Landaufkäufe haben begonnen 20.03.2014, 11:17 Uhr

HS2: Neue Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke in Großbritannien

Seit Jahren wird von den Briten über den Bau einer Schnellbahnstrecke von London nach Nordengland gestritten. Doch inzwischen wurden Fakten geschaffen, der Bau von den Politikern beschlossen. Der Beginn der Arbeiten rückt näher. 

Der Hochgeschwindigkeitszug Velaro von Siemens im Londoner Hydepark: Siemens hat gute Chancen, den Zuschlag für die Lieferung neuer Züge für die geplante HS2-Bahn zwischen London und Nordengland zu bekommen. 

Der Hochgeschwindigkeitszug Velaro von Siemens im Londoner Hydepark: Siemens hat gute Chancen, den Zuschlag für die Lieferung neuer Züge für die geplante HS2-Bahn zwischen London und Nordengland zu bekommen. 

Foto: Eurostar International Ltd.

Für „HS2“ – wie das Vorhaben offiziell heißt – haben die Landaufkäufe begonnen. Etwa 500 Enteignungen sind zunächst vorgesehen. In knapp 100 Fällen haben die Hausbesitzer schon dem Verkauf zugestimmt. Es tut sich was.

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Schon jetzt kämpfen um die HS2-Aufträge Unternehmen aus aller Welt. Aus Deutschland hat der Tunnelbauer Herrenknecht nach anderen Tunnelbauten auf den Britischen Inseln besonders gute Chancen. Siemens könnte mit seinen Zügen wie auch mit seiner Signaltechnik zum Zuge kommen. Ein starker Konkurrent ist aber auch die chinesische Bahnindustrie, die bereits angeboten hat sich auch als Investor am HS2-Vorhaben zu beteiligen.

Passagierzahlen der Bahn wachsen schnell

In den zurückliegenden 15 Jahren sind die alten Bahnstrecken von London über Nordengland nach Schottland völlig modernisiert und in ihrer Kapazität drastisch aufgestockt worden. All das war aber im Rückblick doch nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Jahr für Jahr steigen die Passagierzahlen im Bahnnetz um vier bis acht Prozent und dabei ganz besonders auf den längeren Strecken. Die Folge war die Planung der Schnellbahnstrecke HS2, die von London über Birmingham nach Manchester führen soll.

Sehr hoher finanzieller Aufwand

Da HS2 größtenteils durch stark besiedeltes Land führt, sollen weite Teile in Tunneln verlaufen. Das erhöht die Baukosten. Mit 48 bis 60 Milliarden Euro wird derzeit gerechnet. Davon entfallen neun Milliarden Euro allein auf die Züge. Dabei sind sich die Verantwortlichen bewusst, dass solche Vorhaben meist teurer als geplant werden. Dementsprechend geht es nun um Überlegungen, wie das Projekt verbilligt werden kann.

Der Chef des HS2-Programms, Sir David Higgins, plädiert deshalb für eine starke Beschleunigung der Arbeiten und eine Ausdehnung der neuen Strecke nach Nordwestengland. Beides zusammen soll die Fertigstellung um etwa sechs Jahre auf 2026 vorziehen. Ob eine solche Änderung des Vorhabens ohne zunächst einmal eine Verzögerung überhaupt möglich ist, wird allerdings von zahlreichen Politikern bestritten.

Unverändert starker Widerstand gegen HS2 

Die tägliche drangvolle Enge in vielen Zügen und die Einigkeit aller drei großen Parteien im britischen Parlament haben den Widerstand gegen HS2 keineswegs zum Verstummen gebracht. Teils sind es Umweltschützer, die das Vorhaben als viel zu großen Einschnitt in die Landschaft und damit Umwelt empfinden und kritisieren. Zum anderen aber sind es vor allem die Bewohner von Häusern in einigen der schönsten Landschaften auf den Britischen Inseln, die dagegen protestieren, dass künftig Züge mit einem Tempo von 350 Kilometern in der Stunde an ihnen vorbeirasen. Unter letzteren Gegnern befinden sich besonder viele Anhänger und Mitglieder der konservativen britischen Regierungspartei, die mit ihrem Widerstand Premierminister David Cameron erfolgreich das politische Leben schwer machen. Trotz ersten Gerichtsurteilen gegen die HS2-Gegner ist damit zu rechnen, das eine Phase der Hecken- und Grabenkämpfe gegen jede Meile weiteren Baus der Bahnstrecke einsetzt.

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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