Light and Charge von BMW 10.11.2014, 13:42 Uhr

Laternen werden zu Ladestationen

Autobauer BMW macht jetzt auch in Laternen. Und die haben einen Spezialeffekt. Sie beleuchten nicht nur die Straße, sie betanken auch Elektroautos mit Strom. Vor der BMW-Welt in München stehen jetzt zwei Prototypen der LED-Lampen. Während der Autobauer beim Projekt Light and Charge auf eine Neuentwicklung setzt, rüstet ein Berliner Unternehmen vorhandene Laternen nach.

In Großstädten Elektroautos an Straßenlaternen mit neuer Energie versorgen ist ein neuer Trend, den auch BMW in München vorantreiben will. 

In Großstädten Elektroautos an Straßenlaternen mit neuer Energie versorgen ist ein neuer Trend, den auch BMW in München vorantreiben will. 

Foto: Ubitricity

Laternenparker haben in den meisten Fällen keine Garage oder einen speziellen Platz, an dem sie ihr Fahrzeug abstellen können. Schlecht vor allem für Besitzer von Elektroautos. Die müssen eine öffentliche Stromtankstelle nutzen und zu Fuß nach Hause gehen.

Der Münchner Autobauer BMW, der mit dem Modell i3 den Elektroautomarkt aufmischen will, hat jetzt eine Laterne vorgestellt, die nicht nur Licht spendet, sondern auch die Batterien von dort geparkten Fahrzeugen auflädt. Die modular aufgebaute Laterne kann mit zwei bis vier Leuchtdioden-Streifen  ausgestattet werden, sodass sie sich an den Lichtbedarf unterschiedlicher Straßen anpassen lässt. Stromlieferant ist sie für die Nutzer des Dienstes „ChargeNow“ mit 2000 Stromtankstellen in Deutschland und Österreich.

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Hoher Preis für Strom

Light and Charge, also Beleuchten und Laden, heißt das Pilotprojekt. Die Station bietet zwei Möglichkeiten an. Der Elektromobil-Besitzer kann Wechselstrom tanken, der vom Gleichrichter an Bord in den von Batterien benötigten Gleichstrom umgewandelt wird. Das ist die billigste Lösung, dauert allerdings auch stundenlang.

Das BMW-Konzept Light and Charge.

Das BMW-Konzept Light and Charge.

Quelle: BMW

Wer es eilig hat kann direkt Gleichstrom abzapfen. Pro Minute kostet das allerdings 30 Cent. Macht bei einer Ladeleistung von 3,6 Kilowatt stolze fünf Euro pro Kilowattstunde. Rund 70 Cent sind es bei Nutzung der Wechselspannung.

Auto-Bild hat Anfang 2014 in einem Test festgestellt, dass eine 100-Kilometer-Fahrt in einem per ChargeNow betankten Elektro-BMW rund 50 Cent teurer ist als eine gleich lange Reise mit einem Diesel-BMW, wenn nur die Energiekosten berücksichtigt werden. Wer zu Hause Strom tankt zahlt weitaus weniger als der Diesel-Fahrer.

Die ersten beiden Kombi-Straßenlaternen stehen jetzt vor der BMW-Welt, einer kombinierten Ausstellungs-, Auslieferungs-, Erlebnis-, Museums- und Eventstätte des Unternehmens unweit der Münchner Zentrale. „Light and Charge ist eine einfache und innovative Lösung, um ein zuverlässiges Netz an Ladestationen ganz selbstverständlich in die Stadt zu integrieren“, sagte BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer bei der Inbetriebnahme der Laternen, und fügte hinzu: „Nur mit einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur sehen wir künftig mehr Elektrofahrzeuge in den Städten.“

Die neue Ladestation für Elektroautos von BMW ist an einer LED-Laterne angebracht.

Die neue Ladestation für Elektroautos von BMW ist an einer LED-Laterne angebracht.

Quelle: BMW

BMW kooperiert mit der Stadt München. Ab dem nächsten Frühjahr sollen in der bayrischen Landeshauptstadt herkömmliche Straßenlaternen gegen Light-and-Charge-Einheiten ausgetauscht warden. Überall dort, wo entsprechender Parkraum zur Verfügung steht.

 Konkurrenz aus Leipzig und Berlin

Martin Leutelt, Forscher an der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig, hat bereits im vergangenen Jahr ein System vorgestellt, mit dem sich Laternen zu Ladestationen umrüsten lassen.

Unterdessen ist in  Berlin das dort ansässige Unternehmen Ubitricity aktiv und betreibt mehrere Laternen-Zapfsäulen für Strom.

Bis Ende des Jahres sollen in der Bundeshauptstadt 100 Laternen umgerüstet werden, die Pilotkunden nutzen. 2015 soll der kommerzielle Betrieb beginnen. Die Preisgestaltung ist noch offen.

 

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Kempkens

    Wolfgang Kempkens studierte an der RWTH Aachen Elektrotechnik und schloss mit dem Diplom ab. Er arbeitete bei einer Tageszeitung und einem Magazin, ehe er sich als freier Journalist etablierte. Er beschäftigt sich vor allem mit Umwelt-, Energie- und Technikthemen.

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