20 % weniger Verbrauch 25.09.2018, 13:13 Uhr

Lenkdrachen treiben große Airbus-Schiffe an

Airbus will seine großen Frachtschiffe auf hoher See künftig auch mit Hilfe riesiger Lenkdrachen antreiben. Eine Tochter des europäischen Flugzeugbauers hat einen Windantrieb für Frachtschiffe entwickelt. Die Drachen sollen den Treibstoffverbrauch auf den Routen nach USA und China um 20 Prozent senken. Damit könnten Reeder auch die enorme Luftverschmutzung aus der Verbrennung von Schweröl verringern.

Rund 20 Prozent Kraftstoff sollen die Lenkdrachen einsparen, die die Airbus-Tochter Airseas entwickelt hat. Airbus will die Drachen nun auf den eigenen Frachtschiffen einsetzen, die Flugzeugteile rund um die Welt transportieren.

Rund 20 Prozent Kraftstoff sollen die Lenkdrachen einsparen, die die Airbus-Tochter Airseas entwickelt hat. Airbus will die Drachen nun auf den eigenen Frachtschiffen einsetzen, die Flugzeugteile rund um die Welt transportieren.

Foto: Airbus

Airbus ist nicht nur in der Luft aktiv, sondern auch auf dem Wasser. Der europäische Flugzeugbauer betreibt vier Frachter, die Flugzeugteile nach Mobile in den USA und nach Tianjin in China transportieren – auch dort baut Airbus Flugzeuge. Außerdem sind sie für den innereuropäischen Transport von Flugzeugteilen konzipiert.

Künftig werden die Hochseefrachter neue Minusrekorde aufstellen, was den Treibstoffverbrauch angeht. 1000 Quadratmeter große Lenkdrachen (Kite) werden die Schiffe über die Weltmeere ziehen. Der bisherige Antrieb bleibt erhalten, doch die Kites werden rund 20 Prozent der Antriebsenergie übernehmen. Um den gleichen Prozentsatz soll der Spritverbrauch sinken.

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Der SeaWing ist vollautomatisiert

Airbus hat gerade den ersten Kite bestellt, praktischerweise bei der eigenen Tochtergesellschaft AirSeas. SeaWing hat sie das riesige Segel getauft, das zusammengefaltet am Bug der Frachter ruht, wenn der Wind ausbleibt. Meldet die Wetterstation an Bord eine ausreichend kräftige Brise, aktiviert der Steuermann das Segel einfach per Knopfdruck. Es hebt sich in die Lüfte und zieht das Schiff, weil es mit einem leichtgewichtigen, aber extrem reißfesten Seil mit dem Schiff verbunden ist. Genauso automatisch wird das Drachensegel wieder eingeholt, wenn der Wind nachlässt.

Bis zu zwei Millionen Dollar Einsparungen pro Jahr

Pro Schiff spart die Reederei Kraftstoff in Höhe von ein bis zwei Millionen Dollar pro Jahr ein, versichert AirSeas. Innerhalb eines einzigen Jahres amortisiere sich das System. Es wird während eines normal langen Hafenaufenthalts montiert. Airbus erwartet eine Senkung der Kohlendioxidemissionen um stolze 8000 Tonnen pro Jahr. Außerdem reduziere sich der Ausstoß von Schadstoffen wie Schwefeldioxid, Stickoxiden und Ruß.

Die Frachter transportieren unter anderem Tragflächen aus Großbritannien, Rumpfsektionen aus Deutschland mit dem Heckkonus aus Spanien sowie das Cockpit aus Frankreich. Höhenleitwerk sowie das in Stade gefertigte Seitenleitwerk gehören ebenfalls zur Ladung.

Der Kite soll die Luftverschmutzung verringern

Der Lenkdrachen erreicht eine Flughöhe von 200 bis 300 Metern. Das 400 Meter lange Seil endet in einer Steuereinheit, die den an zahlreichen Seilen hängenden Drachen lenkt. Ähnlich agieren auch Kite-Surfer oder Sportler, die derartige Drachen nutzen, um nahezu lautlos durch die Lüfte zu fliegen. AirSeas will den Lenkdrachen auch anderen Reedern anbieten. Diese stehen wegen der Luftverschmutzung durch ihre Schiffe zunehmend unter Druck. Die Seeschifffahrt gehört zu den größten Umweltsündern.

Das System ähnelt einem Lenkdrachen des Hamburger Unternehmens SkySails, das Stephan Wrage 2001 gründete. Das erste Segel wurde auf dem Tonnenleger MS Beaufort montiert und auf der Ostsee eingesetzt. Am 15. Dezember 2007 erhielt der kommerzielle Frachter Beluga SkySails einen Lenkdrachen. Als die Reederei insolvent wurde, stockte die Vermarktung des SkySails, auch wegen der sinkenden Treibstoffpreise. 2017 präsentierten die Hamburger dann den Hochsee-Katamaran „Race for Water“ mit einem 40 Quadratmeter großen Kite, der das 35 Meter lange Schiff bei gutem Wind ohne Motorunterstützung auf acht Knoten (knapp 15 Kilometer pro Stunde) beschleunigt.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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