwischen Städten entlang der Costa del Sol oder auf anderen Mittelmeerrouten.

Elektroboot

Hier fliegt das Elektroboot eher über das Wasser, als dass es darauf schwimmt.

Foto: Candela

Candela C-8: Technik trifft Design

Das für die Überfahrt eingesetzte Boot, die Candela C-8 Polestar Edition, ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Bootsbauer Candela und dem Elektroautohersteller Polestar. Es verfügt über eine 69-kWh-Batterie, die eine Reichweite von bis zu 57 Seemeilen bei einer Geschwindigkeit von 22 Knoten erlaubt.

Die DC-Schnellladefunktion ermöglicht ein Laden von 10 % auf 80 % in nur 30 Minuten. Damit ist die C-8 aktuell das Elektroboot mit der größten Reichweite und der schnellsten Ladezeit weltweit.

Auch das Design trägt die Handschrift von Polestar. Farben, Materialien und Innenraumgestaltung orientieren sich an den Fahrzeugen des schwedischen Autoherstellers. Die Sitzpolsterung wurde speziell für das maritime Umfeld optimiert, um auch bei Seegang maximalen Komfort zu bieten.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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