Mach 0,95: Dieses Flugzeug ist schneller als jeder andere Businessjet
Die Bombardier Global 8000 fliegt mit Mach 0,95 schneller als jeder andere Businessjet. Was hinter der Technik steckt.
Mit Mach 0,95 bewegt sich die Bombardier Global 8000 an der Grenze des technisch Machbaren. Was Flügel, Triebwerke und Aerodynamik leisten.
Foto: Bombardier Inc.
Die Concorde ist seit mehr als 20 Jahren Geschichte. Seitdem hat kein ziviles Serienflugzeug mehr ernsthaft an der Schallmauer gekratzt. Genau das will Bombardier nun ändern.
Mit einem Rekordflug von Montreal nach Nizza hat der kanadische Hersteller gezeigt, was in seiner neuen Global 8000 steckt. Das Flugzeug legte die Strecke in gut sechs Stunden zurück und erreichte dabei bis zu Mach 0,95. Kein anderer Businessjet fliegt heute schneller.
An Bord saß auch Bombardier-CEO Éric Martel. Sein Ziel: der Formel-1-Grand-Prix von Monaco. Doch der Flug war weit mehr als eine PR-Aktion. Er sollte demonstrieren, dass sich interkontinentale Geschäftsreisen künftig deutlich schneller absolvieren lassen.
Inhaltsverzeichnis
- Nur noch ein Wimpernschlag bis zur Schallmauer
- Die eigentliche Ingenieurleistung steckt im Flügel
- Bewährte Plattform, konsequent weiterentwickelt
- Moderne Triebwerke liefern den nötigen Schub
- Flugsteuerung arbeitet vollständig digital
- Schneller als alles, was heute zivil fliegt
- Die eigentliche Überraschung ist die Kombination
- Zielort des Rekordflugs war kein Zufall
Nur noch ein Wimpernschlag bis zur Schallmauer
Mach 0,95 klingt zunächst nach einer Zahl für Luftfahrtfans. Tatsächlich markiert sie eine technische Grenze. Moderne Verkehrsflugzeuge wie Airbus A350 oder Boeing 787 reisen normalerweise mit etwa Mach 0,85. Die schnellsten Konkurrenzjets im Business-Aviation-Segment kommen auf rund Mach 0,935. Die letzten Prozentpunkte sind die schwierigsten.
Je näher sich ein Flugzeug der Schallgeschwindigkeit nähert, desto komplizierter wird die Aerodynamik. An den Tragflächen bilden sich lokal bereits Überschallströmungen. Stoßwellen entstehen, der Luftwiderstand steigt sprunghaft an und selbst kleine Änderungen an Geometrie oder Anstellwinkel können die Effizienz deutlich beeinflussen.
Genau deshalb gilt der transsonische Bereich zwischen etwa Mach 0,85 und Mach 1 als Königsdisziplin des Flugzeugbaus. Die Global 8000 bleibt bewusst knapp unterhalb der Schallmauer. Sie verzichtet auf die Nachteile eines Überschallflugzeugs, reizt die Möglichkeiten des modernen Unterschallflugs aber nahezu vollständig aus.
Die eigentliche Ingenieurleistung steckt im Flügel
Dass die Global 8000 Mach 0,95 erreicht, liegt nicht allein an leistungsfähigen Triebwerken. Entscheidend ist die Aerodynamik.
Bombardier setzt auf ein superkritisches Tragflächenprofil, das die Bildung starker Stoßwellen verzögert und den Luftwiderstand im transsonischen Bereich reduziert. Ergänzt wird das Konzept durch das sogenannte Smooth-Flex-Wing. Dahinter verbirgt sich eine Tragfläche, die sich unter Belastung gezielt elastisch verformen kann.
Das klingt zunächst unspektakulär, hat aber mehrere Vorteile. Turbulenzen werden besser absorbiert, Lastspitzen reduziert und gleichzeitig die aerodynamische Effizienz verbessert. Das erhöht nicht nur den Komfort, sondern trägt auch zur großen Reichweite des Flugzeugs bei.
Hinzu kommen speziell ausgelegte Vorflügel, die den Auftrieb bei niedrigen Geschwindigkeiten verbessern. Dadurch kann die Global 8000 nach Herstellerangaben bis zu 30 % mehr Flughäfen ansteuern als vergleichbare Wettbewerber ihrer Klasse.
Bewährte Plattform, konsequent weiterentwickelt
Technisch ist die Global 8000 keine komplette Neuentwicklung. Sie basiert auf der erfolgreichen Global-7500-Plattform, die Bombardier gezielt weiterentwickelt hat. Verbesserungen an Aerodynamik, Flugsteuerung und Zertifizierung ermöglichen höhere Geschwindigkeiten und größere Reichweiten, ohne das Grundkonzept des Flugzeugs zu verändern.
Der Hersteller gibt für die Global 8000 eine Reichweite von 8.000 nautischen Meilen an. Das entspricht rund 14.800 Kilometern. Nonstop-Flüge zwischen Metropolen wie Dubai und Houston oder Singapur und Los Angeles werden damit möglich.
Der Rekordflug von Montreal nach Nizza dürfte zugleich erst der Anfang sein. Bereits die Global 7500 stellte mehr als 100 internationale Geschwindigkeitsrekorde auf verschiedenen Städtepaaren auf.
Moderne Triebwerke liefern den nötigen Schub
Angetrieben wird die Global 8000 von zwei GE-Passport-Turbofantriebwerken. Die speziell für Ultra-Langstrecken-Businessjets entwickelte Triebwerksfamilie liefert jeweils rund 84 Kilonewton Schub.
Die Triebwerke nutzen moderne Verbundwerkstoffe für Fanblätter und Gehäuse sowie einen hocheffizienten Verdichteraufbau. Das reduziert Gewicht und Kraftstoffverbrauch, ohne Kompromisse bei der Leistung einzugehen.
Gerade bei Geschwindigkeiten nahe Mach 1 kommt es darauf an, ausreichend Schub bereitzustellen, ohne dass der Treibstoffverbrauch unverhältnismäßig ansteigt. Genau hier liegt eine der wesentlichen Entwicklungsleistungen der Global 8000.
Flugsteuerung arbeitet vollständig digital
Ein weiterer Baustein ist das digitale Fly-by-Wire-System. Anders als bei klassischen mechanischen Steuerungen werden die Eingaben der Pilot*innen elektronisch verarbeitet und an die Steuerflächen weitergeleitet.
Das System stabilisiert das Flugzeug automatisch, reduziert Turbulenzeinflüsse und unterstützt die Crew dabei, das Flugzeug stets innerhalb sicherer Flugparameter zu halten.
Ergänzt wird das Cockpit durch das Vision Flight Deck von Collins Aerospace. Dazu gehören unter anderem Head-up-Displays sowie kombinierte Enhanced- und Synthetic-Vision-Systeme. Sie ermöglichen den Pilotinnen und Piloten auch bei schlechter Sicht eine deutlich bessere Orientierung.
Schneller als alles, was heute zivil fliegt
Nur die Concorde war im Linienverkehr deutlich schneller. Sie flog mit Mach 2,04 und überquerte den Atlantik in weniger als dreieinhalb Stunden.
Die Global 8000 verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. Statt den Überschallflug neu zu erfinden, optimiert Bombardier den klassischen Unterschallflug bis an seine praktischen Grenzen.
Da das Flugzeug unter Mach 1 bleibt, entstehen keine dauerhaften Überschallknalle. Gleichzeitig erreicht es Geschwindigkeiten, die bislang kein anderes heute produziertes ziviles Serienflugzeug bietet.
Die eigentliche Überraschung ist die Kombination
Geschwindigkeit allein wäre noch keine Sensation. Wirklich bemerkenswert wird die Global 8000 erst durch die Kombination ihrer Eigenschaften.
Neben Mach 0,95 bietet das Flugzeug eine Reichweite von rund 14.800 Kilometern und die niedrigste Kabinenhöhe ihrer Klasse. Während die Maschine typischerweise in rund 41.000 Fuß Höhe unterwegs ist, herrscht im Innenraum ein Druck, der einer Höhe von nur 2691 Fuß entspricht. Das soll Müdigkeit und Jetlag spürbar reduzieren.
Die Kabine ist in vier getrennte Bereiche aufgeteilt und verfügt über eine voll ausgestattete Bordküche sowie moderne Kommunikationssysteme. Die von Bombardier entwickelten Nuage-Sitze sollen auch auf sehr langen Flügen hohen Komfort bieten.
Zielort des Rekordflugs war kein Zufall
Dass Bombardier den ersten großen Rekordflug ausgerechnet zum Formel-1-Wochenende nach Südfrankreich ansetzte, dürfte kaum Zufall sein. Der Grand Prix von Monaco gehört zu den wichtigsten Treffpunkten der globalen Wirtschaftselite – also genau jener Kundschaft, für die die Global 8000 entwickelt wurde.
Der Flug diente deshalb nicht nur der Erprobung. Er war zugleich eine Demonstration moderner Luftfahrttechnik.
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