Kapazität verdoppeln 16.03.2015, 06:55 Uhr

Ägypten: Militär treibt Ausbau des Suezkanals voran

In Ägypten wird derzeit der Suezkanal ausgebaut. Vom Militär. Im Laufschritt. Noch im Herbst dieses Jahres soll ein 35 Kilometer langer Parallel-Wasserweg unmittelbar neben dem bestehenden fertig sein. Die ursprünglich auf drei Jahre veranschlagte Bauzeit für das Milliardenprojekt wurde auf ein Jahr verkürzt. 

Der Zerstörer USS Nitze der US Navy fuhr im Juni 2014 durch den Suezkanal. Bislang ist der Kanal so schmal, dass Schiffe nicht gleichzeitig in beide Richtungen fahren können.

Der Zerstörer USS Nitze der US Navy fuhr im Juni 2014 durch den Suezkanal. Bislang ist der Kanal so schmal, dass Schiffe nicht gleichzeitig in beide Richtungen fahren können.

Foto: US Navy

Seit seiner Inbetriebnahme 1869 ist der Suezkanal ein wichtiger Teil der schnellsten Schifffahrtsverbindung zwischen Asien und Europa. Zugleich ist er Ägyptens bedeutendster Devisenbringer. Könnte aber noch viel mehr einbringen, wenn er nicht einem Nadelöhr gliche. Die Militärregierung in Kairo will nun mit einer zweiten Spur die Kapazität des Suezkanals verdoppeln. Das soll noch in diesem Jahr erreicht werden.

Künftig zwei parallele Wasserstraßen ganz dicht nebeneinander

Bisher ist der Suezkanal so schmal, dass diese Verbindung von Mittelmeer und Rotem Meer jeweils nur in einer Richtung befahren werden kann. Alle paar Stunden kommen dann die Schiffe dran, die in umgekehrter Richtung fahren wollen. Für viele Schiffe  sind entsprechend stundenlange Wartezeiten unvermeidlich.

Pläne für den Ausbau des Kanals zu einer Wasserstraße, die gleichzeitig in beiden Richtungen befahren werden kann, gibt es schon lange. Sie sahen ursprüngliche eine Bauzeit von drei Jahren vor. Ägyptens Präsident General Abdel-Fattah el-Sissi hat vor einigen Monaten aber die Verkürzung der Bauzeit auf nur ein Jahr angeordnet.

Militär betreibt den Ausbau des Kanals jetzt selbst

Um diese drastische zeitliche Reduzierung tatsächlich zu erreichen, hat el-Sissi das Bauprojekt ganz in militärische Hände überführt.

Inzwischen laufen die Arbeiten an dem 35 Kilometer langen Parallel-Wasserweg unmittelbar neben dem bestehenden Suezkanal ebenso auf Hochtouren wie die am alten Kanal. Er wird an einigen Stellen vertieft und verbreitert, um traditionelle Langsamfahrstellen auszumerzen. Bulldozer und Bagger sind im Dauereinsatz: Fast alle Baustellen werden gegenwärtig rund um die Uhr betrieben, um so die Inbetriebnahme des Parallelkanals noch im Herbst dieses Jahres sicherstellen zu können.

Einfahrt in den Suezkanal bei Port Said, im Hintergrund Port Fouad mit seiner „Großen Moschee“.

Einfahrt in den Suezkanal bei Port Said, im Hintergrund Port Fouad mit seiner „Großen Moschee“.

Foto: Hajotthu/Wikimedia (CC BY 3.0)

Finanziell ist der Ausbau für Ägypten kein Problem: Die Militärregierung in Kairo hat im Herbst 2014 eine Anleihe von 8,5 Milliarden US-Dollar aufgelegt, die bei einem Zinssatz von zwölf Prozent im Jahr binnen nur einer Woche – hauptsächlich von ägyptischen Privatleuten – aufgekauft worden war. 

Schiffsdurchfahrten sollen sich verdoppeln

Die Militärregierung erhofft sich eine Verdoppelung der Schiffsbewegungen im Kanal bis zum Jahr 2023 auf dann etwa 97 Schiffe am Tag. 2014 erlöste Ägypten insgesamt 5,5 Milliarden US-Dollar an Deviseneinnahmen aus dem Kanalbetrieb.

Wenn sich die Zahl der Schiffsdurchfahrten tatsächlich bis 2023 verdoppelt und auch größere, höhere Gebühren bezahlende Schiffe durchfahren, dann könnte das Land tatsächlich die anvisierten 13,2 Milliarden US-Dollar im Jahr an Devisen erlösen. Damit würde der Kanal, der heute schon die wichtigste Devisenquelle ist, für das Land noch erheblich an wirtschaftlicher Bedeutung gewinnen.

Risiken: Politische Unruhen und niedriger Ölpreis

Zum einen sind das jederzeit mögliche politische Unruhen. Ihnen versucht die Militärregierung durch die verstärkte Konzentration von Truppen entlang des Kanals vorzubeugen. Das zweite Risiko ist wirtschaftlicher Natur: Je stärker der Ölpreis sinkt, desto interessanter wird es für manche Reeder, ihre Schiffe nicht durch den gebührenbelasteten Kanal zu schicken sondern rund um Afrika nach Europa fahren zu lassen.

Die derzeitigen Kanalgebühren sind auf der Basis eines Ölpreises von 100 US-Dollar je Barrel Öl kalkuliert worden. Wenn der Ölpreis lange deutlich unter diesem Wert bleibt, müssten die Kanalgebühren reduziert werden, um nicht mehr und mehr Schifffahrtslinien auf den Weg um Afrika ausweichen zu lassen. Mit einer Reduzierung aber blieben die Deviseneinnahmen des Kanals hinter den Planungen der Regierung des insgesamt immer noch äußerst devisenarmen Landes zurück.

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