Nach 5.000 Testfahrten 12.12.2016, 12:13 Uhr

Gotthard-Basistunnel: Längster Eisenbahntunnel der Welt ist eröffnet

Eine Premiere, auf die schier unendlich lange hin gearbeitet wurde: Der längste und tiefste Eisenbahntunnel der Welt ist eröffnet. Rund 300 Züge täglich durchqueren jetzt die Schweizer Alpen in Rekordzeit: Für 57 km brauchen sie nur 17 Minuten. 

Fast ein wenig gespenstisch: In aller Herrgottsfrühe raste am Sonntagmorgen der erste Passagierzug durch den Gotthard-Tunnel: Die 57 km lange Strecke war in nur 17 Minuten geschafft. 

Fast ein wenig gespenstisch: In aller Herrgottsfrühe raste am Sonntagmorgen der erste Passagierzug durch den Gotthard-Tunnel: Die 57 km lange Strecke war in nur 17 Minuten geschafft. 

Foto: Samuel Golay/dpa

Sonntagmorgen, 6.09 Uhr. Ein historischer Moment. Vom Züricher Hauptbahnhof rollte der erste Passagierzug Richtung Gotthard-Basistunnel, der die Schweizer Alpen durchquert – zwischen dem deutschsprachigen Kanton Uri und dem italienischsprachigen Kanton Tessin. „Wir haben lange trainiert und freuen uns, dass es jetzt endlich losgeht“, sagte Andreas Meyer, Chef des Schweizerischen Bahnbetreibers SBB. 17 Jahre Bauzeit und eine mehrmonatige Testphase mit 5.000 Testfahrten waren nötig, um an diesen Punkt zu gelangen.

Für Frühaufsteher: Die erste Fahrt durch den Basistunnel startete am Sonntag um 6.09 Uhr.

Für Frühaufsteher: Die erste Fahrt durch den Basistunnel startete am Sonntag um 6.09 Uhr.

Quelle: SBB

Rund 17 Minuten brauchte der extralange Zug, vollbeladen mit Ehrengästen und normalen Passagieren, um den 57 km langen Alpentunnel mit 200 km/h zu durchfahren. Für Meyer war es „ein Tag wie Weihnachten.“ Um 08.17 Uhr kam der Zug in Lugano an.

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Panne am ersten Tag: Zug bleibt im Gotthard-Tunnel stecken

Doch schon am ersten Tag gab es eine Panne: Ein Güterzug hatte einen technischen Defekt und blieb im Tunnel stecken. Das Abschleppen der Lok sorgte zwei Stunden lang für Verspätungen. Im Normalbetrieb werden 260 Güterzüge und 50 Passagierzüge täglich durch die beiden Parallelröhren des Gotthard-Basistunnels fahren, der nicht nur der längste, sondern auch der tiefste Tunnel der Welt ist – mit der weltweit höchsten Gesteinsüberdeckung: Beim St.-Gotthard-Massiv liegen 2.300 m Stein über den Röhren.

Voll besetzt war der Zug durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt unterwegs.

Voll besetzt war der Zug durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt unterwegs.

Quelle: SBB CFF FFS

Der Vorteil: Der elf Milliarden Euro teure Tunnel verläuft nahezu ohne Steigung. Dank der Flachbahn können die Züge nicht nur schneller fahren, sondern auch mehr laden: Güterzüge mit 4000 t Gesamtgewicht durchqueren seit Sonntag den Alpentunnel – auf der alten Gotthard-Strecke war wegen ihres rund 600 m höheren Scheitelpunkts selbst bei zwei Lokomotiven bei 1400 t Schluss. Die Transportmenge wird sich dadurch auf knapp 40 Millionen t pro Jahr verdoppeln.

Gotthard-Tunnel ist ingenieurstechnische Meisterleistung

Der Bau des Gotthard-Tunnels begann 1999 mit ersten Sprengungen an beiden Enden der Tunnelstrecke. Ab 2003 fraßen sich dann 400 m lange Tunnelbohrer des deutschen Herstellers Herrenknecht durch den Berg. Die gigantischen Bohrköpfe – 9,43 m im Durchmesser und 225 t schwer – drehten sich mit 6 U/min und schafften pro Tag eine Strecke von 38 m.

Der Gotthard-Tunnel durchquert die Schweizer Alpen fast ohne Steigung. Züge können daher 200 km/h schnell fahren und bis zu 4.000 t Gesamtgewicht haben.

Der Gotthard-Tunnel durchquert die Schweizer Alpen fast ohne Steigung. Züge können daher 200 km/h schnell fahren und bis zu 4.000 t Gesamtgewicht haben.

Quelle: Urs Flueeler/dpa

24 Millionen t Abraum später gelang am 15. Oktober 2010 der Durchbruch. der eine Demonstration der Präzision des modernen Tunnelbaus war. Beide Tunnelbohrmaschinen waren von der Sollachse nur um 4 mm und vertikal um 8 mm abgewichen. Eine ingenieurstechnische Meisterleistung.

Die 5 spektakulärsten Fakten zum Gotthard-Tunnel lesen Sie hier.

 

Ein Beitrag von:

  • Patrick Schroeder

    Patrick Schroeder arbeitete während seines Studiums der Kommunikationsforschung bei verschiedenen Tageszeitungen. 2012 machte er sich als Journalist selbstständig. Zu seinen Themen gehören Automatisierungstechnik, IT und Industrie 4.0.

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