Smog am Eiffelturm 17.03.2014, 12:46 Uhr

Fahrverbote in Paris: Metro, Elektroautos und Leihräder gratis

Mit einem Fahrverbot für Privat-Pkw, kostenlosen Fahrten von Bussen und Bahnen und dem Gratisverleih von Elektroautos und Leihräder reagiert die französische Hauptstadt Paris auf den seit Tagen herrschenden Smog. Der Grenzwert für die Feinstaubbelastung war an fünf Tagen in Folge überschritten. An diesem Montag dürfen nur Autos mit ungerader Zahl auf dem Kennzeichen in die Stadt fahren.

Der Pariser Eiffelturm im Smog: Mit Fahrverboten und Gratisfahrten in der Metro und mit Leihrädern reagiert Paris auf die zu hohe Feinstaubbelastung in der Stadt.

Der Pariser Eiffelturm im Smog: Mit Fahrverboten und Gratisfahrten in der Metro und mit Leihrädern reagiert Paris auf die zu hohe Feinstaubbelastung in der Stadt.

Foto: dpa

Was waren das für paradiesische Stunden am vergangenen Wochenende in Paris: Bus, Bahn und Metro konnten gratis benutzt werden. In der gesamten Innenstadt war das Parken kostenfrei. Und die städtischen Fahrräder und Elektroautos durften Bewohner und Touristen ebenfalls kostenlos für ihre Besorgungen oder Besichtigungen nutzen. Doch das war nicht die Zukunft eines ökologischen Verkehrs in Paris, sondern der Versuch, dem seit Tagen über der Stadt liegenden Smog Herr zu werden.

Fünf Tage in Folge dicke Luft in Paris

Am Freitag hatte die Konzentration der teils als krebserregend eingestuften Feinstaub-Partikel einen Wert von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft erreicht. Zulässig sind innerhalb der Europäischen Union höchstens 50 Mikrogramm. Überschreitungen dieses Grenzwertes sind nur an 35 Tagen im Jahr zulässig. Die Luft in Paris war bereits an fünf Tagen in Folge so voller Feinstaub, dass die Behörden handeln mussten.

Am diesem Montag wurden die ersten Fahrverbote ausgesprochen: Nur Autos und Motorräder, deren Nummernschild mit einer ungeraden Zahl endet, dürfen in Paris noch motorisiert bewegt werden. Alle anderen Fahrzeuge müssen stehen bleiben. Ausgenommen von dieser Regelung sind nur Rettungswagen, Elektro- oder Hybridautos und Fahrzeuge mit mindestens drei Insassen. Zudem gibt es auf zahlreichen Straßen drastische Geschwindigkeitsbegrenzungen, um den Abgasausstoß zu begrenzen. Die Stadtverwaltung forderte die Einwohner der französischen Hauptstadt auf, ihre Autos ganz stehenzulassen.

Fahrverbote für die Hälfte der Pkw

Abgerechnet wird dann am Montagabend: Dann will die Regierung die Situation neu bewerten. Wenn sich die Luftqualität nicht substanziell verbessert hat, werden die Beschränkungen auch am Dienstag in Kraft bleiben. Der Dienstag ist dann der Tag für die Autos und Motorräder, deren Kennzeichen auf der geraden Ziffern enden. Premierminister Jean-Marc Ayrault sagte, dass er sich bewusst sei, dass diese Einschränkung vor allem Pendler vor große Probleme stellen würde. „Aber diese zusätzliche Maßnahme ist notwendig“, betonte Ayrault.

Fahrzeugkontrolle an der Porte Bagnolet in Paris: Nur noch halb so viele Autos und Motorräder wie üblich dürfen in die französische Hauptstadt hineinfahren, die seit Tagen unter Smog leidet. Das Einfahrverbot wird von 750 Polizisten kontrolliert.

Fahrzeugkontrolle an der Porte Bagnolet in Paris: Nur noch halb so viele Autos und Motorräder wie üblich dürfen in die französische Hauptstadt hineinfahren, die seit Tagen unter Smog leidet. Das Einfahrverbot wird von 750 Polizisten kontrolliert.

Foto: dpa

„Das ist unmöglich durchzusetzen, dumm und ein Versuch, Wählerstimmen zu gewinnen“, polterte Pierre Chasseray, Chef des Automobilverbands „40 Millions d’Automobilistes“. Am 23. März und am 30. März sind in ganz Frankreich Kommunalwahlen. Es ist das erste Mal seit 1997, dass die Regierung ein Fahrverbot verhängt und überhaupt erst das zweite Mal in der Geschichte Frankreichs.

Derzeit kaum Luftaustausch über großen Teilen Frankreichs

Für die drastische Feinstaubbelastung in der Hauptstadtregion Ile de France werden besonders Dieselfahrzeuge und die Schwerindustrie verantwortlich gemacht. Verstärkt wird die Luftverschmutzung allerdings durch die aktuelle Wetterlage. Ein Hochdruckgebiet über Frankreich mit vergleichsweise kühlen Nächten und warmen Tagen sorgt dafür, dass die schädlichen Partikel an Ort und Stelle gehalten werden. Es findet kaum ein Luftaustausch statt.

Es ist bei weitem nicht nur die Hauptstadtregion von dieser meteorologischen Sondersituation betroffen. Auch in Lyon, Bordeaux, Caen, Rouen, Grenoble, Le Mans, Tours und Reims sind die Feinstaubwerte drastisch erhöht. Insgesamt 30 französische Departements waren laut Behörden von der ungewöhnlich dramatischen Luftverschmutzung betroffen: Fast drei Viertel des französischen Staatsgebiets liegen derzeit unter dieser Glocke aus Smog.

Himmel ist gelblich eingefärbt über der Stadt der Liebe

Der Himmel über Paris ist gelblich eingefärbt, so wie man es ansonsten nur aus Öko-Thrillern im Kino kennt. Stellenweise wurden in Paris Kaminfeuerverbote verhängt. Schulen wurde auferlegt, die Aktivitäten von Kindern im Freien zu begrenzen. Generell warnen die Behörden ältere Menschen mit Atembeschwerden, Schwangere und kleine Kinder: Sie sollten möglichst zu Hause bleiben. Die Umweltbehörde der Europäischen Union stuft die derzeitige Luftverschmutzung als die schlimmste seit 2007 ein. Die Städte Caen und Rouen schlossen sich am Wochenende deshalb schon einmal der Pariser Idee der kostenfreien Nutzung von Bus und Bahn an.

Feinstaub ist für viele Metropolen ein Riesenproblem

Es ist allerdings nicht nur in Frankreich dicke Luft angesagt: Auch in Belgien ist wegen der hohen Feinstaubbelastungen Smogalarm ausgerufen worden. In Brüssel gibt es an 50 Stellen im Stadtgebiet Radarkontrollen. Und auf den Autobahnen im Land zuckeln die Fahrzeuge mit gemütlichen 90 km/h über die Piste.

Erst vor kurzem hatte auch die Shanghaier Akademie für Sozialwissenschaften festgestellt, dass Chinas Hauptstadt Peking „fast unbewohnbar für menschliche Wesen“ sei. Dort wurden Spitzenwerte des gefährlichen Feinstaubes von mehr als 500 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Dagegen ist Paris wohl noch ein Luftkurort.

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