Bau in Rekordzeit 28.07.2015, 06:33 Uhr

Erste Containerschiffe passieren Ägyptens neuen Suezkanal

Am Wochenende war es so weit: Die ersten Containerschiffe passierten den neuen Suezkanal – erstmals in beide Richtungen gleichzeitig. Ägypten hat das „Geschenk an die Welt“ in der Rekordzeit von elf Monaten fertiggestellt. Ursprünglich waren drei Jahre geplant. 

In nur elf Monaten hat Ägypten den Suezkanal um einen Parallelkanal erweitert: Künftig ist Gegenverkehr möglich. Der Kanal soll sich in elf statt 22 Stunden passieren lassen. 

In nur elf Monaten hat Ägypten den Suezkanal um einen Parallelkanal erweitert: Künftig ist Gegenverkehr möglich. Der Kanal soll sich in elf statt 22 Stunden passieren lassen. 

Foto: Suez Canal Authority

Sechs Containerschiffe passierten am Samstag den neuen Suezkanal, meldete die staatliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena. Drei Schiffe durchfuhren die Verbindung zwischen Rotem Meer und Mittelmeer von Norden aus, drei weitere in entgegengesetzter Richtung. Der Probelauf verlangte scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Denn in den letzten Monaten kam es auf der angrenzenden Sinai-Halbinsel zu Anschlägen von Extremisten. Seit 2013 kamen dort hunderte Soldaten und Polizisten ums Leben.

Bau in Rekordzeit von elf Monaten

Für Abd al-Fattah as-Sisi bedeutet der erfolgreiche Testlauf Bestätigung seiner Strategie: Der ägyptische Präsident hatte die Bauzeit für den neuen Kanal kurzerhand auf ein Jahr verkürzt, um dem Land durch zusätzliche Kanalgebühren schnell zu wirtschaftlichem Aufschwung zu verhelfen – die Regierung hatte ursprünglich drei Jahre eingeplant. Die ägyptische Wirtschaftslage erfordere die Eile, erklärt er. Für den 6. August hat Sisi die Eröffnung des neuen Kanals geplant.

In diesem einen Jahr haben 25.000 Arbeiter Erstaunliches vollbracht: 43 Bagger schafften Tausende Kubikmeter Erde davon, um einen 34 km langen Parallelkanal zu bauen. Außerdem vertieften und erweiterten drei Dutzend schwimmende Baggerschiffe namens Dredgers 35 km des alten Kanals, um Engpässe zu beseitigen.

Schiffe befahren Suezkanal erstmals gleichzeitig in beide Richtungen

Die Folgen des Ausbaus sind sensationell: Schiffe können jetzt die 162,25 km lange Wasserstraße in beide Richtungen befahren. Die Durchfahrtszeit soll sich von 18 bis 22 Stunden auf elf Stunden verkürzen ­– denn bislang mussten die Schiffe stundenlange Wartezeiten auf Schiffsparkplätzen in den Bitterseen in Kauf nehmen, weil der Kanal für Gegenverkehr nicht groß genug war. Durch den Ausbau soll sich die Kapazität von heute 49 auf 97 Schiffe nahezu verdoppeln.

Am Samstag passierte das erste Containerschiff den neuen Suezkanal. Die Eröffnung ist für den 6. August geplant. 

Am Samstag passierte das erste Containerschiff den neuen Suezkanal. Die Eröffnung ist für den 6. August geplant. 

Foto: Suez Canal Authority

Der Ausbau soll im von Wirtschaftskrisen gebeutelten Ägypten die Kasse klingeln lassen: Die Kanalgebühren zählen zu den wichtigsten Quellen für die Deviseneinnahmen des Landes. Derzeit liegen sie bei 5,3 Milliarden $. Im Jahr 2023 sollen die Gebühren 13,2 Milliarden $ in die Staatskasse spülen.

Ägyptens Geschenk an die Welt

Ägypten versteht den Kanal aber auch als Geschenk an die Welt, da er mehr Schiffsverkehr auf der schnellsten Verbindung zwischen Europa und Asien ermöglicht. 62 % der Öltanker und 90 % der Massengutfrachter können die maritime Abkürzung befahren. „Wir freuen uns, diesen Erfolg nun mit dem ägyptischen Volk feiern zu dürfen, und natürlich möchten wir die Neuigkeit über Ägyptens „Geschenk an die Welt“ weit verbreiten“, erklärt Admiral Mohab Mameesh, Geschäftsführer der Suez Canal Authority, in einem Bericht des Onlinemagazins Lonam.

Der Suezkanal hat eine lange Geschichte: Den ersten Kanal hatten die Pharaonen unter Senusret III. vor fast 4000 Jahren realisiert ­– allerdings mit anderer Streckenführung. Seitdem kam es zu sechs Neubauten. Den derzeitigen Kanal haben rund 1,5 Millionen Arbeiter unter Leitung des französischen Unternehmers Ferdinand de Lesseps ausgehoben. Er ging im November 1869 in Betrieb.

Von Patrick Schroeder Tags:
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