Ohne Lenkrad und Gaspedal 29.05.2014, 10:40 Uhr

Google präsentiert der Welt das selbstfahrende Auto

Weder Lenkrad, Gas- noch Bremspedal, stattdessen ein einfacher E-Schalter. Das reicht dem kleinen Google-Auto mit Nase, Mund und Augen, um Menschen von A nach B zu fahren. IT-Gigant Google hat jetzt den Prototypen des autonom fahrenden Gefährts vorgestellt, das mit Radar, Kamera und Laser durch die Stadt navigieren soll.  

Derzeit drosselt aus Sicherheitsgründen ein Tempomat den kleinen autonomen Flitzer von Google, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 40 km/h. Die Front hat zudem eine schaumstoffähnliche Oberfläche, die Passanten im Fall einer Kollision schützen soll.

Derzeit drosselt aus Sicherheitsgründen ein Tempomat den kleinen autonomen Flitzer von Google, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 40 km/h. Die Front hat zudem eine schaumstoffähnliche Oberfläche, die Passanten im Fall einer Kollision schützen soll.

Foto: Google

Der jetzt von Google vorgestellt Prototyp eines selbstfahrenden Autos lässt staunen: kein Lenkrad, kein Gaspedal, kein Bremspedal. Stattdessen ein Knopf. Den drückt der arbeitslose Fahrer und schon fährt das Auto ihn zum gewünschten Ziel.

„Wir stellen euch heute den Prototypen vor, weil ihr ihn demnächst schon auf den Straßen sehen werdet“, erklärte Google-Mitbegründer Sergey Brin jetzt auf der Code Conference in Rancho Palos Verdes in Kalifornien. Schon seit 2009 arbeitet Google an der Vision eines selbstfahrenden Autos. Chefentwickler hinter dem Projekt ist der deutsche Informatiker und Vizepräsident von Google, Sebastian Thrun, der zuvor an der Stanford University als Professor für Künstliche Intelligenz tätig war.

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Mischung aus Smart, Spielzeugauto und Seilbahngondel

Der Prototyp, mit dem Google jetzt an die Öffentlichkeit prescht, ist optisch eine wilde Mischung aus Smart, Spielzeugauto und Seilbahngondel. Ein Tempomat drosselt die Höchstgeschwindigkeit auf rund 40 Kilometer pro Stunde – aus Sicherheitsgründen.

Auch eine blinde Frau hat gemeinsam mit ihrem Blindenhund das Google-Auto bereits getestet. Sie muss nur Platz nehmen und den Startknopf drücken.

Auch eine blinde Frau hat gemeinsam mit ihrem Blindenhund das Google-Auto bereits getestet. Sie muss nur Platz nehmen und den Startknopf drücken.

Quelle: Google

Brin ist überzeugt, dass es in Zukunft nicht mehr darum gehen werde, ein Auto selbst zu besitzen: „Sie dürften größtenteils als ein Service bereitgestellt werden.“ Google habe die Technologie, das umzusetzen. „Und es ist wahrscheinlich, dass wir eine Menge Partner haben werden – das könnten Autohersteller, Zulieferer, Diensteanbieter, Städte oder Länder sein“.

Google will bis Sommer 100 Testfahrzeuge bauen lassen

Zunächst sollen bis zum Sommer 2014 etwa 100 Testfahrzeuge gebaut werden, kündigte der Suchmaschinengigant an. John Markoff zufolge bietet das Fahrzeug viel Beinfreiheit. Der New York Times Reporter machte vergangene Woche eine Testfahrt. Die Windschutzscheibe ist aus Plastik und ein großes Display im Cockpit zeigt Uhrzeit, Lufttemperatur und voraussichtliche Ankunftszeit an. Zum Losfahren drückt man einen Knopf.

Autounfälle sind die häufigste Todesursache bei Menschen im Alter von 4 bis 34 Jahren. Das Eno Center for Transportation, ein Think-Thank in Washington, hat untersucht, was die Vorteile solcher selbstfahrenden Autos sein könnten. Die Autoren nennen vor allem die Sicherheit im Verkehr: „Selbstfahrende Vehikel haben das Potenzial, Autounfälle in den USA dramatisch zu reduzieren.“ Von den jährlich 5,5 Millionen Autounfällen in den USA gingen 93 Prozent auf menschliches Versagen zurück.

Google testet das Auto jetzt in der Stadt

In der Anfangsphase konzentrierte sich Google vor allem auf Autobahnen. Denn in diesem Umfeld ist es leichter für die Software im Vehikel, sicher zu navigieren. Kein Fußgänger rennt vor das Auto auf die Straße, kein Fahrradfahrer kann beim Abbiegen übersehen werden. Erst nach Hunderttausenden Testkilometern auf Autobahnen hat sich Google jetzt auf das Risiko Stadtverkehr eingelassen.

Das Google-Auto in der Montage: Radar, Laser und Kamera helfen dem Bordcomputer, die beweglichen Objekte im Straßenraum hinsichtlich ihrer Größe, Richtung und Geschwindigkeit zu bewerten.

Das Google-Auto in der Montage: Radar, Laser und Kamera helfen dem Bordcomputer, die beweglichen Objekte im Straßenraum hinsichtlich ihrer Größe, Richtung und Geschwindigkeit zu bewerten.

Quelle: Google

Es ist ein ganzer Komplex an Informationen, die der Computer im Google-Auto zu verarbeiten hat. Das sind zunächst die genaue Position per GPS-Ortung und detaillierte Informationen über Straßenbreite, Ampeln, Fahrbahnkrümmung. Dazu gesellen sich Informationen von Radar, Laser und Kamera, die der Software helfen, die beweglichen Objekte im Straßenraum hinsichtlich ihrer Größe, Richtung und Geschwindigkeit zu bewerten. Diese Informationen setzt das Auto in Bezug zur eigenen Fahrtrichtung und Geschwindigkeit. Alle diese Informationen führen zu Entscheidungen in Sekundenbruchteilen: Lenken, Bremsen oder Beschleunigen.

Google-Auto fährt extrem defensiv

Grundsätzlich ist die Software so programmiert, als würde ein extrem vorsichtiger Mensch das Fahrzeug lenken. So macht das Auto immer einen großen Bogen um Lastwagen und Baustellen. Schaltet eine Ampel auf Grün, zögert das Auto ein wenig, bevor es losfährt, damit ein Fußgänger, der kurz vor dem Signalwechsel die Straße überquert, sicher auf der anderen Seite ankommt.

Eines sei ängstlichen Gemütern noch verraten: Das Auto verfügt über einen sogenannten e-stop-Knopf. Wenn der Fahrer plötzlich in Panik gerät und anhalten will, so kann er mit diesem Knopf das Auto sofort stoppen. Die Front des Autos ist für den Fall eines Aussetzers der Software zudem mit einem schaumstoffähnlichen Material überzogen. Dieses soll die Verletzungsgefahr für Passanten minimieren.

 

Ein Beitrag von:

  • Detlef Stoller

    Detlef Stoller ist Diplom-Photoingenieur. Er ist Fachjournalist für Umweltfragen und schreibt für verschiedene Printmagazine, Online-Medien und TV-Formate.

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