Verkehrswende 01.12.2022, 13:10 Uhr

Ladebordstein könnte die E-Mobilität auf unseren Straßen revolutionieren

Ein Hemmschuh bei der Verbreitung von E-Autos ist regelmäßig die Ladeinfrastruktur. Ein Ladebordstein von Rheinmetall soll dieses Problem nun beheben, lässt er sich doch nahezu überall unauffällig in das verhandene Straßenbild integrieren.

Ladebordstein Rheinmetall

Rheinmetall entwickelt eine Ladesäule, die direkt in den Bordstein integriert ist.

Foto: Rheinmetall

Als ein Problem bei der Ausbreitung der E-Mobilität in Deutschland wird regelmäßig die Ladeinfrastruktur angesehen. Die bisher üblichen Ladesäulen benötigen viel Platz, wirken sich negativ auf das Stadtbild aus und sind verhältnismäßig teuer. Ein Ladebordstein des Düsseldorfer Technologiekonzerns Rheinmetall kann das jetzt ändern. Der Bordstein, mit dem man sein E-Auto aufladen kann, könnte die E-Mobilität auf unseren Straßen revolutionieren. Die clevere Erfindung lässt sich wirklich überall installieren und nutzt die bereits vorhandene Infrastruktur.

Intelligente Nutzung der vorhandenen Infrastruktur

Durch die Integration von Ladeelektronik in einen Bordstein wird dieser zur Ladesäule, ohne die anderen Verkehrsteilnehmer zu behindern, die kein E-Auto aufladen möchten. Ein weiterer Vorteil: Es müssen keine langen Kabel über den Bordstein gelegt werden, um die Elektrofahrzeuge zu laden. Mit seiner Erfindung möchte Rheinmetall insbesondere in Innenstädten und Ballungsräumen ausreichend Lademöglichkeiten zur Verfügung stellen.

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Der Hintergrund: Oft finden die Kommunen keinen Platz für eine Ladesäule, ohne dabei andere Verkehrsteilnehmer zu verärgern, weil ihnen ein Parkplatz weggenommen wird. Ein Ausweichen auf größere Ladeparks am Stadtrand kommt hingegen für viele E-Auto-Fahrer nicht in Frage, da zu zeitaufwändig und zu teuer. Ein Konflikt, der dazu führen könnte, dass die E-Mobilität nicht so schnell wächst, wie es sich die Politik wünscht. Der Masterplan Ladeinfrastruktur II der Bundesregierung vom Oktober 2022 sieht hier einen starken Handlungsbedarf.

Derzeit laufen Langzeittests

Noch haben die Ladebordsteine von Rheinmetall nicht die Serienreife erlangt. Aktuell werden die Systeme umfangreichen Langzeittests unterzogen, ehe sie erstmalig im Rahmen eines Pilotprojekts im öffentlichen Raum zum Einsatz kommen. Sicherheit steht hier an erster Stelle. Die reine Forschungsarbeit ist jedoch bereist abgeschlossen. Das Team des Rheinmetall Technology Centers hat intensiv an einer Lösung gearbeitet, bestehende städtische Infrastruktur zu ertüchtigen, ohne dabei Beschränkungen in der Ladepunktdichte in Kauf nehmen zu müssen. Das ist zum Beispiel bei Laternenladern der Fall.

Wartung und einfache Nachrüstbarkeit waren zwei Punkte, auf die die Forschende besonderen Wert gelegt haben. So soll es möglich sein, komplette Straßenzüge oder Parkplätze für die Integration von Ladebordsteinen vorzubereiten. Das gelingt mit sogenannten Dummybordsteinen, die an den gewünschten Standorten installiert werden. Das Elektronikmodul lässt sich dann nachrüsten, wenn an dem jeweiligen Ort ein Bedarf an Ladestationen entsteht. Nach Angaben des Herstellers ist eine Nachrüstung innerhalb weniger Minuten möglich.

Der Ladebordstein soll ein AC-Laden bis 22 kW ermöglichen und kann per Open Charge Point Protocoll (OCPP) in bestehende Backend-Systeme oder bereits vorhandene Ladesystemstrukturen integriert werden. Die Wartung soll ganz einfach sein, da die Elektronikeinheit ganz einfach entnommen werden kann. Rheinmetall legt hierbei Wert darauf, dass die Systeme auf die Umweltbedingungen im Straßenraum ausgelegt sind, um eine lange Lebensdauer sicherzustellen.

Eine Idee mit Zukunft?

Mitunter wirft einem die deutsche Bürokratie auch Knüppel zwischen die Beine trotz toller Idee. Diese Erfahrung musste die Shell-Tochter Ubitricity machen. Genehmigungen gibt es in Deutschland nicht einfach so im Vorbeigehen. In London gibt es bereits 5.500 Ladepunkte an Straßenlaternen. Hierzulande klappt das nicht ohne Hindernisse, immerhin hat Ubitricity in Berlin im Juli 2022 mit der Inbetriebnahme von 200 geplanten Laternen-Ladepunkten begonnen.

Davon lässt sich Rheinmetall jedoch nicht entmutigen. Neben dem Laden am Straßenrand sieht der Hersteller noch weitere Nutzungsmöglichkeiten für sein System. So zum Beispiel ein Laden beim Arbeitgeber, bei Außenstellplätzen an Ein- und Zweifamilienhäusern oder auf Geschäftsparkplätzen. Die Ladebordsteine sollen alle notwendigen Funktionalitäten mitbringen, um dem Nutzer ein schnelles und komfortables Laden seines E-Autos zu ermöglichen.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Content-Manager beim VDI Verlag. Nach einem Bauingenieurstudium und einer Weiterbildung zum Online-Redakteur, Volontariat und 20 Jahren als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop, landete er bei ingenieur.de. Er schreibt hauptsächlich über Technik und Forschung.

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