Automobil 30.04.2025, 16:30 Uhr

Mercedes Steer-by-Wire: Das Ende des runden Lenkrads?

Mercedes-Benz will Steer-by-Wire als erster deutscher Automobilhersteller 2026 in die Serie bringen. Dabei werden die Lenkbefehle nicht mehr mechanisch auf die Räder übertragen, sondern durch elektrische Steuerbefehle zum elektromechanischen Aktor, der den Lenkbefehl ausführt.

Mit Steer-by-Wire werden neue, futuristisch anmutende Lenkrad-Designs möglich. Foto: Mercedes-Benz AG

Mit Steer-by-Wire werden neue, futuristisch anmutende Lenkrad-Designs möglich.

Foto: Mercedes-Benz AG

Mercedes-Benz will mit der Einführung von Steer-by-Wire im Jahr 2026 eine neue Ära einläuten. Als erster deutscher Automobilhersteller will das Unternehmen ein Serienfahrzeug auf den Markt bringen – mutmaßlich das Modell EQS – bei dem das Lenkrad nicht mehr mechanisch mit den Vorderrädern verbunden ist. Stattdessen wird der Lenkimpuls vollelektronisch übermittelt – schnell, präzise und ohne direkte physische Verbindung.

Das Ergebnis wird laut Mercedes sein: „Ein völlig neuartiges Lenkgefühl, das Fahrkomfort und Sicherheit auf ein neues Niveau hebt.“ Und auch das Lenkraddesign könnte sich radikal ändern, denn Steer-by-Wire lässt sich individuell konfigurieren, mehrere Lenkradumdrehungen zum Wenden und das seit Jahrzehnten bekannte „Übergreifen“ bei Lenkbewegungen könnten der Vergangenheit angehören. Und damit könnte das Lenkrad nicht mehr rund sein, sondern rechteckig und so einen freien Blick auf die Displays ermöglichen.

Mehr Fahrdynamik, weniger Kraftaufwand

Ein Steer-by-Wire-System eröffnet durchaus Vorteile im Fahralltag. Dank der vollständigen Entkopplung vom klassischen Lenksystem entfällt nicht nur das Umgreifen beim Einparken oder Rangieren – auch der benötigte Kraftaufwand reduziert sich deutlich. Unebenheiten auf der Straße werden durch das Lenkrad kaum noch spürbar, da störende Rückmeldungen elektronisch ausgefiltert werden. Gleichzeitig wird die Lenkübersetzung dynamisch an Geschwindigkeit und Fahrsituation angepasst, was sowohl sportliches Fahren als auch maximalen Komfort ermöglicht.

Technologie trifft Designfreiheit

Die neue Lenktechnologie bringt auch frischen Wind ins Fahrzeugdesign. Das Lenkrad kann flacher gestaltet werden, wodurch sich ein verändertes Raumgefühl und ein besserer Blick auf das Fahrerdisplay ergeben. Das erleichtert nicht nur das Ein- und Aussteigen, sondern ermöglicht langfristig auch völlig neue Innenraumkonzepte – etwa mit zurückgelehnter Sitzposition im hochautomatisierten Fahrmodus. Perspektivisch könnte beim automatisierten Fahren sogar vollständig auf das Lenkrad verzichtet werden, was neue Nutzungsmöglichkeiten wie Entertainment oder Gaming während der Fahrtunterbrechung eröffnet.

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Ein weiterer Pluspunkt: Die elektronische Lenkung lässt sich flexibel anpassen. Mercedes könnte je nach Modell oder Marke unterschiedliche Lenkcharakteristika programmieren, wodurch sich das Fahrerlebnis individuell gestalten lässt. Ob sportlich-direkt oder komfortabel-ruhig – das System kann sich den Vorlieben der Kundschaft anpassen.

Redundanz sorgt für höchste Sicherheit

Trotz fehlender mechanischer Verbindung setzt Mercedes-Benz auf Sicherheit. Das Steer-by-Wire-System verfügt über eine redundante Architektur mit doppelten Signalwegen, Aktuatoren sowie Daten- und Spannungsversorgungen. Sollte ein Pfad ausfallen, übernimmt automatisch der zweite. Selbst im Fall eines Totalausfalls sei laut Mercedes über gezielte Bremseingriffe des ESP eine sichere Querführung möglich.

Umfangreiche Tests

Vor dem Serieneinsatz hat das System mehr als 1 Mio. Testkilometer auf Prüfständen und in realen Verkehrssituationen absolviert, um sicherzugehen, dass das System im Alltagseinsatz auch reibungslos funktioniert. Die Stuttgarter sprechen in einer Pressemitteilung davon: „Mit Steer-by-Wire schafft Mercedes-Benz eine Schlüsselinnovation, die nicht nur technische Maßstäbe setzt, sondern auch die Art und Weise, wie wir künftig Fahrzeuge erleben, grundlegend verändert.“

Ein Schritt in die Zukunft der Mobilität

Steer-by-Wire geht über konventionelles Lenken hinaus. In Kombination mit automatisierten Fahrsystemen eröffnet die Technologie weitere Möglichkeiten – von mehr Sicherheit über gesteigerten Fahrkomfort bis hin zu neuen Nutzungskonzepten im Innenraum. Damit könnte das Lenkrad vom reinen Steuergerät zur Schaltzentrale einer neuen automobilen Erlebniswelt werden – solange es überhaupt noch benötigt wird. Zumindest seine traditionelle runde Form könnte in naher Zukunft zu einem Rechteck werden.

Ein Beitrag von:

  • Peter Kellerhoff

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Automobil, Nutzfahrzeuge, Schiff, Bahn, Verkehr, Mobilität, E-Mobilität, Software, Cloud, Internet, KI

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